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Fußball

Die Fußball-Hauptstadt heißt Dortmund

Die Formel für die schwarz-gelbe Euphorie lautet: Die Borussia spielt den Menschen aus der Ruhrgebietsregion aus dem Herzen. Jeder hilft dem anderen. Nicht nur auf dem Spielfeld. Das war beim Strukturwandel schon so.

Mit 580.000 Einwohnern liegt Dortmund unter den zehn größten deutschen Städten auf Platz acht. Vor der Westfalenmetropole rangieren sechs Städte mit Erstligaklubs, die für Besucher weitaus mehr zu bieten haben. Wie etwa die Bundeshauptstadt Berlin, Hamburg mit Hafen und Hochkultur oder München mit Museen und malerischer Landschaft.  Dafür besitzt Dortmund eine Spielstätte, die die britische "TIMES" einmal als die Schönste ihrer Art in  der Welt bezeichnet hat. Das Stadion, in dem der Deutsche Meister Borussia Dortmund spielt. Zu den Heimspielen der Borussia pilgerten in der abgelaufenen Saison über 1,6 Millionen Besucher. Das ist nicht nur Spitze in der Bundesliga, sondern in ganz Europa. Die Borussia ist der Leuchtturm der Stadt.

"Wirtschaftsfaktor BVB"

Dieser Leuchtturm strahlt weit über die Stadtgrenzen hinaus. Weltweit, rechnet Borussia-Marketingdirektor Carsten Cramer vor, zählt der Verein über 550 Fanklubs. Und so mancher Anhänger scheut auch nicht vor einer strapaziösen Anreise zurück, um bei einem Heimspiel dabei sein zu können. So wie Werner Brugger. "Ich bin zu Hause in der Nähe von Innsbruck, habe eine Dauerkarte, bin Vereinsmitglied und komme zum Großteil der Heimspiele nach Dortmund. Das sind 787 Kilometer."

Borussia Dortmunds Spieler feiern ein Tor gegen Bayern München (Foto: REUTERS)

Borussia Dortmunds Spiel ist von Leidenschaft geprägt, vor allem wenn es gegen den FC Bayern geht

Von der Treue zur Borussia und von deren Höhenflug profitieren auch Gastronomie und Hotellerie in der Stadt. Deren Umsatzkurve schnellt bei Heimspielen um bis zu 30 Prozent in die Höhe. Die Borussia hat sich zu einem veritablen Wirtschaftsfaktor für Dortmund gemausert. BVB-Marketingdirektor Cramer kann über Beschäftigung jedenfalls nicht klagen. Zugleich merkt er voller Stolz an: "Momentan ist es natürlich ein Luxusproblem, die Marke Borussia Dortmund vermarkten zu dürfen. Das ist der Traum eines jeden, der bei einem Fußballverein arbeitet."

"Keine graue Maus aus dem Revier"

Dortmund steht mit der Borussia nicht nur im Rampenlicht, sondern hat auch wirtschaftlich den Aufstieg aus der Talsohle geschafft. Der Strukturwandel, weg von Kohle und Stahl, hat zigtausend Arbeitsplätze gekostet und den Menschen in der Stadt einiges abverlangt. Inzwischen gilt Dortmund als ein prosperierender Standort für Dienstleistungsunternehmen, von der Versicherungsbranche bis zur Informationstechnologie. Und die Borussia ist zum zweiten Mal hintereinander Meister geworden. Der Aufschwung spiegelt sich auch in den Einkaufsmeilen der Innenstadt wider. Billig war vorgestern. Mit der Düsseldorfer Königsallee  oder Münchener Maximilianstraße kann man sich zwar noch lange nicht messen. Aber man ist, was die Kaufkraft angeht, inzwischen wieder wer und zeigt es selbstbewusst. So wie die Borussia auf dem Spielfeld.

In Dortmund hält man zusammen und steht füreinander ein, abseits und auf dem Platz. So wie einst die Kumpel im Bergbau oder in den Stahlwerken. Dieses Bewusstsein prägt noch heute die Menschen im Ruhrgebiet, hat auch BVB-Marketingdirektor Cramer erfahren. "Ich glaube, dass Borussia Dortmund extrem identifikations- und sinnstiftend ist. Und wenn man sich die Historie dieser Stadt ankuckt, dann ist der Fußball das einzige, was geblieben ist."

Stadtansicht Dortmund (Foto:

"Billig war gestern": Dortmund, eine Stadt im erfolgreichen Strukturwandel

Oder anders formuliert: Die Mannschaft von Jürgen Klopp bringt den Fußball auf den Rasen, der dem Naturell der Menschen im Ruhrgebiet entspricht. Nach dem Gewinn der Meisterschaft sprudelte es aus einem weiblichen Fan heraus: "Man merkt einfach, dass so ein Teamgeist dahinter sitzt. Und das schwappt auf die Leute über, auf das Publikum, auf die Fans. Das ist einfach nur hammergeil." BVB-Kicker wie Nationalspieler Mats Hummels kommen mit nüchternen Worten zur gleichen Einschätzung. "Wir haben dieses Jahr wieder gezeigt, dass wir sehr leidenschaftlich spielen. Jede Woche hauen wir wirklich alles raus, und jeder ist für den anderen irgendwie da."

"Selbst die Oper spielt Fußball"

Eine ganze Region richtet sich an der Einsatzbereitschaft einer Fußballmannschaft auf. Auf diesen Nenner lässt sich die Euphorie rund um den BVB bringen. Eine Sympathiewelle, die nicht einmal vor dem Opernhaus halt macht. Ja, die Dortmunder Oper spielt tatsächlich Fußball. "Fan-Gesänge" heißt die Inszenierung, bei der ein 100köpfiger Kopf auf einer mit Kunstrasen ausgelegten Bühne steht und mit Inbrunst Fußballgesänge schmettert. Der Chor besteht aus 40 Gesangsprofis und 60 fußballbegeisterten Laien. Gewandet in Schwarz-Gelb. Eine Hommage an das Kicker-Gewerbe und damit auch an die Borussia. In Dortmund wird Fußball gelebt.

Dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich dafür entschieden hat, sein Fußballmuseum in Dortmund zu bauen, darf man als glückliche Wahl bezeichnen. In zwei Jahren verfügt die Stadt dann über einen weiteren Anziehungspunkt für Touristen. Neben Spielcasino, Opernhaus und Einkaufsboulevard. Noch aber gehört nach Einschätzungen von Fans die ungebremste Euphorie allein der Borussia. "Diese Stadt ist in einem Ausnahmezustand. Das ist so bombastisch genial. Alle freuen sich, alle fiebern mit dem BVB. Macht einfach nur Riesenspaß." Dortmund und die Borussia: das ist eine motivierende  Einheit für Zusammenhalt.

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