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Wissen & Umwelt

Die Fleischer vor unserer Zeit

Schon eine Million Jahre früher als bislang bekannt nutzten unsere Vorfahren Steinwerkzeuge, um Fleisch zu schneiden. Forscher haben 3,4 Millionen Jahre alte Knochen mit eindeutigen Schnittspuren entdeckt.

Forscher in Äthiopien (Foto: Dikikia Research Project)

Sensationeller Fund in Äthiopien

Das perfekte Messer gleitet heutzutage ohne große Mühe durch Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse. Ein Messer ist heutzutage eben nicht einfach nur ein Messer: Jeder Koch hat sein eigenes Set und selbst in den Privathaushalten werden Hunderte Euro für die Schneidewerkzeuge hingeblättert. Es gibt sie in den verschiedensten Formen und Farben und sogar aus Keramik. Unvorstellbar, dass es einst ein Leben ohne sie gab. Zu verdanken haben wir die Erfindung des Messers nicht mehr den direkten Vorfahren des Homo sapiens, sondern den Vertretern der längst ausgestorbenen Gattung Australopithecus - eine Million Jahre früher als bisher gedacht.

Revolutionärer Fund

"Diese Entdeckung zwingt uns endgültig, unsere Lehrbücher über die Evolution des Menschen zu korrigieren", sagt der Paläoanthropologe Zeresenay Alemseged von der kalifornischen Akademie der Wissenschaften. Gemeinsam mit anderen Forschern unter Beteiligung des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie habe man zwei Huftier-Knochen in Äthiopien entdeckt. Diese tragen eindeutige Schnitt- und Schlagspuren von Steinwerkzeugen, berichtete das Team nun im Magazin "Nature" (Vol. 466, S. 857-860).

Nahaufnahme eines Kratzers an einem Knochen (Dikikia Research Project)

Die Spuren an den gefundenen Knochen

"Werkzeuggebrauch hat den Umgang mit der Natur maßgeblich verändert, denn er ermöglichte den Verzehr neuer Nahrungsmittel und die Erschließung neuer Gebiete", erklärt Alemseged. Die bislang ältesten Beweise für das Schlachten von Tieren mit Hilfe von Steinwerkzeugen sind 2,5 Millionen Jahre alt und wurden ebenfalls in Äthiopien gefunden: Knochen mit Schnittspuren. Das älteste gefundene Steinwerkzeug ist 2,6 Millionen Jahre alt.

Lucy war ein Fleischfresser

In der Nähe der nun entdeckten Knochen hatten Forscher bereits 1974 Skelettreste zweier weiblicher Australopithecus entdeckt: Lucy und ihr Baby Selam, die vor etwa 3,3 Millionen Jahren lebten. "Wenn wir uns Lucy beim Durchstreifen der ostafrikanischen Landschaft auf der Suche nach Nahrung vorstellen, sehen wir sie erstmals mit einem Steinwerkzeug in der Hand auf Fleischssuche", sagt der Achäologe Shannon McPherron vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Antropologie.

Blick auf zwei von Steinwerkzeugen bearbeitete Knochen, die im äthiopischen Dikikia gefunden worden sind (Foto: picture-alliance/dpa)

Die Knochen, die im äthiopischen Dikikia gefunden worden sind

Tiere oder deren Kadaver seien vor allem wegen der Steinwerkzeuge zu einer sehr attraktiven Nahrungsquelle geworden. Schnell hätten die Australopithecinen so das Fleisch vom Knochen schaben oder gar den Knochen aufbrechen können, um an das Mark zu gelangen. Dieses neue Verhalten habe unseren Vorfahren den Weg gewiesen, ist McPherron sicher. Und es habe später zu zwei Eigenschaften geführt, die unsere Art definieren: "Der Verzehr von Fleisch sowie die Herstellung und der Gebrauch von Werkzeug."

Die Steinwerkzeuge haben Lucy und Co. sehr wahrscheinlich mitgebracht, da Steine einer solchen Größe nicht in der Region vorkommen. Allerdings wirft der neue Fund auch wieder neue Fragen auf: Die Forscher wissen nicht, ob die Lucy-Sippe die Tiere bereits gejagt oder nur deren Überreste verspeist hat. Und ob sie die Werkzeuge nur gefunden hat oder selbst herstellte.

Autor: Nicole Scherschun (mit Nature, ap, dpa)
Redaktion: Susanne Henn

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