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Nahost

Die Geister, die Assad rief

Der "Islamische Staat" verbreitet auch in Syrien Angst und Schrecken. Auch wenn Präsident Assad mittlerweile die Terrormiliz bekämpft, kann er sich derzeit sicher fühlen: Er ist nicht mehr der größte Feind des Westens.

Seit mehr als drei Jahren tobt der Krieg in Syrien. Über 190.000 Menschen sind getötet worden, zahlreiche Städte und Ortschaften liegen in Schutt und Asche. Der mittlerweile auch internationale Kampf gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) im Irak überschattet die Geschehnisse und Entwicklungen im Nachbarland Syrien. Dabei hat IS - ursprünglich aus dem Irak als Ableger der Terrorgruppe Al-Kaida entstanden - erst bei den Kämpfen in der syrischen Stadt Rakka an neuer Stärke und Zuwachs gewonnen. Baschar al-Assad differenzierte bei den Kämpfen gegen seine Feinde zunächst nicht: Für ihn waren alle "Terroristen". In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP erklärte er, dass es einzig und allein die "Terroristen" seien, die Massaker am syrischen Volk begingen. Man kann nur darüber spekulieren, warum er Anfang 2012 Hunderte Islamisten, die Mehrheit von ihnen Anführer salafistischer Gruppen, aus dem Saidnaya-Gefängnis bei Damaskus entließ. Syrien-Experten haben ihm unterstellt, das Regime wolle dem stets artikulierten Schreckensbild von der Herrschaft der Islamisten Nachdruck verleihen.

IS gegen das Regime

Syrische Oppositionsgruppen sind zwar erst vor wenigen Monaten mit Waffen aus Frankreich ausgestattet worden, wie Staatspräsident François Hollande jüngst bekanntgab. Dennoch befinden sich die gemäßigteren Regimegegner auf dem Rückzug, weil sie gegen das Regime und die Extremisten zugleich kämpfen müssen. Zu Beginn kämpften die Dschihadisten nicht gegen die Armee Assads, sondern um die Vorherrschaft in den zuvor von syrischen Rebellen befreiten Gebieten. Der Widerstand gegen Assad wurde dadurch geschwächt, was dem Regime entgegenkam.

ISIS Militärparade in Syrien (Foto: Reuters)30.06.2014

Vermummte IS-Krieger: Militärparade im eroberten Rakka

"Militärisch ist die IS inzwischen eine der gefährlichsten Bedrohungen für Assad", sagte Politologe Jochen Hippler von der Universität Duisburg in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. In Aleppo zum Beispiel gerieten die gemäßigteren Regimegegner immer mehr in die Defensive. Vor wenigen Tagen erst rückten die IS-Kämpfer auf Aleppo vor. Überhaupt kontrolliert die Terrorgruppe im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Die Geländegewinne der IS machen dem Regime zu schaffen: Daher bombardiert die syrische Luftwaffe erstmals entschieden den "Islamischen Staat". Auch die USA gaben bekannt, dass man Angriffe auf IS in Syrien nicht mehr ausschließe. Experten gehen davon aus, dass der Vormarsch der Terrormiliz Assad zum ungeliebten Partner des Westens machen könnte, auch wenn Großbritannien eine Zusammenarbeit mit ihm ausschließt.

Ungeliebter möglicher Partner

Denn erst vergangene Woche nannte US-Präsident Barack Obama die Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals einen wichtigen Meilenstein. Gleichzeitig ermahnte er Assad, keine Gräueltaten an seinem eigenen Volk zu begehen. Von einer Absetzung Assads war in diesem Statement allerdings nicht die Rede. "Die verbalen politischen Angriffe auf Herrn Assad sind im Westen offensichtlich zurückgegangen, weil man ihn jetzt nicht mehr für das Hauptproblem hält, sondern stärker auf den 'Islamischen Staat' schaut", sagte Jochen Hippler.

Während der Westen den Kurden im Irak beisteht und die USA sogar Luftangriffe fliegen, gab es im Krieg in Syrien kein militärisches Eingreifen. Viele Syrer fühlen sich daher alleingelassen. "Inzwischen ist es so, dass auch viele Syrer Baschar al-Assad nicht mehr als das größte Übel, sondern eher als das kleinere Übel empfinden", erklärte Jochen Hippler. Besonders, wenn man die vielen brutalen Videos der IS sehe, fügte er hinzu, auch wenn das Regime schlecht sein mag. Die Dschihadisten des IS haben also nicht nur bei Teilen des syrischen Volkes das Assad-Regime als Gegner abgelöst, sondern auch möglicherweise beim Westen.

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