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Politik

Die Geschichte der Abrüstung

US-Präsident Obama hat die Vision von einer atomwaffenfreien Welt. Vorerst wollen die USA und Russland ihre Nuklearwaffen weiter reduzieren - ein langer Weg. Lang ist auch die Liste der bereits bestehenden Abkommen.

US-Präsident Barack Obama verkündet am 5. April 2009 in Prag seine Vision von einer atomwaffenfreien Welt. (Foto: AP)

Atomwaffensperrvertrag (1968)

Darin verpflichten sich die fünf damaligen offiziellen Atommächte USA, Sowjetunion, China, Großbritannien und Frankreich, keine Nuklearwaffen an Dritte weitergeben. Andere Staaten, die dem Abkommen beitreten, dürfen keine Atomwaffen produzieren oder erwerben oder die entsprechende Technologie weitergeben. Dadurch soll die Weiterverbreitung von Atomwaffen verhindert werden. Den "Nuclear Non-Proliferation Treaty" haben 189 Staaten unterzeichnet. Weltweit soll es noch 23.000 Atomwaffen geben. Auch in Deutschland lagern Atombomben aus US-Beständen.

Keine Atomwaffen für die Mullahs - Ein Demonstrant hält ein Schild mit dieser Aufschrift bei einer Demo in die Höhe. (Foto: AP)

Gegen Irans Atompolitik

Israel, Indien und Pakistan besitzen ebenfalls Atomwaffen. Sie haben den Atomwaffensperrvertrag jedoch nicht unterzeichnet. Nord-Korea hat 2003 die Mitgliedschaft im Nichtverbreitungsvertrag gekündigt. Der Iran hat den Vertrag zwar unterzeichnet, weigert sich jedoch trotz internationalen Drucks, die Urananreicherung einzustellen. Im Februar 2010 erklärte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad sein Land offiziell zum Atomstaat.

Vereinbarung über Atomunfälle (1971)

Die Supermächte USA und Sowjetunion vereinbaren, sich bei Zwischenfällen sofort zu benachrichtigen, um einem "unbeabsichtigten Kernwaffenkrieg" vorzubeugen.

SALT-I-Vertrag (1972)

Die "Strategic Arms Limitation Talks" (SALT) sind der Versuch, die nuklearen Arsenale der beiden Gegner des Kalten Kriegs quantitativ auf dem Niveau des Jahres 1972 einzufrieren. SALT-I begrenzt die Zahl der land- und seegestützten Abschussvorrichtungen für Interkontinentalraketen fest.

ABM-Vertrag (1972)

Im "Anti-Ballistic-Missile-Treaty" (ABM) einigen sich die USA und die Sowjetunion darauf, jeweils keine landesweiten Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen aufzubauen. Jeder Vertragspartner erhält die Erlaubnis, jeweils nur ein regional begrenztes Abwehrsystem aufzubauen. Unter US-Präsident George W. Bush treten die USA im Dezember 2002 aus diesem Vertrag aus, um ihr geplantes Raketenabwehrsystem zu bauen.

SALT-II (1979)

Die Trägersysteme für strategische Atomwaffen werden auf je 2400 Raketen und schwere Bomber begrenzt. Der Vertrag wird von den USA nicht ratifiziert, aber beachtet.

Der INF-Vertrag (1987)

US-Präsident George Bush (l) und der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow vor den Flaggen ihrer Länder in Moskau. Am 31.07.1991 unterzeichnen sie das START-I-Abkommen. (Foto: dpa)

1991: Die Zeichen stehen auf atomare Abrüstung

Im Vertrag "Intermediate-Range-Nuclear-Forces" (INF) verpflichten sich US-Präsident Ronald Reagan und der Staatschef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, eine komplette Raketengattung abzuschaffen. Sie beschließen, nukleare landgestützte Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5000 Kilometern (Pershing II und SS-20) komplett zu verschrotten. Beide Seiten haben die Vertragsbedingungen inzwischen erfüllt.

