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Bootsflüchtlinge

Die Flüchtlingskrise im Mittelmeer

Am Sonntag sind vor der libyschen Küste rund 3000 Bootsflüchtlinge gerettet worden. Die italienische Küstenwache rechnet mit einem weiteren Anstieg. Woher kommen die Flüchtlinge, was passiert mit ihnen? Ein Überblick.

Wieviele Flüchtlinge sind bisher im Mittelmeer gerettet worden?

Nach Aussagen der italienischen Regierung sind seit Anfang des Jahres 16.206 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet worden (Stand 18. März 2017). Im Vorjahr waren es weniger, die Zahl lag bei 11.911. Die italienische Küstenwache führt den Anstieg auf bessere Wetterbedingungen zurück – wegen steigender Temperaturen würden derzeit wieder mehr Menschen die gefährliche Überfahrt wagen.

Wieviele Flüchtlinge sind bisher über das Mittelmeer nach Europa gekommen?

Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Anfang des Jahres 19.722 Personen über das Mittelmeer nach Europa gekommen. 80 Prozent der Ankommenden landen in Italien, die übrigen 20 Prozent in Griechenland und Spanien. Im Vorjahr waren es weitaus mehr: 154.416 Flüchtlinge hatten bis zum 16.März bereits europäisches Festland über das Mittelmeer erreicht.

Woher kommen die Flüchtlinge?

Die Zusammenstellung der Flüchtlinge, die in Italien ankommen, habe sich sehr verändert, so Flavio Di Giacomo, Pressesprecher bei IOM. Vor zwei Jahren kamen die meisten Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea und dem Horn von Afrika. 2016 und 2017 sind vermehrt Flüchtlinge aus westafrikanischen Ländern gekommen, und dafür weniger Syrer und Eriträer. Derzeit kommen die meisten Flüchtlinge aus Guinea, Nigeria, der Elfenbeinküste, Bangladesh, Gambia und Senegal, so Di Giacomo.

Libyen Bootsflüchtlinge wurden gerettet (Reuters/G. Moutafis)

Rettungsaktion für libysche Flüchtlinge

Über welche Route kommen die Flüchtlinge nach Europa?

Die Flüchtlinge kommen über verschiedene Routen. Im März 2016 wurde das EU-Türkei Abkommen beschlossen. Es sieht vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Die Balkanroute war bereits wenige Wochen zuvor geschlossen worden.

Der EU-Grenzschutzagentur Frontex zufolge sind in der Türkei viele kriminelle Netzwerke und Schlepper aktiv, die Flüchtlinge über das Meer schleusen. Diese seien sehr professionell aufgestellt und würden vor allem Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan oder dem Iran ansprechen. Viele Flüchtlinge könnten sich die Kosten aber nicht leisten und wagen die Überfahrt alleine.

Laut UNHCR ist die zentrale Mittelmeerroute von Nordafrika nach Italien der am häufigsten genutzte Weg nach Europa. Diese Route ist jedoch besonders gefährlich: im vergangenen Jahr sind über 5000 Bootsflüchtlinge während der Überfahrt umgekommen.

Wie ist die Situation für Flüchtlinge in Libyen?

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Flüchtlingsdrama an der libyschen Küste

Flavio Di Giacomo beschreibt die Bedingungen für Flüchtlinge in Libyen als katastrophal. Bei vielen Migranten aus Subsahara-Afrika herrsche aber nach wie vor der Irrglaube, dass sie in Libyen Arbeit finden und Geld nach Hause schicken könnten. Die Realität sehe aber anders aus: Misshandlung, Vergewaltigung, Internierung oder Folter stünden an der Tagesordnung, so Giacomo. Auch Flüchtlinge, die ursprünglich gar nicht weiter nach Europa wollten, würden daher weiterfliehen, um ihr Leben zu retten.

Was tut die EU, um das Sterben von Flüchtlingen zu verhindern?

Frontex ist für den Schutz der europäischen Aussengrenzen zuständig und patrouilliert im Mittelmeer gemeinsam mit den Küstenwachen und Marineschiffen verschiedener europäischer Länder, darunter auch Deutschland. Mit den Frontex-Operationen "Triton" im Mittelmeer und "Poseidon" im Ägäischen Meer sollen Flüchtlinge in Seenot gerettet werden.

Die EU ist außerdem bemüht, Abkommen mit Maghreb-Staaten zu schließen, um Migranten aus Europa fernzuhalten und sie an der lebensgefährlichen Überfahrt zu hindern. Die unter UN-Vermittlung aufgestellte Einheitsregierung in Libyen forderte zuletzt 800 Millionen Euro für den Grenzschutz, für Hubschrauber, Radaranlagen und Boote, wie die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtete. Menschenrechtsorganisationen kritisieren derweil die verheerenden Menschenrechtsverletzungen in libyschen Lagern.

Was passiert mit Flüchtlingen, die in Italien ankommen?

Der IOM zufolge werden Bootsflüchtlinge, die in Italien an Land gelangen, nach Sizilien oder Kalabrien geschickt. Dort werden sie medizinisch untersucht und bekommen Informationen zu ihrer rechtlichen Lage. Schutzbedürftige Flüchtlinge werden identifiziert und in eines von über 2.000 Aufnahmezentren in Italien umgesiedelt.

Der Europäischen Kommission zufolge werden die Flüchtlinge in ein Asylantragsverfahren übergeleitet, sobald sie identifiziert und registriert werden konnten. Jene, die als nicht schutzbedürftig eingestuft sind, würden zurückgeschickt.

Flüchtlinge, die vor der libyschen Küste von der libyschen Küstenwache geborgen werden können, werden nach Libyen in Auffanglager geschickt.

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