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Wirtschaft

Die ganz besondere Weltmeisterschaft

In Leipzig haben junge Menschen aus aller Welt gezeigt, dass sie in ihrem Beruf das Zeug zum Weltmeister haben. Bei den WorldSkills ging es aber um weit mehr als nur die Besten der Besten zu küren.

Die Fotografin ist DW-Reporterin Hilke Fischer. Der chinesische Schweißer Chen Yu Wang bei der WorldSkills 2013, der Berufeweltmeisterschaft in Leipzig.

Der chinesische Schweißer Chen Yu Wang auf der WorldSkills 2013 in Leipzig

Prüfend mustert Christian Heinz die Beule in der mattgrauen BMW-Karosse. Mit einem Knopfdruck bringt er sie auf der Hebebühne in die richtige Position und greift zum Hammer. Innerhalb von vier Tagen muss der deutsche Meister unter den Nachwuchs-Karosseriespenglern alle Schäden reparieren. Löst er die Aufgaben besser als die internationale Konkurrenz, kann er sich mit einem weiteren Titel schmücken: Weltmeister.

Der deutsche Karosseriespengler Christian Heinz beim Wettbewerb WorldSkills Leipzig 2013 (Foto: Hilke Fischer/DW)

Karosseriespengler Christian Heinz

Mehr als 1000 junge Menschen geben in den Leipziger Messehallen alles: Sie schweißen und sägen, kochen und frisieren, lackieren Autos, legen Gärten an, binden Blumensträuße. Monatelang haben sie sich darauf vorbereitet. Für viele von ihnen sind die WorldSkills das wichtigste Ereignis in ihrem Leben: "Dieser Wettkampf ist sehr hilfreich für meine weitere Kariere", sagt Chen Yu Wang. Der 18-jährige Chinese hat den ganzen Vormittag über in der Schweißkabine gestanden. Am Ende muss er sich gegen 24 andere nationale Schweißer-Champions durchsetzen. Für die Zeit nach der WM träumt er von einer Beförderung: "Ich würde gerne selbst daran mitarbeiten, neue Schweißtechniken zu entwickeln."

Die Exzellenz als Vorbild

Alireza Ahmadi, Iran, Mobile Robotik, mit seinem Roboter beim Wettbewerb WorldSkills Leipzig 2013 (Foto: Hilke Fischer/DW)

Der Iraner Alireza Ahmadi pflegt seinen Roboter

Geballtes Fachwissen aus 53 Ländern und Regionen in 46 verschiedenen Disziplinen machen die WorldSkills zu einem einzigartigen Erlebnis: "Ich finde es großartig, hier zu sein und Kontakte zu jungen Menschen aus ganz verschiedenen Ländern zu knüpfen", sagt Alireza Ahmadi. Der 22-jährige Iraner programmiert in Leipzig schemelhohe Roboter, die wie Miniatur-Gabelstabler über den Boden rollen und Holzbrettchen mit kippeligen Stäbchen darauf einsammeln. Sein Team schlägt sich gut: Obwohl der Roboter am Ende ungebremst in die zusammengesammelten Holzbrettchen düst, sind die Iraner in der Zwischenwertung ganz oben mit dabei.

Die beeindruckten Messebesucher schauen gebannt zu. Es sind vor allem Schüler, die durch die Hallen schlendern; viele von ihnen stehen kurz vor dem Abschluss. Sie nutzen die WorldSkills, um sich für die eigene berufliche Orientierung inspirieren zu lassen. Der 16-jährige Lukas Jukiel möchte KFZ-Mechatroniker werden und bewundert die Teilnehmer der Berufe-WM: "Wer so etwas kann, der hat es geschafft."

Ein Signal für Europas Jugend

Theodor Niehaus, Präsident der WorldSkills Leipzig 2013

Theodor Niehaus, Präsident der WorldSkills Leipzig

Solche Aussagen hört Theodor Niehaus, Präsident der WorldSkills Leipzig, gern. Er möchte mit der Elite der Berufsanfänger Breitenwirkung erzielen: "Am Ende geht es nicht darum, Weltmeister zu produzieren, sondern darum, berufliche Bildung stärker zu positionieren." Vor allem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Deutschland sei das elementar.

Nicht nur in Deutschland sollen die WorldSkills Appetit auf die Berufsausbildung machen: Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, erhofft sich von der Veranstaltung eine Signalwirkung für ganz Europa. Das Rezept, mit dem sie auf den WorldSkills wirbt: Das deutsche Ausbildungsmodell, das auf die Vermittlung von Wissen und Können in Schule und Betrieb setzt, als Allzweckwaffe gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien oder Griechenland.

Ein Faktor von vielen

João Leitão, Elektriker aus Portugal, beim Wettbewerb WorldSkills Leipzig 2013 (Foto: Hilke Fischer/DW)

João Leitão, Elektriker aus Portugal

Für João Leitão scheint diese Rechnung aufgegangen zu sein. Der 21-jährige Portugiese tritt bei den WorldSkills als bester Elektroniker seines Heimatlandes an. In Portugal liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 42 Prozent. Er selbst hat bereits zwei Wochen nach Ende seiner dualen Ausbildung einen Job gefunden – genau wie seine Kommilitonen. Das liege aber auch daran, dass sein Beruf gerade gefragt sei: "Viele andere Jugendliche haben auf Jobs gesetzt, von denen sie dachten, dass sie sicher sind – zum Beispiel Lehrer oder Krankenschwester. Deshalb haben wir dort inzwischen ein Überangebot an Fachkräften."

Sechs Milliarden Euro will die EU in Programme gegen die grassierende Jugendarbeitslosigkeit stecken – ein Tropfen auf dem heißen Stein, meinen Ökonomen. Ob der Ankündigung der deutschen Bildungsministerin, eine europäische Ausbildungsallianz zu schaffen, Taten folgen werden, wird sich zeigen. Und auch, ob die WorldSkills in Leipzig eine Signalwirkung entfalten können. Bei der diesjährigen Berufe-WM in Leipzig sind Griechenland und Spanien jedenfalls nicht vertreten.

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