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Politik

"Die G8 müssen Führung zeigen"

Bernd Pfaffenbach ist der persönliche Beauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel für die G8-Gipfel. Henrik Böhme hat mit dem 62-jährigen G8-Sherpa über den diesjährigen Gipfel in Japan gesprochen.

Bernd Pfaffenbach (Quelle: Bundesbildstelle)

Bernd Pfaffenbach ist seit 2004 G8-Sherpas - der Begriff stammt aus dem Nepalesischen und bezeichnet die Bergführer im Himalaya

Deutsche Welle: Herr Pfaffenbach, auf der Agenda des dreitägigen Gipfels stehen zahlreiche Themen - so viele wie noch nie. Welches Thema ragt aus ihrer Sicht heraus?

Bernd Pfaffenbach: G8-Gipfel zeichnen sich immer durch eine große Themenvielfalt aus. Die Kunst liegt darin, die Themen zu strukturieren, so dass sie noch handhabbar sind. Wenn Sie mich gleichwohl danach fragen, denke ich, dass das Thema Klimawandel ein sehr starkes Thema auf diesem Gipfel ist. Wir als Deutsche sind mit der Tagesordnung recht zufrieden, weil sie auch unsere Agenda von Heiligendamm, von unserem Gipfel im vergangenen Jahr, stark reflektiert, aufnimmt und weiterführt.

Sie haben es gesagt, Klimawandel war in Heiligendamm ein großes Thema. Jetzt hat der japanische Gastgeber schon ein bisschen die Erwartungen gedämpft. Glauben Sie, dass man wieder hinter die Erklärung von Heiligendamm zurückfallen wird?

Das glaube ich nicht. Das würde uns natürlich auch nicht gefallen. Die Japaner können es sich gar nicht erlauben, ihre Ambitionen so stark zurücknehmen, dass es einen Rückschritt im Vergleich mit Heiligendamm geben könnte. Es wird natürlich schwierig werden. Aber wir haben das schon relativ gut vorbereitet. Letztlich wird es am Geschick der Staats- und Regierungschefs liegen, die so genannten Schwellenländer in diesen Prozess einzubinden. Unser Punkt wird sein, dass die G8 eine gewisse Leadership, also Führung zeigen. Das heißt, man muss respektieren, was wir auch in Heiligendamm verabredet haben: Dass es eine gemeinsame aber doch differenzierte Verantwortung der ganzen Welt gibt. Dass wir als große Industrieländer kurz- und mittelfristig deutlich mehr tun müssen als die Entwicklungsländer.

Ein großes Thema wird der Ölpreis sein, der von Rekord zu Rekord eilt. Das war schon 2004 auf dem Gipfel so. Damals wurde eine Transparenz-Initiative beschlossen, auch auf deutsche Initiative hin. Viel ist seither nicht passiert. Bremsen können die G8 den Ölpreis offenbar nicht?

Es ist natürlich immer schwierig, den Ölpreis per Knopfdruck zu verändern. Niemand kann ein Interesse daran haben, auch die Ölproduzentenländer nicht, dass die Industrieländer in die Knie gehen, dass ihr Wachstum einbricht. Von daher ist es ja auch ganz gut, wenn ihr eigenes Geld, ihre Öl-Einnahmen wieder bei uns angelegt werden. Dass das wieder in den Kreislauf kommt und so die gemeinsamen Interessen zusammen kommen.

Auch bei dem Lebensmittelpreisen können sie den Hebel nicht umlegen. Das ist ein neues Thema auf der Agenda. Die G8 sind hier vielleicht nicht so sehr betroffen, es trifft ja vor allem die ärmeren Länder. Was können die G8 hier für ein Signal aussenden?

Kurzfristig geht es darum, Geld für die Ärmsten zur Verfügung zu stellen. Deutschland hat deutlich mehr als eine halbe Milliarde schon für dieses Jahr für Nahrungsmittelhilfe vorgesehen. Aber letztendlich geht es doch darum, die strukturellen Ursachen anzugehen. Und bei den strukturellen Ursachen geht es darum, dass insbesondere in den Entwicklungsländern die Abhängigkeit von den Lieferungen aus den Industrieländern reduziert wird. Das kann geschehen, in dem die ländlichen Strukturen dort gestärkt werden. Dies alles wollen wir tun, es gibt sehr konkrete Pläne dazu in den Abschlussdokumenten des Gipfels.