1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Die Gier nach dem weißen Gold

Ende Oktober wurde in Vietnam ein Schmuggler aufgegriffen, der versuchte, 1000 Kilogramm Elfenbein nach China zu schmuggeln. Der illegale Elfenbeinhandel profitiert von der steigenden Nachfrage aus Ostasien.

Ein geschnitzer Stoßzahn bei einem asiatischen Elfenbeinhändler (Foto: IFAW/D. Willetts)

Elfenbein gilt in manchen Teilen Asiens als Luxusgut

Während Experten in Vietnam noch klären müssen, aus welchem Land die Stoßzähne ursprünglich stammen, ist jetzt schon klar, dass die illegale Ware in Nigeria eingeschifft wurde. In Vietnam angekommen wurde sie auf ein Flussschiff umgeladen und sollte über den Grenzfluss Ka Long nach China geschafft werden. Die Behörden erhielten einen Hinweis und schlugen zu, bevor die Stoßzähne nach China gelangen konnten.

Laut IFAW war 2010 das Jahr mit den meisten Beschlagnahmungen seit dem Verbot des Handels mit Elfenbein. Die Experten befürchten, dass 2011 den Rekord des Vorjahres noch übertreffen wird.

Elfenbein als Statussymbol

Weltweit sind China und Japan die Hauptabnehmer für Elfenbein, wobei der weitaus größte Teil in die Volksrepublik ginge, wie Peter Pueschel von der Tierschutzorganisation IFAW sagt.

Ein japanisches Siegel aus Elfenbein (Foto: Creative Commons/Haragayato)

Elfenbeinsiegel mit eingraviertem Namen ersetzen in Japan die Unterschrift

Elfenbein ist in beiden Ländern ein begehrtes Statussymbol. In Japan wird es hauptsächlich für die Herstellung so genannter "Hankos" verwendet. Es handelt sich dabei um traditionelle Siegel, die wie eine Unterschrift unter Verträge gesetzt werden.

Chinesische Mittelständler stellen ihr neues Selbstbewusstsein und ihre wachsende Finanzkraft gern mit Elfenbeinschnitzereien oder gar einem ganzen Stoßzahn unter Beweis. Die wertvollen Stücke sollen zeigen, wie weit man es gebracht hat.

Verbot des Elfenbeinhandels

Daran kann auch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) von 1989, das den Handel mit Elfenbein verbietet, wenig ändern. Erschwerend kommen Ausnahmeregelungen hinzu, die auf Drängen von Simbabwe, Botswana, Namibia und Südafrika gewährt wurden. Sie erlaubten den legalen Verkauf von gelagertem Elfenbein unter strengen Bedingungen.

Es sei in der Praxis allerdings oft unmöglich, legales von illegalem Elfenbein zu unterscheiden, wie Peter Pueschel von IFAW feststellt. "Die Ausnahmeregelungen sind eines der größten Probleme, die wir haben, da sie es Kriminellen leicht machen, illegales Elfenbein im Windschatten der legalen Verkäufe in den Markt zu schleusen."

Beschlagnahmte Stoßzähne in Afrika (Foto: IFAW/D. Willetts)

Immer wieder werden Elfenbeinschmuggler gefasst

Etwas anders bewertet Volker Homes, der Artenschutzexperte vom WWF, die Ausnahmeregelungen. Während die Elefanten in West- und zunehmend auch in Zentralafrika vom Ausstreben bedroht seien, gäbe es in Simbabwe, Botswana, Namibia und Südafrika stabile Bestände. In Botswana komme es sogar zu Schwierigkeiten, da die wachsende Bevölkerung mit den Elefanten um Grund und Boden konkurriere. "Es besteht in diesen Ländern der legitime Wunsch, die landeseigenen Ressourcen zu nutzen", so Volker Homes weiter.

Volker Homes sieht das "Kernproblem" nicht in den Ausnahmegenehmigungen, die nur einen Bruchteil des zumeist illegalen Handels ausmachten und deren Symbolwirkung er für gering hält. Problematisch sei der illegale Schwarzhandel in Ländern wie Kongo, Ägypten, Sudan, Nigeria, der vor allem über Thailand die stetig steigende Nachfrage Ostasiens bediene.

Zunahme der Wilderei

"Die Globalisierung und der Wirtschaftsboom in Ostasien befeuern die Wilderei", wie auch Peter Pueschel vom IFAW beklagt. Die Preise für Elfenbein hätten sich in den letzten Jahren mindestens verdoppelt. Je nach Qualität und Bearbeitung könne ein Kilo Elfenbein mehrere 1000 US-Dollar Profit bringen.

Afrikanischer Wildhüter untersucht Elefantenkadaver (Foto: IFAW/D. Willetts)

Wildhüter können gegen zunehmende Wilderei immer weniger unternehmen

Der zunehmend höhere Gewinn der Wilderer mache die illegale Jagd auf Elefanten so attraktiv, dass die Kosten für den Schutz der Elefanten immer weiter anstiegen. Die betroffenen Länder in Afrika “können es sich nicht mehr leisten, die Tiere zu schützen“ stellt der Direktor vom IFAW fest.

Neben dem illegalen Handel im Großen habe auch der Schmuggel im Kleinen zugenommen. Vor allem chinesische Arbeiter und Diplomaten, die längere Zeit in Afrika gearbeitet hätten, würden versuchen, kleinere Mengen Elfenbeins nach China zu bringen. "Der Einfluss Asiens in Afrika wird weiter zunehmen und damit wahrscheinlich die Nachfrage nach Elfenbein", sagt Volker Homes.

Peter Pueschel vom IFAW sieht die steigende Nachfrage aus Ostasien mit Besorgnis und mahnt: "Wenn der Elfenbeinhandel nicht konsequent und ohne Ausnahmen verboten wird, dann werden die Elefanten in vielen Ländern bald verschwunden sein."

Autor: Rodion Ebbighausen

Redaktion: Ziphora Robina