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Kultur

Die Freiheit der Worte

Die Suche nach der Wahrheit ist oft unbequem und kann lebensgefährlich sein. Das Programm "Writers in Exile" versucht verfolgten Schriftstellern zu helfen. In diesem Jahr feiert das Programm zehnjähriges Jubiläum.

Der Autor Faradj Sarkohi am Schreibtisch, dahinter Bücherregale (Bild: DW)

Verfolgt im Iran, geschützt in Deutschland: Faraj Sarkohi

Eine kleine Altbauwohnung mitten in der Frankfurter Innenstadt. Die Wände voll gestellt mit Büchern, Erinnerungsstücken aus dem Iran. Faraj Sarkohi lebt seit 10 Jahren in Deutschland. Im Iran engagierte er sich für die Pressefreiheit, gegen die Zensur durch die Mullahs. Der Preis dafür: Neun Jahre Gefängnis und Folter.

"Eine beliebte Foltermethode war, die Hinrichtung von A bis Z zu planen und in letzter Minute, wenn man schon den Strick um den Hals hatte, abzubrechen", sagt Faraj Sarkohi, und zieht erneut nervös an seiner Zigarette. "Sie versuchten mich mit dieser Ungewissheit, mit dieser Angst zu brechen."

Verlorene Sprache

Symbolbild: Ein dunkler Kopf hinter Gittern, im Hintergrund die Flagge des Iran



Faraj Sarkohi bekam seine Freiheit wieder und das Programm des PEN-Zentrums "Writers in Exile" half dem 62-jährigen in Deutschland - von der Traumatheraphie bis zur finanziellen Unterstützung. Dennoch blieben Hürden. "Man muss sich ein komplett neues Leben aufbauen, eine neue Gesellschaft kennen lernen", sagt Faraj Sarkohi. "Doch das schlimmste ist, dass man seine Sprache verliert und den direkten Kontakt zu den eigenen Lesern."

Historische Verantwortung

Ein Weg gegen das Verstummen - einmal im Jahr treffen sich alle aktuellen und ehemaligen Stipendiaten. Sie lesen aus ihren neuen Arbeiten vor, knüpfen Kontakte zu Übersetzern und tauschen sich aus. Weltweit keine Selbstverständlichkeit. Allein 2008 wurden rund 200 kritische Autoren und Journalisten angeklagt, fast 20 getötet.

Als Bollwerk dagegen wurde das Programm "Writers in Exile" vor 10 Jahren gegründet. Die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland war der Initiator. "Während der Nazizeit fanden viele deutsche Künstler, Autoren in anderen Ländern Zuflucht und konnten im Exil überleben", so Johano Strasser, Präsident des deutschen PEN-Zentrums. "Mit diesem Programm wollten wir einfach einen Teil unserer Dankesschuld zurückgeben."

Schreiben wie auf einer Landmine

Der simbabwische Journalist Itai Mushekwe am Rheinufer in Köln, im Hintergrund die Hohenzollernbrücke (Foto: DW)

Fremde neue Heimat: Itai Mushekwe in Köln

Itai Mushekwe ist einer der aktuellen Stipendiaten. Der Journalist lebt seit einem Jahr in Köln. In seine Heimat Simbabwe kann er nicht mehr zurück. Der 25jährige deckte einen Korruptionsskandal in Regierungskreisen um Machthaber Robert Mugabe auf. Seitdem steht er auf einer Schwarzen Liste des Geheimdienstes. "In Simbabwe als Journalist zu arbeiten, ist so als ob man über eine Landmine geht", meint Itai Mushekwe. "Erst vor einigen Wochen ist der Chefredakteur meiner früheren Zeitung verhaftet worden."

Sicher, aber entwurzelt

Porträt Robert Mugabe von 2008 (AP Photo/Tsvangirayi Mukwazhi)

Kritik wird nicht geduldet: Simbabwes Präsident Robert Mugabe im Jahr 2008

Das Gleiche würde bei einer Rückkehr auch ihm drohen. Von Deutschland aus veröffentlicht Itai Mushekwe im Internet, schreibt für simbabwische Medien im Ausland. "Ich habe einen einjährigen Sohn, den ich seit Monaten nicht gesehen habe. Das ist verdammt schwer", gesteht der Journalist.

Zwölf Monate dauert das offizielle Programm "Writers in Exile", viele Autoren beantragen anschließend Asyl in Europa. In Sicherheit sein, aber keine Heimat mehr haben. Auch Itai Mushekwe wird wohl diesen hohen Preis zahlen müssen. Für die Freiheit seiner Worte.

Autorin: Aygül Cizmecioglu

Redaktion: Elena Singer