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Wirtschaft

Die französisch-deutschen Auto-Pläne

General Motors und Peugeot ringen um einen Verkauf des Autobauers Opel. Während in Deutschland die Sorge um die Arbeitsplätze im Vordergrund steht, macht sich PSA-Chef Tavares schon Gedanken über eine Opel-Sanierung.

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Opel soll deutsch bleiben

Der Autohersteller Opel muss sich im Fall einer Übernahme durch den französischen PSA Peugeot Citroën-Konzern weitgehend aus eigener Kraft sanieren. Ein entsprechender Plan müsse von Opel selbst kommen, sagte PSA-Chef Carlos Tavares am Donnerstag in Paris. Die bisherige General-Motors-Tochter Opel sei in einer vergleichbaren Lage wie PSA vor vier Jahren, als der Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën rote Zahlen schrieb und umgebaut werden musste.

Frankreich PSA CEO Carlos Tavares (Getty Images/AFP/E. Piermont)

PSA-Chef Carlos Taveres hat große Pläne

Tavares setzte seitdem einen harten Sanierungskurs durch - unter anderem mit Werksschließungen und Stellenabbau. Um das stark angeschlagene Unternehmen zu retten, schoss allerdings unter anderem der französische Staat Geld zu und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Firmenanteile. Auch der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng stieg 2014 bei dem Traditionsunternehmen mit 14 Prozent ein. 

Für Vauxhall könnte der Brexit zum Standortvorteil werden

Experten halten harte Sanierungsschritte für Opel in einem gemeinsamen Produktionsverbund für unausweichlich. Im Wettbewerb um künftige Produktionsaufträge seien die deutschen Opel-Standorte wegen ihrer hohen Lohnkosten besonders gefährdet, erklärte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Seiner Auffassung nach haben zudem die britischen Werke Ellesmere Port und Luton nach einem Brexit einen wichtigen Standortvorteil. Mit mehr als 300.000 Verkäufen im Jahr sei Großbritannien für einen künftigen PSA-Opel-Vauxhall-Verbund ein wichtiger Markt, zu dem man den Zugang sichern müsse. Opel hat derzeit gut 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern.

General Motors GM Vauxhall-Fabrik im britischen Ellesmere Port (picture-alliance/dpa)

Hier lässt ein vielleicht zukünftiger Brexit-Gewinner Autos bauen: Das Vauxhall-Werk im britischen Ellesmere Port

Aktuell geht es PSA ganz prächtig

PSA Peugeot Citroën setzte im vergangenen Jahr weltweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge ab und verbuchte einen satten Gewinnzuwachs. Mit 1,73 Milliarden Euro verdoppelte sich der unter dem Strich verbleibende Gewinn nahezu. Der Umsatz schrumpfte wegen Schwankungen von Wechselkursen um 1,2 Prozent auf 54 Milliarden Euro.

Der französische VW-Konkurrent mit den Marken "Peugeot", "Citroën" und "DS" sah sich in Europa länger als Branchenzweiter. Im vergangenen Jahr schnitt aber Renault laut Branchenverband Acea etwas besser ab und schob sich hinter Volkswagen auf Platz Zwei.

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Michel Sapin erwartet einen recht zügigen Abschluss der Übernahme-Verhandlungen: "Das wird nicht in den nächsten Tagen sein, aber auch nicht in drei Monaten." Es dürfe aber auch nichts überstürzt werden, die Gewerkschaften müssten ausreichend informiert werden. Mehrere Medien hatten berichtet, dass die Verträge spätestens bis zum Genfer Autosalon unterschrieben werden sollen, der am 6. März beginnt.

"Opel muss Opel bleiben!"

Sapin und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries forderten nach einem Treffen in Paris, dass die Beschäftigten schnell Klarheit über die Zukunftsperspektive der Unternehmen bekommen sollten. Opel solle zudem eine eigenständige Marke mit eigenem Management bleiben. "Wichtig ist schon, dass Opel Opel bleibt", sagte die SPD-Politikerin.

Zypries, die sich für die deutschen Opel-Standorte mit mehr als 19.000 Beschäftigten einsetzen will, sieht strategische Vorteile in dem Zusammenschluss: "Opel baut einfach sehr gute Autos. In der Partnerschaft mit PSA wird ein starkes europäisches Unternehmen entstehen."

PSA braucht auch das deutsche Image

Tavares versicherte bei Vorlage der PSA-Jahreszahlen, Opel als deutsches Unternehmen erhalten zu wollen: "Das ist in unserem Interesse", sagte er. Es gebe Kunden, die um französische Marken einen Bogen machten, deshalb sei eine deutsche Marke für PSA wichtig. Die Franzosen wollen mit dem Zukauf in die Champions League der Autohersteller aufsteigen. Sie würde damit zum zweitgrößten Autohersteller hinter Volkswagen in Europa, gemessen an den Verkaufszahlen. 

Symbolbild Opel GM Logo (dapd)

Noch gehört Opel der US-Mutter General Motors

Ein PSA-Sprecher erklärte die strategischen Absichten des Konzerns so: "Opel hat eine sehr starke Position in Deutschland und im Vereinigten Königreich, PSA ist vor allem in Frankreich, Spanien und Italien präsent." Auf dieser "soliden europäischen Basis" könne PSA auch international weiter wachsen. Denn weltweit ist PSA deutlich schwächer aufgestellt als große Konkurrenten wie VW oder Toyota.

Indes warnte Tavares: "Der Deal ist nicht abgeschlossen." Er bekräftigte, dass alle bestehenden Abmachungen mit den Opel-Beschäftigten eingehalten werden sollten. "Bei PSA halten wir Vereinbarungen ein."

dk/ww (dpa/afp/ape/afpe)

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