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Ostmitteleuropa

Die Folgen der Euroeinführung in Polen

- Was geschieht mit den ersparten europäischen Währungen der Polen?

Warschau, 17.12.2001 RZECZPOSPOLITA, poln.

Die Einführung des Euro und die Abschaffung der nationalen Währungen in Europa zwingt die Polen, die dieses Geld noch zu Hause haben, es entweder schnellstens auszugeben oder umzutauschen. Die Fachleute sind nicht imstande, genaue Beträge zu nennen, aber die Tendenz, die europäischen Währungen los zu werden, ist bereits seit einiger Zeit in den Wechselstuben sichtbar. Die Auflösung alter Ersparnisse kann sogar die Konjunktur in Polen ankurbeln (...).

"Vor sechs Jahren versuchte die Bundeszentralbank die Höhe der Ersparnisse in DM in den polnischen Haushalten zu schätzen. Ihren Angaben zufolge wurden damals in den Privathaushalten zwischen zwei und vier Milliarden DM aufbewahrt", sagt Krzysztof Jakubiszyn, Berater des Vorsitzenden der Polnischen Nationalbank (NBP) für die Euro - Angelegenheiten. Seiner Meinung nach verfügen die Polen jedoch jetzt über bedeutend weniger deutsches Geld: "Es könnte sich höchstens um einige Hunderttausend DM handeln", fügt Krzysztof Jakubiszyn hinzu.

Diejenigen, die noch über europäische Währungen verfügen, können ein Fremdwährungskonto eröffnen und das Geld bei den Banken einzahlen. Nach dem 1. Januar 2002 wird es automatisch in Euro umgetauscht. Es ist jedoch schon jetzt bekannt, dass nicht alle, die DM zu Hause haben, sie in Banken deponieren werden. Die Ersparnisse in Fremdwährungen wurden damals als " eiserne Reserve" von vielen älteren Personen zurückgelegt, die kein Vertrauen zum Banksystem haben.

Ein größeres Problem stellt sich Privatpersonen, die hohe Beträge bei den Banken nicht einzahlen können - z.B. aus steuerlichen Gründen. Polnische Banken sind nämlich verpflichtet, jegliche Kontobewegungen, die den Betrag von 10 000 Euro übersteigen, dem Generalinspekteur für Finanzinformationen zu melden. Diese Meldepflicht erstreckt sich auch auf Aktivitäten, die den Bankangestellten verdächtig vorkommen. Dies wird bestimmt all diejenigen abschrecken, die die Herkunft ihres Geldes nicht eindeutig nachweisen können.

Das Problem wird auch durch den Umtausch in den Wechselstuben nicht gelöst werden können, weil auch sie verpflichtet sind, größere Einzahlungen zu registrieren. Ähnliches gilt auch für Maklerbüros und Entwicklungs-Firmen (...)

"Mit den nicht mehr gültigen Währungen wird man jedoch etwas machen müssen. Nach der Übergangszeit werden die Banken dazu ermächtigt, dieses Geld auch weiterhin anzukaufen, aber zu Konditionen, die sie selbst schaffen, d.h. viel ungünstigeren als jetzt", sagt Krzysztof Jakubiszyn.

Ein Teil des Geldes wird sicherlich für den Konsum ausgegeben werden, was sich auf die Konjunktur positiv auswirken könnte. Genaueres wird man jedoch erst nach dem Ende der Weihnachtseinkäufe sagen können.

"Seit einiger Zeit nimmt der Verkauf von europäischen Währungen ständig zu", sagt Wieslaw Mroz, von den Wechselstuben "Manhattan" in Warschau. Er fügt jedoch hinzu, dass das nicht nur mit der Einführung des Euro zu tun habe, sondern auch mit den guten Konditionen für langfristige Spareinlagen in Zloty, die von der neuen Abschlagssteuer verschont werden. "Vor einigen Jahren sah dies noch völlig anders aus: Die Leute haben Fremdwährungen gekauft, weil sie sich vor neuen Ideen der Regierung fürchteten. Auch jetzt glauben viele älteren Personen nicht an die Währungsreform in der EU", erklärt Wieslaw Mroz. (...)

Der massive Umtausch von europäischen Währungen in den Wechselstuben wirkt sich auf den Kurs des Zloty jedoch nicht aus, weil er von der Nachfrage und dem Angebot auf dem Bankmarkt abhängig ist (...)

"Auf dem Währungsmarkt ist man davon überzeugt, dass sich der Kurs des Euro nach der Währungsreform gegenüber dem Dollar verstärken wird, weil dann die Menschen in Osteuropa ihre Ersparnisse zu Hause in Euro horten werden. Solch eine Entwicklung wäre für die Wirtschaft Polens sehr positiv, da die EU-Länder der größte Abnehmer für den polnischen Export sind", sagt Krzysztof Jurczynski, Analytiker der Warschauer Investitionsgruppe. (Sta)

  • Datum 17.12.2001
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