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Aktuell Europa

Die geheimen Briefe von Prinz Charles

Illegale Fischerei, der Schutz von Seevögeln oder Rinderzüchtern: Diese und andere Themen bewegten den britischen Thronfolger so sehr, dass er sich in die Politik einmischte. Jetzt wurden die Schreiben veröffentlicht.

Dass Prinz Charles Schrullen hat, wissen die Briten und weiß auch das Ausland. Er selbst nannte sich einst einen "unverbesserlichen Wichtigtuer und Störer". Dank der jetzt publik gemachten Briefe, die Prinz Charles 2004 und 2005 an die damalige Labour-Regierung von Premierminister Tony Blair schrieb, weiß die Öffentlichkeit nun auch, dass ihm einige Dinge dermaßen am Herzen lagen, dass er sich in die Regierungsarbeit einmischte.

Zehnjähriger Rechtsstreit

Für die Herausgabe dieser Schreiben hatte der liberale "Guardian" zehn Jahre lang einen Rechtsstreit geführt, gegen den erbitterten Widerstand der Regierung. Im März schließlich stimmte Großbritanniens Oberster Gerichtshof der Veröffentlichung zu - gegen das Veto des konservativen Kabinetts von David Cameron. Nun machte die Regierung einige der Schreiben auf ihrer Internetseite öffentlich.

So erfahren wir, dass Charles in einem Brief ein zuvor geführtes mündliches Gespräch mit Regierungschef Blair zusammenfasst. Darin fordert er das Kabinett auf, die Streitkräfte mit funktionierenden Kampfhubschraubern auszurüsten. "Ich fürchte, dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass unsere Soldaten um einen extrem herausfordernden Job gebeten werden, ohne die nötige Ausrüstung dafür zu haben", heißt es in dem Brief, der 2004 verfasst wurde. Blair hatte zuvor britische Soldaten in den Irak geschickt.

Prinz Charles und Camilla (Foto: Getty)

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Tötung von Dachsen, Sorgen um Rinderzüchter...

Im Großteil der übrigen Schreiben - der älteste Sohn von Königin Elizabeth II. verfasste insgesamt zehn, außerdem gibt es 14 Antworten der Regierung - geht es vornehmlich um den Schutz von Albatrossen oder Umweltfragen im Allgemeinen. Laut "Guardian" macht sich Charles Sorgen wegen illegaler Fischerei oder der sytematischen Tötung von Dachsen. Der Prinz, der selbst eine große Biofarm betreibt, macht sich auch Gedanken über die Zukunft der Landwirtschaft. Bergbauern müssten subventioniert werden, fordert er etwa. Rinderzüchter müssten Zugang zu den entsprechenden Rassen bekommen. Außerdem müssten Bauern im Marketing ausgebildet werden, wenn sie überleben wollten. Am Herzen liegt ihm auch der Schutz historischer Gebäude in Nordirland.

Briefe vor Veröffentlichung redigiert

Mit solchen Äußerungen verletzt der Kronprinz nach Meinung von Kritikern die Neutralitätspflicht eines künftigen Monarchen. Charles' Pressedienst antwortet daraufhin, die veröffentlichten Briefe spiegelten das "Ausmaß der Sorgen und Interessen des Prinzen von Wales für sein Land und die Welt insgesamt wider".

Die Briefe sind aber nicht - wie zuvor häufig berichtet - handschriftlich verfasst worden. Lediglich Anrede und Unterschrift sind mit schwarzer Tinte und in der für Charles typischen Handschrift verfasst, aufgrund der seine Briefe den Beinamen "Black Spider Memos" bekamen. Vor der Veröffentlichung wurden die Schreiben teilweise redigiert.

se/wl (dpa, ape, afp)