1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Die Flucht ins Gold

In der Eurozone geht die Inflationsangst um. Das Vertrauen in das Krisenmanagement von Politik und Banken hat Schaden genommen. Bei einem Berliner Leihhaus stehen Menschen jetzt Schlange, um Gold zu kaufen.

Gestapelte Goldbarren (Foto: AP)

Gold - die klassische Krisenanlage

"Eines ist sicher: Gold!" - das steht auf einem Werbeplakat an der Tür einer Filiale der Exchange AG, nahe dem Bahnhof Zoo in Berlin. Der Laden brummt - die Leute stehen Schlange, um ihr Geld unabhängig von den Banken anzulegen. Sie wollen Unzen, Barren oder Münzen zu kaufen. Sie wollen den Krugerrand aus Südafrika oder das Maple Leaf aus Kanada. Und alles am besten in 24 Karat reinem Gold.

Eine Krugerrand-Goldmünze (Foto: DPA)

Eine Krugerrand-Goldmünze

"Gold hat einen Wert für sich, der nicht auf einem Versprechen beruht", sagt Axel Schulze, der gerade eine ganze Hand Goldmünzen gekauft hat und sie nun stolz präsentiert. "Mit einer dieser Münzen kann ich mir einen guten Herrenanzug kaufen. Und das war schon vor 100 Jahren so. In Euro dagegen kostet alles mehr und mehr." Bei den Bürgern wächst die Sorge über eine mögliche Inflation. Da hilft es nichts, dass eine Teuerungsrate von etwa 1,5 Prozent im April (nach den vorläufigen Zahlen des gesamteuropäischen Verbraucherpreisindex HICP) nicht gerade besorgniserregend erscheint.

Mit dem Goldkauf sind Risiken verbunden

"Seit der neuesten Schuldenkrise kommen auf jeden Fall mehr Leute zu uns", bestätigt Sabine Schulz, die stellvertretende Filialleiterin. "Sie haben einfach Angst um ihre Ersparnisse. Manchmal geht die Schlange bis auf den Bürgersteig hinaus." Auch sie selbst habe ihre Altersvorsorge inzwischen in Goldbarren angelegt. In der Hand hat sie eine Fernbedienung, mit der sie gerade den Goldkurs auf einer Leuchttafel neben der Eingangstür ändert. Bis zu 10 Mal am Tag muss sie ihn jetzt anpassen - meistens nach oben.

Die Entwicklung des Goldpreises zwischen Mai 2009 und April 2010 (Foto: DPA)

Die Entwicklung des Goldpreises zwischen Mai 2009 und April 2010

Doch mit dem Goldkauf sind auch Risiken verbunden. "Der aktuelle Höhenflug des Goldpreises ist durch Angebot und Nachfrage nicht zu erklären", sagt Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gegenüber der Deutschen Welle. "Das hat auch etwas mit Spekulationen zu tun." Jeder Anleger solle sich deshalb über das Abwärtspotential des Goldkurses bewusst sein. Schlechte Nachrichten aus Griechenland sind für ihn kein Grund, jetzt überstürzt das Sparbuch aufzulösen und Gold zu kaufen.

Einfach ein wenig Sicherheit

Solche Argumente zählen aber wenig für die Menschen, die bei der Exchange AG in der Schlange stehen. Diese Goldkäufer sind zwar noch keine Massenerscheinung, aber doch ein Symbol der Eurokrise. Das Bedürfnis Gold zu besitzen beruht bei ihnen auf einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Finanzsystem. Viele glauben nicht mehr an den Euro. "Das Richtige wäre, wir Deutschen würden die Deutsche Mark wieder einführen", sagt ein älterer Herr am Schalter und studiert dabei mit düsterem Gesicht die Goldpreise.

Gold kaufen will auch Petra Lange. Sie hat sich entschieden, ein Viertel ihres gesamten Vermögens in 100-Gramm-Barren anzulegen. "Das gibt mir einfach eine gewisse Sicherheit", sagt sie. "Man weiß ja wirklich nicht, wie es weitergeht. Vielleicht ist mein Geld in 8 Jahren nur noch die Hälfte wert."

Doch den Euro will sie trotzdem nicht abgeschafft sehen. Sie schätzt die gemeinsame Währung als ein Symbol europäischer Einheit und Reisefreiheit. Stattdessen wünscht sie sich eine schärfere Kontrolle der Banken. Diese sollten auch stärker für die Folgen von Spekulationen und Misswirtschaft in die Verantwortung genommen werden: "Nehmen sie den Betrag, den sie für Griechenland zahlen. Das ist doch ein Witz. Peanuts sind das doch für die, Peanuts!"

Autor: Martin Heidelberger
Redaktion: Kay-Alexander Scholz