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Kultur

Die Geschichte des Kinos

900 Minuten Kinogeschichte: in seiner "Story of Film" gibt Regisseur Mark Cousins den Zuschauern einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Kinos. Eine phantastische Reise in die Welt der siebenten Kunst.

So hat es das bisher noch nie gegeben. Die Geschichte einer Kunstform mit den Mitteln des eigenen Mediums erzählen. Kino lässt sich ja eigentlich nur im Kino erfahren. Doch wie soll das gehen? Der nordirische Journalist und Dokumentarfilmregisseur Mark Cousins ist das Wagnis eingegangen. Seine im Jahre 2011 entstandene 15-teilige Reihe "The Story of Film" gibt den Überblick: die Kunstform Film wird so ausschließlich mit laufenden Bildern erfahrbar.

Premiere auf großer Leinwand

Zunächst stand bei Cousins auch ein Text. 2004 veröffentlichte er ein Buch mit dem selben Titel. Auf dieser Basis ist die Serie fürs Fernsehen entstanden. Richtig zur Geltung kommen dürften die einzelnen Teile des Mammutprojekts aber nur auf großer Leinwand. Beim Filmfestival in Toronto war "The Story of Film" zunächst zu sehen, im vergangenen Jahr auch auf der Berlinale.

Rechte der Fotos liegen beim DVD-Anbieter ARTHAUS (Studiocanal) und sind von mir eingeholt. Sie sind wie immer nur zu nutzen bei der Berichterstattung über den Film The Story of Film und die Nennung des Anbieters. Der Journalist und Regisseur Mark Cousins

Mark Cousins

"Alles baut aufeinander auf. Sicher gäbe es ein Kino ohne Lumière, Griffith, Murnau, Eisenstein, Hitchcock, Rossellini, Godard, Altman, Lucas oder Tarantino. Aber wie sähen die Filme der diesjährigen Berlinale aus, wenn es die Arbeiten dieser Regisseure nicht gegeben hätte?" So wurde Cousins bewegte und bewegende Filmgeschichte 2012 beim wichtigsten deutschen Filmfest in Berlin angekündigt. Wer damals nicht dabei sein konnte, der kann nun zur DVD-Edition greifen.

Vergessene Regisseurinnen

Mark Cousins lässt selbst Kenner der Kinogeschichte staunen. In seinen 15 Filmen bündelt er Jahrzehnte und ästhetische Entwicklungen so geschickt, dass 900 Minuten wie im Flug vergehen. Seine Mischung aus meist sehr kurzen Filmausschnitten und Interviews (mit Filmgrößen wie Wim Wenders) ist ausgewogen. Dazu gönnt er den Zuschauern viele Atempausen beim Parforceritt durch ein Jahrhundert Kino. Ruhige, meist starre Einstellungen von Städten und Landschaften, aus denen die bedeutenden Regisseure der Filme kommen, geben dem Zuschauer immer wieder die Möglichkeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Der im Off gesprochene Kommentar von Mark Cousins ist behutsam, zurückhaltend und nicht nur etwas für Cineasten. Auch didaktisch ist "The Story of Film" ein gelungenes Beispiel dafür, wie man komplexe Zusammenhänge in der Kunstgeschichte vermitteln kann.

Es gab nicht nur Europa und Hollywood...

Es sind vor allem drei Elemente in Cousins Werk, die überzeugen. Der Regisseur hat während seiner Recherchearbeit viele vergessenen Filmkünstler ausgegraben. So weist er zum Beispiel auf die völlig verdrängte Rolle von Frauen hinter der Kamera in der Frühzeit des Kinos hin.

Darüber hinaus blickt er immer wieder auf die hierzulande weniger bekannten Filmnationen. Indien, China, Japan, südamerikanische Länder oder Ägypten - Mark Cousins nimmt alles andere als einen eurozentristischen Blickwinkel ein. Und auch Hollywood wird - bei aller Liebe zum Genrekino und den großen Regisseuren des US-Kinos - immer wieder auf Normalniveau zurechtgestutzt: Eine in fast allen Teilen auftauchende rote Christbaumkugel symbolisiert sowohl den Glanz als auch die Oberflächlichkeit des klassischen Hollywoodkinos.

Der Filmregisseur Wim Wenders. DVD-Edition The Story of Film. Rechte liegen beim Anbieter STUDIOCANAL und sind wie immer nur zu nutzen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die DVD und die Nennung des Anbieters. Bild (samt Copyright Freigabe) geliefert von DW/Jochen Kuerten.

Interviewpartner Wim Wenders

Schließlich baut der Nordire Brücken: was hat ein Stummfilm mit dem Blockbusterkino der 80er Jahre zu tun? Was ein Ingmar Bergman mit David Lynch? Welche gemeinsamen Wurzeln haben der Franzose Robert Bresson, der Japaner Yasujirō Ozu und der Däne Carl Theodor Dreyer? Und was verbindet Franzosen und Amerikaner? Cousins gibt viele schlüssige Antworten. Indem er mit kurzen Filmsequenzen Parallelen aufscheinen lässt und Verbindungslinien zieht. Cousins zeigt, wie sich das Kino ästhetisch weiterentwickelt hat. Er zeigt aber auch, wo vergessene Regisseure überall in der Welt Entwicklungen des Films vorweggenommen haben.

Ansteckende Begeisterung

Mark Cousins TV/Kino-Serie "The Story of Film" ist ein Lockmittel. Er macht Lust aufs Kino. "Nach jedem Tag im Tonstudio bin ich sofort in die Videothek meines Vertrauens geeilt, um die Filme sofort zu sehen, von denen Cousins mit so viel ansteckender Begeisterung zu uns spricht", berichtet der Filmjournalist Knut Elstermann, der "The Story of Film" für die deutschen Zuschauer synchronisiert hat. Dem kann man sich ohne jede Einschränkung anschließen.

Mark Cousins. The Story of Film: An Odyssey, GB 2011, 15 Teile, 915 Minuten, erschienen beim Anbieter Arthaus/Studiocanal.

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