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Studie zum Internationalen Kindertag

Die geraubte Kindheit

Mehr als 730 Millionen Mädchen und Jungen haben keine Kindheit. Die Organisation "Save the Children" hat sich zum Internationalen Kindertag rund um den Globus umgesehen - und erschütternde Schicksale publik gemacht.

Kinderarbeit in Goldminen (Getty Images/AFP/I. Sanogo)

Kinderarbeit in einer afrikanischen Goldmine...

Zeinabou ist neun Jahre alt. Das kleine Mädchen lebt in einem Dorf in Burkina Faso in Westafrika. Zur Schule geht sie nicht, da sie eine Behinderung hat. Medizinische Hilfe kann ihre Familie sich nicht leisten. Zu Hause passt Zeinabou auf ihren kleinen Bruder auf und fertigt Strohbesen für den Verkauf.

Solche Geschichten wie diese sind der Organisation "Save the Children" zu Hauf untergekommen, als die Helfer die Lebensumstände von Kindern in 172 Ländern untersuchten. Ihr Fazit: Krieg, extreme Gewalt, Flucht und Vertreibung, Kinderarbeit, Frühverheiratung und Frühschwangerschaft, Mangelernährung oder eine schwache Gesundheit sorgen dafür, dass mehr als 730 Millionen Kinder - ein Viertel aller Mädchen und Jungen weltweit - ihrer Kindheit beraubt werden.

Indien Kinderarbeit Junge KFZ-Mechanker (Getty Images/AFP/C. Mao)

... und auch in Indien

West- und Zentralafrika besonders betroffen - Deutschland Platz zehn

Am stärksten ist die Kindheit laut dem Bericht "Stolen Childhood - Geraubte Kindheit" in West- und Zentralafrika gefährdet. Die Helfer haben eine Rangliste der Länder erstellt. Am unteren Ende der Liste landen Niger, Angola, Mali, die Zentralafrikanische Republik und Somalia. Eher unbeschwert wachsen Kinder dagegen in Norwegen, Slowenien, Finnland, den Niederlanden und Schweden auf. Deutschland erreicht Platz zehn.

Kindheit definiert der Report von "Save the Children" als die Zeit im Leben, "in der vor allem gespielt und gelernt wird und in der sich die Persönlichkeit eines Kindes voll entfalten kann". Jedes Mädchen und jeder Junge verdiene eine Kindheit "voller Liebe, Fürsorge und Schutz". Doch was hierzulande wohl die meisten Menschen unterschreiben würden, ist global betrachtet alles andere als selbstverständlich: 16.000 Kinder unter fünf Jahren sterben täglich, oftmals an vermeidbaren Krankheiten wie Malaria oder Diarrhoe. Rund ein Viertel aller Kinder unter fünf Jahren, etwa 156 Millionen, leidet sowohl physisch als auch mental unter Wachstumsverzögerungen aufgrund von Mangelernährung.

Äthiopien Ein unterernährtes Kind wartet mit seiner Mutter im Krankenhaus (picture-alliance/dpa/S. Morison)

Ein unterernährtes Kind mit seiner Mutter in Äthiopien

Aus Angst vor Gewalt Schule abgebrochen

45.000 Kinder haben im Jahr 2015 allein in El Salvador die Schule abgebrochen - aus Angst vor Gewalt auf dem Schulweg. Am meisten leiden Kinder in Syrien, dem Südsudan, Somalia, der Zentralafrikanischen Republik und Kolumbien unter Konflikten. Wenn die Weltgemeinschaft ihnen nicht helfe, "dann werden wir alle einen enormen Preis zahlen", mahnen die Helfer.

Syrien Kinder im Krieg in Aleppo (picture-alliance/AA/E. Sansar)

Aufwachsen inmitten von Trümmern - hier im syrischen Aleppo

Denn: Wenn Kindern keinerlei Bildung erhalten, haben sie kaum Möglichkeiten, später einmal gegen Armut oder Krankheiten anzukämpfen. Mädchen sind häufiger von Bildung ausgeschlossen als Jungen; 15 Millionen Mädchen werden laut Schätzungen nie die Gelegenheit bekommen, lesen und schreiben zu lernen. Bei den Jungen liegt diese Zahl bei zehn Millionen, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht.

168 Millionen Kinder weltweit müssen demnach arbeiten, 85 Millionen von ihnen unter gefährlichen Bedingungen. Das sind mehr als alle in Europa lebenden Kinder zusammen (138 Millionen).

Symbolbild Kindersoldaten im Jemen (Getty Images/AFP/S. Al-Obeidi)

Kindersoldaten im Jemen - für sie ein Spiel, doch es ist blutiger Ernst

Kinderehen in Vietnam, auf den Philippinen, Bangladesch, Niger 

Mädchen aus armen Familien werden wiederum besonders häufig in Kinderehen gezwungen. In Vietnam und auf den Philippinen ist die Wahrscheinlichkeit einer Kinderehe für Mädchen aus armen Familien siebenmal so hoch wie für jene aus wohlhabenden Familien. Die höchsten Raten von Kinderehen sind in afrikanischen Ländern südlich der Sahara sowie in Südasien zu verzeichnen: Im Niger sind 60 Prozent der Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren verheiratet, in Bangladesch 44 Prozent.

Es sei inakzeptabel, dass im Jahr 2017 etwa einem Viertel aller Kinder weltweit immer noch die Rechte auf Schutz, Lernen, Entfaltung und Spielen verwehrt werden, machte Bidjan Nashat, Vorstand bei "Save the Children" Deutschland deutlich. Kein Kind dürfe wegen Mangelernährung, Kinderarbeit, Frühverheiratung oder Frühschwangerschaft seiner Zukunft beraubt werden, egal wo es lebe. Die Regierungen müssten in Kinder investieren und ihre Gleichbehandlung sicherstellen, fordert "Save the Children": "Jedes Kind zählt".

In mehr als 40 Staaten, darunter China, Teilen der USA und Europas, wird zum 1. Juni mit dem Internationalen Tag des Kindes auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder aufmerksam gemacht. Deutschland und Österreich richten zudem am 20. September den Weltkindertag aus. Die Vereinten Nationen begehen den Weltkindertag am 20. November als Internationalen Tag der Kinderrechte. Auch diesem Datum haben sich viele Staaten angeschlossen. 

se/ml (kna, rtr, dpa, epd)

 

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