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Politik

"Die gehen lieber nach Afghanistan"

Die Parteien haben Jungwähler bei Youtube und Co. eifrig umworben. Wie viele der Wahlberechtigten unter 30 Jahren gewählt haben, weiß noch keiner. Allerdings schon, wen sie mögen und was sie von Schwarz-Gelb erwarten.

Eine Jungwählerin bei der Stimmabgabe in Köln (Foto: dpa)

Eine Jungwählerin in Köln

Obwohl sie die Wähler und Steuerzahler von morgen sind - für die Parteien sind die Wahlberechtigten unter 30 Jahren nicht so wichtig. Das klingt paradox, ist aber ein einfaches Zahlenspiel. Laut Statistik gibt es nämlich doppelt so viele Wähler über 60 als Wahlberechtigte unter 30. Also konzentrieren sich die Parteien immer noch vor allem auf die Masse, auch wenn sie etwas anderes behaupten.

Wahlplakat der Grünen in Bonn (Foto: Marlis Schaum)

Jungwähler tendieren zu Grün

Die Stimmung unter den Jungwählern war bei einer kleinen Umfrage am Wahlabend in Bonn dann auch eher unaufgeregt. In Cafés, Bars und Biergärten waren die Reaktionen auf den schwarz-gelben Sieg von CDU/CSU und FDP zurückhaltend. Radikale Veränderungen werde es damit nicht geben, hieß es. Rot-Grün wäre vielen lieber gewesen, "weil die gegen Studiengebühren sind". Aber vielleicht würde die Regierungspolitik jetzt ja konkreter, weil sich die beiden Parteien ja in vielem einig seien.

Hohe Erwartungen, wenig Konkretes

Laut dem Meinungsforschungsinstitut Infratest-dimap haben 25 Prozent der Erstwähler bei der Bundestagswahl am Sonntag ihre Stimme der CDU/CSU gegeben. Die restlichen Stimmen verteilen sich auf SPD (18 Prozent), Grüne (16 Prozent), FDP (14 Prozent) und Linke (12 Prozent). Generell geben Menschen unter 30 ihre Stimmen vor allem den kleineren Parteien wie den Grünen. Und sie fühlen sich von denen angesprochen, deren Programm auch etwas mit ihrem Leben zu tun hat.

Wahlplakat der CDU in Bonn, bei dem bei einem Kandidaten die Augen mit einem Aufkleber überklebt wurden (Foto: Marlis Schaum)

Viele unter 30 fühlen sich von den großen Parteien nicht angesprochen

Annika und Janna zum Beispiel: Studentinnen aus Bonn, beide 22 und am Wahltag mit einigem Schlafbedürfnis nach einer langen Partynacht. Sie waren sich zwar einig, dass sie Schwarz-Gelb nicht so toll finden, aber es fiel ihnen schwer, konkrete Gründe dafür zu nennen. Nur die Steuerpolitik fiel ihnen ein. Janna befürchtet, dass die neue Regierung die Steuern senken könnte, was sie für falsch hält. "Uns bringt das momentan als Studenten sowieso nichts und in vier Jahren, wenn wir kräftig einzahlen, müssen wir es dann ausbaden."

Wählen ja - und was dann?

Die Jungs am Nachbartisch seufzten nur auf die Frage, was sie von der neuen Regierung erwarten und schoben eher genervt ihre Käppis in den Nacken. "Boah, da stellst mir jetzt die falschen Fragen." Wählen waren sie allerdings, "nach drei Stunden Schlaf um zwölf". Aber was die neue Regierung konkret anpacken solle, konnten sie nur in vage Worte fassen: "Viele Sachen. Schulsystem, aber das ist jetzt nicht so ein CDU-Ding, da legen die andere Prioritäten, die gehen lieber nach Afghanistan in den Krieg."

Verschmierter Wahlkampfaufkleber der SPD (Foto: Marlis Schaum)

Ja, nein, ja, nein - oder gar keine Stimme abgeben?

Jungwähler sind laut Statistik schwierig einzuschätzen. Sie wechseln oft ihre politische Vorliebe. Und wenn sie nicht von Haus aus politisch interessiert sind, kommt das meist erst, sobald sie feste Jobs und Familie haben. In Bonn war am Wahlabend allerdings kein Jungwähler zu finden, der seine Stimme nicht genutzt hatte. Auch wenn man mit vielen Parteiprogrammen nichts anfangen könne, sei es wichtig, seine Stimme zu nutzen, sagten viele.

Allerdings waren diese Wahlaussagen nicht repräsentativ für die Wahlberechtigten der unter 30-Jährigen insgesamt. Deren Wahlbeteiligung liegt traditionell immer unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Autorin: Marlis Schaum

Redaktion: Kay-Alexander Scholz