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Afrika

Die Folgen des Klimawandels in Uganda

Wissenschaftler und Entwicklungsexperten schlagen Alarm: Der weltweite Klimawandel wird die ärmsten Länder besonders hart treffen. In Uganda sind die Auswirkungen bereits heute deutlich zu sehen.

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Dürren häufen sich

Seit vier Jahren herrscht im Nordosten Ugandas extreme Dürre. Die Menschen dursten und hungern, das Vieh findet kein Gras mehr. Mittlerweile bekriegen sich die Nomadenstämme um Rinder und Kühe. Es ist ein Kampf ums Überleben.

Klankrieg in Karamoja

Im Schatten eines Baumes hocken die Stammesältesten und diskutieren. Die Männer tragen bunte Tücher um die Schultern. Die Haut um die Augen ist tätowiert. Sie gehören zu den Nomadenstämme Karamojas, einer Region im Nordosten Ugandas, nahe der Grenze zu Kenia und Sudan. Die Karamojong sind berühmt für ihre Viehherden. Sie wandern mit tausenden Rindern und Ziegen durch die Hochebene.

Die Stimmung ist allerdings aufgeheizt. Die Männer führen Krieg gegen den benachbarten Klan. Denn erst vor wenigen Tagen wurden sie in der Abenddämmerung überfallen: 600 Rinder wurden gestohlen, vier Männer getötet. Jetzt planen die Stammesältesten, die Rinder zurück zu holen.

Der Kampf ums Überleben

Klimakrieg in Karamoja Flüsse ausgetrocknet

Ausgetrocknete Flussbetten - aus der Luft erkennbar

Streit um das Vieh prägt traditionell das Verhältnis zwischen den Stämmen. Doch seit wenigen Jahren entscheidet dieser Kampf über Leben und Tod,: "Wir kämpfen um die Rinder, um zu überleben. Sie sind unsere einzige Nahrung", erklärt der Stammesführer, Timothy Aisu. "Wir trinken die Milch und das Blut, wir essen das Fleisch. Wenn ich Geld für meine Frauen und Kinder brauche, verkaufe ich das Vieh. Wir haben uns Waffen besorgt und wenn wir einem anderen Stamm begegnen, dann kämpfen wir und töten sie."

Auf den ersten Blick scheint dieser Konflikt ein Nachbarschaftsstreit. Doch die Ursachen liegen im Klimawandel. Früher gab es in Karamoja nur alle zwanzig Jahre Perioden, in denen es kaum regnete. Doch der Abstand zwischen diesen Dürre-Zeiten verkürzt sich – nun herrscht seit vier Jahren Trockenheit: "Während meiner Schulzeit in den fünfziger Jahren regnete es fast jede Woche. Die Wiesen waren grün. Wir hatten viel zu Essen – kräftige Kühe, viel Milch", erzählt der 60-jährige Timothy Aisu. "Doch heute bin ich dürr, unser Vieh auch. Unser Land ist nun fast eine Wüste."

Die Dürre zerstört auch die Kultur

Klimakrieg in Karamoja Timothy Stammesführer

Der Stammesführer Timothy Aisu

Der alte Mann schaut um sich: Kaum ein Grashalm ist mehr zu sehen. Die Karamojong bauen eigentlich Sorghum an, eine Hirse-Art. Doch Sorghum wächst nur in Regenzeiten. Ohne Sorghum feiern die Karamojong keine Feste, erklärt Simon Obiang. Der 21-Jährige wartet schon seit drei Jahren auf seine Hochzeit, seufzt er: "Zu Hochzeiten brauen die Frauen unser lokales Bier aus Sorghum. Wir Männer schlachten einen Stier, mit dessen Blut wir uns einreiben. Die Ältesten führen dann ein Ritual durch, um uns Jungen zu Männern machen. Aber während der Trockenzeit können wir diese Zeremonien nicht abhalten, weil wir kein Sorghum haben. Wir hatten schon seit Jahren keine Hochzeit mehr in unserem Klan."

In dem Klan werden immer mehr uneheliche Kinder geboren. Aber viele werden verstoßen, dann enden sie in der Hauptstadt Kampala. Dort hocken sie dann auf den Bürgersteigen und betteln. Das hat die Regierung veranlasst, zu handeln. Präsident Yoweri Museveni ernannte seine Frau zur Ministerin für Karamoja. Nun reist sie regelmäßig in die Region – begleitet von Lastwagen der Welthungerhilfe. Das Militär hat Soldaten an der Grenze zu Kenia und Sudan postiert, um die Karamojong davon abzuhalten, das Vieh von den kenianischen oder sudanesischen Nachbarstämmen zu stehlen. Das Verhältnis zwischen den Nachbarländern ist gestört.

Uganda fordert Entschädigung von den Industrieländern

Klimakrieg in Karamoja Wasserholen

Lange Wege zur Wasserstelle

Doch die Ursachen der Konflikte, die Klimaveränderungen, sind damit nicht behoben. "Wir benötigen in Karamoja Dämme und Auffangbecken für das Regenwasser", erklärt der Chef des ugandischen Klimawandel-Referats, Lawrence Aribo. Uganda ist auf Unterstützung angewiesen: "Wir fordern die Industrieländer auf, Verantwortung zu übernehmen und uns hier in Afrika zu helfen. Immerhin haben die Industrienationen den Hauptteil der Treibhausgase erzeugt, die nun hier in Afrika zum Klimawandel beitragen."

Der Umweltökonom trifft sich regelmäßig mit Politikern, die nun in einigen Wochen zu den Klimaverhandlungen nach Kopenhagen reisen. Ziel der Klimakonferenzen ist, ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu entwickeln. Der ugandische Präsident Museveni will die Delegation selbst anführen, um die Welt auf die Probleme in Uganda aufmerksam zu machen. Denn die Folgen der Klimaveränderungen zerstören nicht nur die Lebensgrundlage der Menschen, sondern auch ihre Traditionen.

Autorin: Simone Schlindwein

Redaktion: Silke Ballweg