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Wirtschaft

Die Frist läuft für Aventis

Der Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo will Konkurrent Aventis übernehmen - gegen dessen Willen. Für die Aventis-Aktionäre beginnt am Dienstag (17.02.) die Galgenfrist, in der sie sich entscheiden müssen.

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Mann mit Geld: Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq

Die Attacke des Pariser Pharmakonzerns Sanofi-Synthelabo auf den deutsch-französischen Konkurrenten Aventis geht in die entscheidende Phase. Nach der amtlichen Veröffentlichung des Angebots im Wert von 47,8 Milliarden Euro läuft ab Dienstag (17.2.2004) die Frist von mindestens 25 Tagen, in der die Aktionäre sich erklären müssen. Sanofi legte am Montag eine gute Bilanz für das Jahr 2003 mit einem Nettogewinn von rund zwei Milliarden Euro vor. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine Liquidität von 2,4 Milliarden Euro und darüber hinaus Zusagen über zwölf Milliarden Euro von den Großbanken BNP Paribas und Merrill Lynch. Damit wäre es für einen Kauf von Aventis gut ausgestattet.

Gewinn- und Umsatzplus bei Sanofi

Eine Anhebung des Übernahmeangebots lehnte Konzernchef Jean-Francois Dehecq am Montag ab. Die Sanofi-Führung zeigte sich überzeugt, die Attacke erfolgreich abschließen zu können. Nach den in Paris vorgelegten Bilanzdaten stieg der Nettogewinn 2003 um knapp 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz sei 2003 trotz der Dollar-Schwäche um gut acht Prozent auf über acht Milliarden Euro gestiegen und werde im laufenden Jahr 2004 mit gleichem Schwung zunehmen, teilte Sanofi weiter mit.

Hauptsitz Sanofi-Synthelabo

Das Hauptquartier von Sanofi-Synthelabo in Paris

Als klares Signal an die Aventis-Aktionäre werteten Marktexperten auch die Betonung der Forschung, für die Sanofi ein Sechstel seines Umsatzes aufwendet. Die Ausgaben seien um gut 34 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, hieß es. Zudem hat Sanofi-Chef Dehecq mit einem Plädoyer für Arbeitsplätze und Forschung für die Übernahme von Aventis geworben. Er versprach, auch die "reifen und nicht strategischen Produkte", die Aventis ausgliedern will, in einem Gesamtkonzern zu belassen. "Man darf kein Geschäft mit einer bedeutenden Zahl von Arbeitsplätzen aufgeben", sagte der Vorstandsvorsitzende in Paris.

Gesprächsangebot an den größten Aventis-Aktionär

Mit dem größten Aventis-Aktionär Kuwait Petroleum Corporation (KPC) habe Sanofi noch nicht gesprochen, betonte Sanofi-Forschungsdirektor Gerard Le Fur am Montag in Paris. Das Sanofi-Management wolle aber gern mit den Chefs von Aventis und KPC sprechen, um diesen das Angebot im Einzelnen zu erläutern. KPC dementierte Zeitungsberichte über einen geplanten Verkauf seiner Aventis-Anteile.

Das Übernahmeangebot von Sanofi an die Aventis-Aktionäre soll unverändert anlaufen, obwohl Aventis am Freitag (13.2.2004) eine Beschwerde gegen die Entscheidung der Pariser Börsenaufsicht bei einem Pariser Gericht eingereicht hat. Diese hatte die Offerte am 3. Februar für zulässig erklärt. Ob die Beschwerde aufschiebende Wirkung hat, ist noch unklar. Nach Presseberichten redet Aventis zudem mit dem Schweizer Konkurrenten Novartis über eine gemeinsame Abwehr von Sanofis Übernahmeattacke. Beide Unternehmen wollten dies nicht kommentieren.

Mindestens 50 Prozent Kapital und Stimmrechte

Der Pharmakonzern Aventis entstand Ende der 1990er-Jahre durch den Zusammenschluss der Frankfurter Hoechst AG mit dem französischen Unternehmen Rhone-Poulenc, Sanofi-Synthelabo ging damals aus den Pharmasparten des Kosmetikkonzerns L'Oreal und des Ölkonzerns Elf (heute Total) hervor. Sanofi will nun mindestens 50 Prozent des Kapitals und der Stimmrechte an Aventis übernehmen. Das Gros der Aventis-Aktionäre soll zu 81 Prozent mit Sanofi-Aktien und zu 19 Prozent in bar bezahlt werden. (kap)

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