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Frankreich

Die Finanzen der Frau Fillon

Der Skandal um die Einkünfte von Penelope Fillon, der Frau des republikanischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon, weitet sich aus. Die Franzosen erfahren immer weitere Details über die Affäre.

Hat die Ehefrau des französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon viel Geld für wenig Gegenleistung erhalten? Ging sie womöglich nur einer Scheinbeschäftigung nach? Nein, sagt dieser und ließ seinen Anwalt der Finanzstaatsanwaltschaft Unterlagen einreichen, die diesen Vorwurf entkräften sollen. Zum Inhalt der Dokumente äußerte der Anwalt sich nicht.

Seit zwei Tagen steht Fillon in der Kritik. Auf die Anschuldigungen hat er bislang nur in knappen Worten reagiert. Misogynie, "Frauenfeindschaft", mit diesen Worten beschrieb er den Bericht des Magazins Le Canard Enchainé, der die Affäre ins Rollen brachte. "Nur weil sie meine Frau ist, soll sie nicht arbeiten dürfen?", kommentierte er die Empörung, die der Bericht über die Tätigkeit seiner Frau als seine Assistentin während seiner Zeit als französischer Abgeordneter ausgelöst hatte.

Dabei geht es gar nicht darum, dass seine Frau nicht hätte arbeiten dürfen. Die Frage ist einerseits, ob sie das als Assistentin ihres Ehemanns hätte tun sollen. Legal ist es, das französische Gesetz lässt das ausdrücklich zu. Allerdings diskutiert die französische Öffentlichkeit die Frage, ob ihr Gehalt gerechtfertigt war. Penelope Fillon hatte außergewöhnlich gut verdient. Im Durchschnitt verdienen Parlamentsassistenten rund 1500 Euro im Monat. Wer gut verhandelt, kann rund 3000 Euro erzielen.

Fragliche Gegenleistung für 500.000 Euro

Penelope Fillon nahm ihre Arbeit 1998 auf. 2001 lag ihr Gehalt bei 3900 Euro, von 2007 an bei 7900. Gesetzlich vorgesehen ist, dass Familienmitglieder eines Abgeordneten nicht mehr als 4700 Euro verdienen dürfen. 

Auch diese Voraussetzung erfüllte Frau Fillon: Denn ihren Verdient erzielte sie in dieser Zeit nicht mehr als Assistentin ihres - erst zum Minister, dann zum Premier aufgestiegenen - Ehemanns, sondern - ab 2002 - als rechte Hand von dessen Nachfolger Marc Joulaud. Insgesamt nahm Penelope Fillon in ihrer Assistentinnenzeit rund 500.000 Euro brutto ein.

Europaforum Konrad-Adenauer-Stiftung - François Fillon (Picture-Alliance/dpa/R. Jensen)

François Fillon am Montag beim Besuch in Berlin

Erörtert wird in Frankreich nun die Frage, was Frau Fillon in dieser Zeit geleistet hat. Die Zeitung "Libération" zitiert Abgeordnete, die sagten, sie könnten sich an die Gegenwart von Frau Fillon nicht erinnern. Sie äußerten sich allerdings nur anonym.

Bernard Accoyer, in der Zeit Präsident der Nationalversammlung, derzeit Generalsekretär der Republikaner und zugleich ein Freund Fillons, erklärte hingegen, er habe dessen Frau dort oft gesehen. Warum andere sie dort nicht gesehen hätten, versuchte Bruno Retailleau, ein republikanischer Senator, mit dem Hinweis zu erklären, Frau Fillon sei Stadträtin im Department Sarthe. Zum Rat des Städtchens Solesmes, in dem die Familie Fillon lebt, gehört sie allerdings erst seit 2014.

Eine Landfrau, die sich um Kinder und Pferde kümmert

Eine neue Note bekommen in diesem Zusammenhang auch Auszüge aus der - autorisierten - Biographie François Fillons. Darin heißt es, seine Frau sei eine "Landfrau" ("paysanne"), die sich vor allem der Erziehung der fünf Kinder, den Pferden und dem Landschloss im Department Sarthes widme. "Ich habe nie gehört, dass Frau Fillon arbeitet", erklärte die Autorin der Biographie, die Journalistin Christine Kelly, dem Blatt "Le Canard enchainé", das die Affäre öffentlich gemacht hatte.

 Frankreich Erste Fernsehdebatte zwischen den sieben Kandidaten (Picture-Alliance/dpa/P. Wojazer)

Im Wahlkampfmodus: Fillon während der Vorwahlen der Republikaner

Weitere Brisanz erhält die Affäre durch den Umstand, dass Frau Fillon in der Zeit zwischen Mai 2012 und Dezember 2013 100.000 Euro bei der Zeitschrift "Revue des deux mondes" verdient hatte. Diese gehört einem weiteren Freund Fillons, dem Milliardär Marc Ladreit de Lacharrière. Der erklärte, die Zeitschrift verzeichne seit Jahren einen Auflagenrückgang. Darum hätten einige "Freunde und Persönlichkeiten über deren Zukunft nachdenken" sollen.

Was Frau Fillon konkret geleistet hat, ist noch offen. Er habe sie in der fraglichen Zeit nie in der Redaktion gesehen, erklärte der damalige Leiter Michel Crépu. Erschienen seien in dieser Zeit lediglich zwei - unter Pseudonym verfasste - Rezensionen von Frau Fillon. Angeregt habe deren Veröffentlichung Eigentümer Ladreit de Lacharrière.

Skandal zur Unzeit

Die "Affäre Fillon", wie sie in den französischen Medien genannt wird, kommt für die Republikaner zur Unzeit. In drei Monaten wählten die Franzosen einen neuen Präsidenten. Fillon, vor wenigen Wochen als Spitzenkandidat gekürt, hatte Umfragen zufolge gute Chancen, in das höchste Staatsamt gewählt zu werden.

Empfohlen hatte sich der konservative Katholik als Mann, der für Ordnung und Anstand einsteht. In Erinnerung sind vielen noch seine Bemerkungen über seinen Vorwahl-Konkurrenten, den ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der sich wegen des Vorwurfs illegaler Wahlkampffinanzierung vor Gericht verantworten muss.

Bildergalerie Französische Präsidenten Affären (AFP/Getty Images)

Das große französische Vorbild: der ehemalige Staatschef Charles de Gaulle

"Es bringt nichts, von Autorität zu sprechen, wenn man selbst nicht untadelig ist", erklärte er: "Wer könnte sich de Gaulle (den ehemaligen Staatspräsidenten, Anm. d. Red.) in einem Prozess vorstellen?" Fillons spitze Bemerkungen vom August vergangenen Jahres werden nun von der französischen Presse genüsslich zitiert - sie richten sich jetzt gegen ihn selbst.

Damoklesschwert über Fillon

Ebenso erinnern die Zeitungen an Fillons Vorschläge, die wöchentliche Arbeitszeit der Staatsangestellten von derzeit 35 auf 39 Stunden zu erhöhen - und zwar unentgeltlich und an seine Idee, die Zahl der öffentlichen Angestellten aus Kostengründen um eine halbe Million zu senken. Auch diese Sätze wenden sich nun gegen ihn.

Wie sich die "Affäre Fillon" auf die Wahlen auswirkt, ist offen. Über Fillon hänge ein Damoklesschwert, schreibt die konservative Zeitung "Le Figaro". Doch betrifft die Affäre nicht nur ihn. Sie könnte sich wahlentscheidend zugunsten Marine Le Pens auswirken, der Kandidatin des rechtsextremen Front National.

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