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Kultur

Die Götter und die EU

Auch um Käse lässt sich trefflich streiten: Wer bisher im Kühlregal nach Feta griff, hatte dann oft dänischen Weichkäse aus Kuhmilch im Einkaufskorb. Dies soll sich nach einer EU-Richtlinie nun ändern.

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Feta sein oder nicht Feta sein?

Wieder einmal hat ein Beschluss der Europäischen Kommission für einige Kontroversen gesorgt. Diesmal an der europäischen Käsefront. Nach einer neuen EU-Richtlinie darf Schafskäse nur noch unter dem Namen Feta verkauft werden, wenn er in bestimmten griechischen Regionen hergestellt wird und keine Kuhmilch enthält. Während in Griechenland der Beschluss vom Montag (13.10.2002) unter Feta-Käse-Herstellern helle Begeisterung ausgelöst hat, stößt sie unter deutschen und dänischen Produzenten auf Protest.

Geschenk der Götter

Seit jeher sind die Griechen mächtig stolz auf ihren Käse. Über den Ursprung des Streitobjektes heißt es in der griechischen Mythologie, der Gott Aristaios, Sohn des Apollon, habe sich in Gestalt eines Schäfers aus dem Olymp auf die Erde begeben, um den Menschen die Käsebereitung zu lehren. Nach dieser göttlichen Lehre wird Feta aus Schafsmilch oder einem bestimmten Mischung aus Schafs- und Ziegenmilch, aber eben keinesfalls aus Kuhmilch gewonnen

Artenschutz für Käse

Mit dem Entschluss der Kommission wurde ein weiteres Kapitel des europäischen Käsenamen-Groteske aufgeschlagen, das auch schon beim Parmesan-Käse für Aufsehen gesorgt hat. Bereits 1996 hatte die griechische Regierung versucht, den Feta als geschützte Ursprungsbezeichung unter "Artenschutz" zu stellen. Dies scheiterte aber an dem Einspruch von Franzosen, Deutschen und Dänen. Jetzt scheint durch die Entscheidung der Kommission ein Ende des Streits erreicht - zuungunsten der im Brüsseler Jargon "Feta-Piraten" genannten Schafskäseproduzenten außerhalb Griechenlands. Diesen war die göttliche Rezeptur gar nicht heilig, hatten Feta aus Kuhmilch hergestellt und damit den europäischen Markt geentert.

Deutsch-dänischer Widerstand

Deutsche und dänische Produzenten von Feta-Käse glauben aber noch an ihre Chance. Hans Bender, Sprecher des dänischen Milchindustrie-Verbandes, sagte gegenüber DW-WORLD: "Wir haben diese Richtlinien bereits seit längerer Zeit erwartet, so dass die jüngste Entscheidung der EU-Kommission uns nicht wirklich unvorbereitet traf." Dennoch empfindet er die Entscheidung als Beleg für das Missmanagement der EU-Kommission. Eberhard Hetzner, der Hauptgeschäftsführer des deutschen Milchindustrie-Verbandes zeigt sich entschlossen: "Wir werden jeden möglichen gerichtlichen Schritt erwägen, die Richtlinien außer Kraft zu setzen." Nach seinen Angaben bereiten Deutschland und Dänemark eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof vor.

Sollte deren Einspruch nicht von Erfolg gekrönt sein, müssen die Produzenten außerhalb Griechenlands innerhalb der nächsten fünf Jahre entweder die Herstellung des Fetas stoppen - oder ihren Feta unter anderem Namen vermarkten.

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