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Politik

Die Gefahren für die Umwelt sind zu hoch

Symbolbild Pro & Contra (Foto: DW)

Der Anbau von Gen-Mais ist in Deutschland ab sofort verboten. Ist die Entscheidung richtig?

Glückwunsch, Frau Aigner! Den gentechnisch veränderten Mais MON 810 in letzter Minute vor Beginn der Aussaat 2009 zu verbieten, war ein Gebot der Vernunft - und längst überfällig. Denn wenn der Schutz von Mensch und Umwelt auf dem Spiel steht, muss das Vorsorgeprinzip gelten. So sehen das bereits fünf andere EU-Länder, die den Gentech-Mais verboten haben. Umweltorganisationen wie der BUND, Ökolandbauverbände, Landwirte und Imker warnen seit der europäischen Zulassung des MON 810 im Jahr 1998 vor dessen Gefahren für Umwelt und Gesundheit.

Die Behauptung, das Verbot von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner sei durch fadenscheinige wissenschaftliche Argumente begründet, ist falsch. Richtig ist, dass es wissenschaftlich unumstritten ist, dass das Gift des MON 810 auch Tiere wie etwa Schmetterlinge und Marienkäfer schädigt, die keine Schädlinge sind, sondern als Nützlinge oder Bestäuber gebraucht werden.

Gentech-Produkte halten nicht, was sie versprechen. Landwirte, die glauben, längerfristig Vorteile durch den Einsatz des Monsanto-Saatgutes zu haben, irren. Das zeigt der Blick in die USA oder nach Südamerika: Die Gewinner sind und bleiben die Saatgutmultis. Denn sie kassieren gleich mehrfach: Zum einen von den Landwirten für den Doppelpack von Saatgut und Herbiziden - hier fallen Lizenzgebühren für Saatgut und die Kosten für das speziell dazugehörige sündhaft teure Spritzmittel an. Außerdem kassieren sie von jenen Landwirten Lizenzgebühren, deren Ernte ungefragt von Monsantos Gentech-Patent etwa per Pollenflug kontaminiert wurde. Die staatliche Forschungsförderung für die Agro-Gentechnik ist bei alledem noch gar nicht eingerechnet.

Aigner erteilt mit dem Verbot dem weltweit mächtigsten Saatgutmulti Monsanto eine klare Abfuhr. Sie handelt konsequent als Umwelt- und Verbraucherschützerin in Personalunion, und sie entscheidet aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse. Erkenntnisse die übrigens bereits seit zehn Jahren vorliegen.

Autor: Reinhild Benning, Agrar-Expertin des BUND
Redaktion: Kay-Alexander Scholz