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Kultur

Die Frauen und das liebe Geld

Über Geld spricht man nicht! Viele Deutsche wissen deshalb nicht, dass Frauen eklatant weniger verdienen als Männer. Und dass sie ihr Geld anders ausgeben. Und wie wichtig es ist, darüber zu sprechen.

Frau zieht Mann Geld aus der Anzugtasche (Foto: shoot4u/Fotolia)

Bald ist wieder Weihnachten. Weihnachten bedeutet für rund 93 Prozent der Deutschen: Geschenke kaufen. Sie sind dieser Tage auf der Suche nach dem Besonderen, dem Exquisiten oder einfach dem Passenden für ihre Lieben. Dafür investieren die deutschen Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen durchschnittlich 245 Euro – das sind aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. Weiteres Fazit: Geschenke kaufen ist Frauensache, und Frauen kaufen anders ein als Männer.

Menschen gehen mit vollen Einkaufstüten an einem Schaufenster vorbei (Foto: dpa)

Frauen kaufen anders als Männer

Sie benötigen dafür mehr Zeit. Während Männer tendenziell eher zielgerichtet und zügig vorgehen und dafür weniger auf den Kaufpreis achten, vergleichen Frauen Preise und Qualität akribisch. Jäger und Sammlerinnen sind wir, so beschreibt es der Mannheimer Marketingprofessor Willy Schneider, der gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Henning das Einkaufsverhalten von Verbrauchern untersucht hat. Und laut der Organisationsberaterin Petra Bock investieren Männer ihr Geld eher in teure Vergnügungen. Je nach Geldbeutel zum Beispiel in Autos und vor allem in Dinge, die ihnen Spaß machen. Frauen seien oft zuerst bei anderen großzügig, insbesondere, wenn sie Mütter seien. Shopping-Sucht könne aber beide Geschlechter treffen.

Weniger Geld für deutsche Frauen

Dass Frauen sich generell mehr Gedanken um Preise machen, könnte damit zusammenhängen, dass sie noch immer weniger eigenes Geld zur Verfügung haben als Männer. In einem der reichsten Länder Europas ist die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern besonders groß: Deutsche Arbeitnehmerinnen verdienen durchschnittlich 23,2 Prozent weniger im Monat als Männer. Das liegt unter anderem daran, dass sie eher in Jobs arbeiten, die schlechter bezahlt werden. Bei gleicher Qualifikation und gleicher Tätigkeit, verdienen Frauen aber immerhin auch noch acht Prozent weniger als ihre Kollegen. EU-weit ist diese Differenz zwischen Männer- und Frauengehältern im Schnitt fünf Prozentpunkte niedriger.

Illustration: Frau sitzt am Tisch und liest in einer Zeitung in Form eines 20-Euro-Scheins (Foto: Frauenmuseum Bonn)

Geld ist für viele Frauen ein Tabuthema

Diese Finanzlage war für das Frauenmuseum in Bonn Anlass für die aktuelle Ausstellung "Moneta: Frauen & Geld in Geschichte und Gegenwart." "Es geht uns darum, Vorbilder zu zeigen. Frauen, die zwar nicht immer alles richtig gemacht haben, aber ganz selbstverständlich mit Geld umgegangen sind und damit Vorreiterinnen ihrer Zeit waren", erklärt Barbara Bab, Historikerin und zuständige Kuratorin für den geschichtlichen Bereich der Ausstellung. Bab geht es dabei um den "gesellschaftlich notwendigen Bewusstseinwandel", Geld müsse endlich enttabuisiert werden, vor allem unter Frauen, fordert sie.

Mutterrolle bremst Selbstständigkeit

Der Zeitpunkt für die Ausstellung ist nicht zufällig gewählt. Anlass ist die Eröffnung der ersten Frauenbank in Berlin vor 100 Jahren. Verheiratete Frauen standen in Deutschland damals unter der finanziellen Vormundschaft ihres Ehemannes. Den Initiatorinnen der Frauenbank ging es 1910 darum, Frauen mehr Unabhängigkeit zu geben, durch Kredite und indem sie Frauen darüber informierten, wie sie ihr Geld anlegen und verwalten konnten. Die Zustimmung des Ehemannes war dafür nicht notwendig. Knapp fünf Jahre später scheiterte das ambitionierte Projekt allerdings. Die Bankfrauen hatten zwar viel Willen, aber sie wussten letztlich doch zu wenig über das Bankenwesen.

Dollarnote mit Mona-Lisa-Motiv (Foto: Frauenmuseum Bonn)

Finanzielle Emanzipation

Während der Weltkriege änderte sich daran kaum etwas. Nach Ansicht der Historikerin Barbara Bab haben die Nationalsozialisten die deutsche Familienideologie so nachhaltig geprägt, dass die Überbetonung der Mutterrolle die selbstständige Entfaltung nachfolgender Frauengenerationen behinderte. Noch bis 1958 brauchten Frauen für die Eröffnung eines Kontos die Zustimmung des Gatten und bis 1976 konnte dieser die Beschäftigung seiner Frau ohne die Angabe von Gründen kündigen. Erst dann fiel das gesetzliche Leitbild der "Hausfrauenehe", das Frauen zur Haushaltsarbeit verpflichtete. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist seitdem rasant angestiegen, sie tragen immer mehr zum Lebensunterhalt bei.

