Die Frau hat einen Plan: Angelique Kerber bei den Australian Open | Sport | DW | 24.01.2018
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Australian Open

Die Frau hat einen Plan: Angelique Kerber bei den Australian Open

Ihrer Gegnerin Madison Keys ließ sie nicht die geringste Chance: Angelique Kerber zeigt bei den Australian Open, dass ihre Krise mit dem Jahr 2017 Vergangenheit ist. Nun, im Halbfinale, ist sie wieder Titel-Favoritin.

Das hier war ihr Platz! Die anderen Spielerinnen konnten an ihr verzweifeln. Die Führende zeigte kaum eine Regung, machte kaum einen Fehler. Und die Dominanz ihres Spiels war so, dass die Frau auf der anderen Seite des Netzes gar nicht anders konnte, als eingeschüchtert zu sein. Und sich am Ende davon zu schleichen.

So konnte man in den vergangenen Jahren das Auftreten von Serena Williams bei den Australian Open beschreiben, dem ersten Grand Slam-Turnier des Jahres. Und Angelique Kerber, von der nun hier die Rede ist, war doch trotz ihrer Erfolge immer ein Stück entfernt von dieser Überlegenheit.

Vom Platz geschickt

An diesem Vormittag in Melbourne war es anders: Die 30-jährige Deutsche brauchte gerade einmal 51 Minuten, um ihre US-Gegnerin Madison Keys mit 6:1 und 6:2 vom Platz zu schicken. Wobei der Begriff "vom Platz zu schicken" nicht ganz zutrifft: Kerber ließ Keys (22) eigentlich kaum auf den Platz kommen.

Der 14. Sieg im 14. Spiel in Australien (nach dem Hopman-Cup in Brisbane und dem Turniergewinn beim Vorbereitungswettbewerb in Sydney) zeigte, dass Angelique Kerber den Weg gefunden hat, nach dem sie 2017 so vergeblich suchte: Sie ist eine der besten Spielerinnen der Welt, wenn nicht wieder die beste. Und sie ist sich dessen bewusst.

Wim Fissette streckt den Daumen nach oben

Man muss in diesem Zusammenhang unbedingt den neuen Trainer erwähnen. Der Belgier Wim Fissette ist einer der Top-Coaches auf der Damen-Tour. Er schaffte es vor Jahren, sich im selbstbewussten Clan der Sabine Lisicki durchzusetzen und aus der wankelmütigen "Bum-Bum-Bine" eine Wimbledon-Finalistin zu machen. Mit Kerber ist es einfacher. Fissette ist ein Taktiker, der seine Spielerin - vielleicht besser als deren alter Trainer Thorben Beltz - auf die jeweiligen Gegnerinnen einzustellen weiß. Kerbers nächste Kontrahentin, die Rumänin Simona Halep, hat Fissette ebenfalls trainiert. "Er wird sich ihr Match ansehen", meinte Kerber nach ihrem Sieg im Viertelfinale. Und Fissette saß in der Box, lächelte und streckte den Daumen nach oben.

Tennis-Trainer Wim Fissette (Reuters/I. Kato)

Kerbers "Neuer": Trainer Wim Fissette

Ihre alte Schwäche, der Aufschlag, macht ihr derzeit nicht mehr zu schaffen. Fissette hat die Bewegung leicht verändert und dafür gesorgt, dass sie beim Ballwurf mehr Stabilität und damit mehr Druck entwickelt. Beim Training steht er meist selbst als Hitting Partner auf der anderen Seite und geht das temporeiche Spiel seines Schützlings mit.

Bisher war es so, dass Kerbers fast im Sitzen gespielte, beidhändige Rückhand aus der Defensive mit der wichtigste Schlag war. Diesmal, im Match gegen Keys, dominierten die kräftigen, mit Topspin gespielten Cross-Vorhände, die die Gegnerin niemals aus der Zwickmühle entließ.

Überkopfball von der Grundlinie

Die Ähnlichkeit zur Dominanz von Serena Williams - die in diesem Jahr nach der Geburt ihres Kindes bei den Australian Open fehlt - war bei Kerber auch im zweiten Satz zu spüren. Madison Keys war es zum ersten und letzten Mal gelungen, den Aufschlag der Deutschen zu durchbrechen. Doch Kerber ließ sich nicht irritieren und ging schließlich mit einem Überkopfball von der Grundlinie zum 5:2 in Führung. Da brüllte die Deutsche und zeigte erstmals diese Geste, mit der sie ihre Begeisterung und Kampfkraft auf dem Platz dokumentiert: beide Hände zur Faust geballt, als würde sie eine imaginäre Schubkarre hin und her schütteln.

Die Porträts der beiden Power-Frauen

Und dann ist die Vorführung von Madison Keys vorbei. Angie braucht 22 Minuten für den ersten, 29 Minuten für den zweiten Satz. "Es ist immer hart, gegen Madison zu spielen", war anschließend ihr wie stets höflicher, an diesem Vormittag in Melbourne aber fast unangebrachter Kommentar. Ihre Gegnerin, die immerhin im vergangenen Jahr das Finale der US Open erreichte, musste es nicht mehr mit anhören. Keys war inzwischen längst in den Katakomben verschwunden. Vorbei an den beiden Bildern der Champions der vergangenen beiden Jahre: die Porträts der beiden Power-Frauen Serena Williams - und eben Angelique Kerber. Jene wird nun in die Top Ten im Welttennis zurückkehren. Mindestens.

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