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Wirtschaft

Die Finanzkrise hat Brasilien erreicht

Durch das internationale Finanzdesaster gerät nun auch Brasilien zunehmend unter Druck. Dort könnte sich vor allem die nachlassende Nachfrage nach Rohstoffen auf die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas niederschlagen.

Börsianer handeln auf dem brasilianischen Parkett in São Paulo (AP Photo/Andre Penner)

Der Leitindex an der Börse in São Paulo hat seit Juni die Hälfte seines Wertes verloren

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva sparte zu Beginn der internationalen Finanzkrise nicht an starken Tönen: Brasilien sei stark und werde von der US-amerikanischen Finanzkrise nicht betroffen sein. Doch die gute Laune ist ihm inzwischen vergangen. Denn die Probleme haben nun auch Brasilien erreicht. Der Bovespa, der Leitindex an der größten Börse Südamerikas in São Paulo, hat seit Juni die Hälfte seines Wertes verloren. Ausländische Investoren ziehen Geld aus Brasilien ab. In Zeiten der Krise meiden sie Anlagen in risikoreichen Ländern und müssen Löcher in heimischen Bilanzen stopfen. Das bringt auch die brasilianische Währung, den Real, unter Druck. Sie hat in den vorigen Wochen im Vergleich zu Dollar und Euro stark an Wert verloren.

Alter Mann stehend im Konsum in Rio de Janeiro, Brasilien (Foto: Eric Pawlitzky)

Auch die Kaufkraft könnte bald sinken, sollten die Gewinne des Exports ausbleiben

Hauptproblem der Brasilianer ist aber die weltweit nachlassende Nachfrage nach Rohstoffen. In den vergangenen Jahren ließen hohe Preise für die Exportgüter des Landes - etwa Eisenerz, Soja oder Rindfleisch - die Wirtschaft boomen. Wenn weltweit jedoch weniger Autos verkauft werden, dann wird Brasilien auch weniger Eisenerz verkaufen, um den Stahl für die Autos herzustellen. Und wenn der Ölpreis noch weiter sinken sollte, dann könnte es sich bald nicht mehr lohnen, die großen, sehr tief vor der Küste unter dem Meer liegenden Ölfelder auszubeuten.

Präsident Lula fordert staatliche Kontrollen des Finanzsystems

Dennoch steht Brasilien viel besser da als beispielsweise während der lateinamerikanischen Schuldenkrise der 1980er-Jahre. Schon während der Verhandlungen zur Doha-Welthandelsrunde in den vergangenen Jahren führte Brasilien die Gruppe der Schwellen- und Entwicklungsländer an. Nun hat das Land eine ähnliche Rolle bei der internationalen Finanzkrise übernommen. Die Regierung Lula hat in den vorigen Jahren die Auslandschulden dramatisch reduziert und gleichzeitig hohe Devisenreserven aufgebaut. So kann sie nun relativ gelassen dem Auf und Ab an den Finanzmärkten zusehen.

Dennoch sparte Präsident Lula da Silva in seinem wöchentlichen Radioprogramm "Café com o Presidente" nicht an Kritik: "Das internationale Finanzsystem muss von den Regierungen kontrolliert werden, damit kein Land die schweren Fehler wiederholt." Der Staat solle die Finanzmärkte in Zukunft so stark kontrollieren wie er es auch bereits in anderen Bereichen der Gesellschaft tue, fordert Brasiliens Präsident Lula da Silva.

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