Vorbild Skandinavien

"Eine unbestreitbar positive Entwicklung", sagt Friederike Maier. Die Professorin ist deutsche Expertin im Netzwerk "Frauen und Arbeitsmarkt" der Europäischen Kommission. Seit 1992 erstellt sie regelmäßig Gutachten zu diesem Themengebiet. Eine deutsche Besonderheit, die sie regelmäßig vermerkt, sind die "eineinhalb-Verdiener-Haushalte": Er arbeitet Vollzeit, sie Teilzeit oder nur in Mini-Jobs mit 400 Euro Maximalgehalt und ohne Sozialversicherung. Wenn deutsche Frauen Kinder bekommen, unterbrechen sie ihre Erwerbstätigkeit länger als andere Europäerinnen und kehren dann in schlechter bezahlte Positionen oder Teilzeit-Jobs zurück. Das sei "katastrophal für die Altersversorgung", so Maier. Der deutschen Politik mangele es noch immer an Verbindlichkeit und Nachdruck, wenn es um Fortschritte bei der Gleichstellung gehe.

Fraue mit Lockenwicklern im Haar und Staubsauger in der Hand (Foto: Bilderbox)

Hausarbeit und Nebenjob statt Vollzeitjob

In Ländern wie Belgien, besonders aber in Norwegen und Schweden ist die Situation ganz anders. Dort sind die Abweichungen in den Gehältern von Männern und Frauen deutlich geringer. Mehr Frauen arbeiten Vollzeit, die Geburtenraten sind höher. Maier: "Alle skandinavischen Länder haben eine Tradition in der Gleichstellungspolitik." In Norwegen gibt es eine 40-Prozent-Frauenquote auf Führungsebene. Auch Schweden ist in dieser Hinsicht ein Vorbild, sagt Maier. In Frankreich ließen sich zwar dank Vollzeit-Betreuungsangeboten Familie und Job besser vereinbaren, Frauen in hohen Positionen sind dort dennoch eine Seltenheit. Dass Frauen tendenziell konservativer mit Geld umgehen als Männer und bei der Anlage von Vermögen stärker auf Sicherheit setzen, ist bei diesen Rahmenbedingungen kein Wunder.

Angst vor reichen Frauen

Noch dazu gilt es in Deutschland weiterhin als indiskret, über Gehalt oder Vermögen offen zu sprechen. Frauen, die meist schlechter dastehen als Männer, trifft auch dieser Umstand härter. Viele fühlten sich in Geldfragen nicht kompetent oder hätten Angst, raffgierig zu wirken, wenn sie sich mit Geld beschäftigen, weiß Organisationsberaterin und Coach Petra Bock. "Viele Frauen fordern nicht mehr Gehalt, weil sie die Beziehungsebene mit ihrem Gegenüber nicht gefährden wollen." Stattdessen konzentrierten sie sich darauf, einen guten Job zu machen, der ihnen Spaß macht, so Bock. "In Zeiten, wo jeder Mensch selbst für sich und seine Altersvorsorge sorgen muss, ist diese Mentalität gefährlich."

Gespräch unter mehreren Mitarbeitern in einem Büro (Foto: Bilderbox)

Männer achten aufs Geld - Frauen wollen einen Job, der Spaß macht

Wenn Frauen Ungerechtigkeit vermuten, können – je nach Branche - Gewerkschaften, Lobby-Gruppen oder Berufsverbände helfen. Ihr Gehalt sollte Frauen genauso wichtig sein, wie es Männern schon immer war, meint Beraterin Petra Bock. Das "starke Geschlecht" hat aber mit wohlhabenden oder besser verdienenden Frauen immer noch ein Problem, bestätigen Finanzberaterinnen und Studien immer wieder. Männer hängen deshalb viel stärker als die Frauen an der "Ernährer"-Ideologie: der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich hauptsächlich um die Familie und steuert gegebenenfalls noch ein wenig Geld aus einem Nebenjob zum Haushalt bei.

Trotz aller Probleme sind die Perspektiven für den zukünftigen Wohlstand von Frauen aber gut, wenn sie ihre Geldbelange tatsächlich in die Hand nehmen. Historikerin Barbara Bab stimmt eine Studie der Unternehmensberatung Mc Kinsey besonders optimistisch: "Danach sollen Frauen in England schon 2025 das reichere Geschlecht sein. Weil sie besser ausgebildet sind, langfristig erfolgreicher anlegen und länger leben." Diese Argumente kann die Historikerin nachvollziehen, "aber die 15 Jahre bis dahin erscheinen mir doch etwas kurz."

Autorin: Insa Moog

Redaktion: Marlis Schaum

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