START-I-Vertrag (1991)

Im Juli 1991 einigen sich die USA und die (zerfallende) Sowjetunion bei ihren "Strategic Arms Reductions Talks" (START) darauf, innerhalb von sieben Jahren die Zahl ihrer jeweiligen atomaren Gefechtsköpfe auf 6000 zu verringern und die Zahl der Trägersysteme (Raketen) auf 1600 zu reduzieren. Erstmals vereinbaren beide Seiten substanzielle Einschnitte in ihr bestehendes Atomwaffenarsenal. Die US-Seite verringert die Zahl der Sprengköpfe dadurch um 25 Prozent, die sowjetische (später GUS-) Seite verkleinert ihr Potential um 30 bis 35 Prozent. START-I ist am 4. Dezember 2009 ausgelaufen.

START-II (1993)

Eine russische SS-21 oder Totschka-Rakete mit einer Reichwerte von bis zu 70 Kilometern. (Foto: AP)

Eine SS-21, eine russische Kurzstreckenrakete

George W. Bush für die USA und Boris Jelzin für die Russische Föderation unterzeichnen das START-Nachfolgeabkommen. Darin verpflichten sie sich, alle landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen zu deaktivieren. Strategische Atomsprengköpfe sollen bis 2003 auf maximal je 3500 Stück begrenzt werden. Wegen der US-Militäreinsätze im Irak und im Kosovo sowie wegen der NATO-Osterweiterung zögert Russland mit der Umsetzung. Für Moskau ist die Ratifizierung mit höheren Rüstungsausgaben verbunden, da Waffen ausgelagert und umgerüstet werden müssen. Am 14. April 2000 wurde START-II schließlich von der Duma ratifiziert, jedoch unter der Bedingung des Verbleibs der USA im ABM-Vertrag. Die USA kündigte den ABM-Vertrag jedoch wenig später, so dass START-II nicht in Kraft trat.

Vereinbarung zur Meldung von Raketenabschüssen (2000)

US-Amerikaner und Russen wollen sich gegenseitig über Raketenstarts und Raumflüge informieren. Diese Maßnahme soll die Atomkriegsgefahr verringern.

SORT (2002)

2002 unterzeichnen der US-amerikanische Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin einen Vertrag über die Verringerung der nuklearen strategischen Offensivwaffen. Nach dem bis 2012 gültigen Sort-Vertrag (Strategic Offensive Reductions Treaty) ist eine Begrenzung auf 1700 bis 2200 Sprengköpfe vorgesehen. Nicht erfasst und nicht abgerüstet werden müssen Trägersysteme und Sprengköpfe, die eingelagert sind oder gewartet werden.

START-III

Prag von der Moldau aus gesehen. Im Hintergrund die Prager Burg und die Karlsbrücke. (Foto: dpa)

Obama und Medwedew werden zum Prager Frühling 2010 erwartet

"Es ist der umfassendste Abrüstungsvertrag in nahezu zwei Jahrzehnten", erklärt US-Präsident Barack Obama. Washington und Moskau einigen sich darauf, die Zahl der nuklearen Sprengköpfe in den nächsten sieben Jahren um 30 Prozent, von je 2200 auf je 1550, zu senken. Die Zahl der Trägersysteme (Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Langstreckenraketen und Langstreckenbomber) wird auf je 800 halbiert.

Der neue Abrüstungsvertrag soll an das START-II-Abkommen anschließen, dass am 4.Dezember 2009 ausgelaufen ist. Der neue Vertrag soll zehn Jahre gelten.

Experten schätzen allerdings, dass sowohl die USA als auch Russland längst über eine geringere Anzahl von funktionsfähigen Atomwaffen und Trägersystemen verfügen, sie demnach gar nicht abrüsten müssen. Außerdem werden strategische Bomber im neuen START-Vertrag als -eine- Atomwaffe gezählt. Im alten Abkommen galten sie als -zehn- Waffen.

Autor: Karin Jäger

Redaktion: Hartmut Lüning / Kay-Alexander Scholz