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Fußball

Die FIFA-Reform-Farce

Diese Woche will der Weltfußballverband FIFA auf seinem jährlichen Kongress seinen groß angekündigten Reform-Prozess abschließen. Allerdings zweifeln Kritiker am echten Willen zur Besserung.

FIFA-Präsident Joseph Blatter nachdenklich auf einer Pressekonferenz (Foto: dapd)

Schweiz Fußball FIFA Präsident Joseph Sepp Blatter Korruption

Man möchte dem Fußballweltverband FIFA ja nicht gleich etwas unterstellen, aber interessant ist es schon, dass der einmal jährlich stattfindende FIFA-Kongress dieses Jahr ausgerechnet auf Mauritius stattfindet. Auf einem Inselstaat im Indischen Ozean, irgendwo hinter Madagaskar, wo bekanntlich ja der Pfeffer wachsen soll. Für Journalisten, die über das vermeintlich große Reform-Programm berichten wollen, das der Fußballweltverband und sein Präsident Sepp Blatter so gerne propagieren, eine kaum zumutbare Reise. Da werden wohl einige wegbleiben, und der FIFA könnte einige kritische Frage erspart bleiben.

Korruption in der FIFA-Familie

"Die sogenannte FIFA-Reform ist eine Farce", sagt David Larkin. Er ist Mitbegründer von ChangeFIFA, einer Initiative, die sich mit den Abgründen des Weltfußballs beschäftigt. "Wenn du mit Anti-Korruptions-Experten weltweit sprichst, sagt dir keiner, dass dieser so genannte FIFA-Reform-Prozess substanziell sei. Sie haben ja noch nicht mal die Vorschläge ihres eigenen Beratungsgremiums umgesetzt."

Reformen in der Familie, so hieß es, wollten die FIFA und ihr ewiger Präsident Sepp Blatter auf den Weg bringen. Reformen, die nötig wären wegen immer neuer Korruptionsfälle und Verdächtigungen auf höchster Familien-Ebene, persönlicher Bereicherung rund um die WM-Vergaben, Bestechung im Zusammenhang mit der Vergabe von Fernsehrechten.

Resignation bei den Beratern

Beim FIFA-Kongress in Budapest vor einem Jahr sollten erste Reformen verabschiedet werden, die das externe Beratungsgremium IGC vorgeschlagen hatte. Diese Woche beim Kongress auf Mauritius sollten diese abgeschlossen sein. Nur welche Reformen?

"Die FIFA hat unsere Vorschläge ignoriert", sagt Alexandra Wrage, Präsidentin der Anti-Korruptions-Organisation Trace International. Sie saß lange im externen Beratungsgremium IGC, das die FIFA für Reformvorschläge selbst angeheuert hatte. "Es war ein frustrierender Prozess. Weil die FIFA resistent war gegen alle unsere Vorschläge zur Korruptionsbekämpfung."

Das FIFA-Exekutivkomitee, also der Vorstand der FIFA, hat in den vergangenen Wochen und Monaten so gut wie alle Vorschläge des IGC abgelehnt: FIFA-unabhängige Mitglieder im ExCo, externe Überprüfung von FIFA-Offiziellen. Über die offenlegung der Boni und Gehälter oder Beschränkung der Amtszeit wurde nicht entschieden. Alexandra Wrage trat daraufhin demonstrativ aus dem IGC aus. Jetzt sagt sie, die FIFA verstehe wohl nicht, wie hoch ihr Imageschaden wirklich ist, den es zu reparieren gilt.

Blatter unter Artenschutz?

"Schauen Sie, andere große Unternehmen von Weltrang haben auch Zeit gebraucht, um das umzusetzen, was auch die FIFA jetzt umsetzt," sagt Hans-Joachim Eckert. Der erfahrene Münchner Strafrichter hat große Korruptionsfälle wie den Siemens-Skandal verhandelt, jetzt richtet er nebenbei über Korruptionsfälle in der FIFA. Die Zweiteilung ihrer Ethikkommission, mit einem externen Ankläger aus den USA und dem externen Richter Eckert ist der einzige größere Reformschritt, den die FIFA bisher umgesetzt hat. Er sei nicht dazu angetreten, um irgendjemandem ein Feigenblatt zu verpassen, sagt er. "Um das ganz deutlich zu sagen. Wenn ich etwas finde, finde ich etwas, wenn ich nichts finde, finde ich nichts."

Bei seiner bisher wichtigsten FIFA-Entscheidung vor vier Wochen wirkte das anders. Im lange erwarteten Abschlussbericht zur Korruption rund um die ehemalige Rechte-Vermarktungsfirma ISL wurde offen gelegt, dass mehrere FIFA-Offizielle Schmiergeld bekommen haber, doch das war schon vorher bekannt. Ein Name aber fehlt in Eckerts Bericht: Issa Hayatou, Exekutivkomitee-Mitglied und einflussreicher Präsident der Afrikanischen Fußball-Konföderation. Auch er hat nachweislich Geld der ISL bekommen. Nach Informationen der ARD wird der Fall Hayatou nun nachträglich noch untersucht werden.

Mohamed bin Hammam, der ehemalige Chef des asiatischen Fußballverbandes (Bild: AP)

Ex-FIFA-Vize Mohamed Bin Hammam

Über FIFA-Präsident Sepp Blatter schreibt Eckert nur, dieser habe sich "ungeschickt" verhalten, obwohl er von Schmiergeld-Zahlungen wusste. Auf die Frage, ob das nicht einem Blankoscheck für Blatter und die FIFA gleichkomme, erwidert Eckert harsch, das sehe er überhaupt nicht so. "Ich habe das, was mir zur Verfügung stand in Sachen ISL geprüft, ob hier irgendetwas noch veranlasst ist in Sachen Strafrecht oder Ethikregeln.“

Zweierlei Maß angelegt?

Eckert verweist auf das Problem der Verjährung, aber die gibt es nach dem neuen Ethikcode der FIFA für Korruption gar nicht mehr. Blatters mögliches Fehlverhalten in der Vergangenheit könnte also eigentlich untersucht werden. Trotzdem sagt Eckert dazu: "Ich wüsste nicht, auf welcher Basis."

Es bleibt also unwahrscheinlich, dass Sepp Blatter von seiner durch ihn installierten Ethikkommission untersucht wird. "Absurd", nennt das David Larkin von ChangeFIFA. Absurd sei "den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Bin Hammam wegen Interessenkonflikten nachträglich zu verurteilen – und bei Sepp Blatter soll das bei all den Vorwürfen nicht gelten? Das ist scheinheilig."

Was ist ein öffentlich verkündeter Reformprozess also wert, der den jahrelangen Präsidenten nicht mit einschließt? Ein sogenannter Reformprozess, in dem man nicht auf die eingekauften Berater hört, in dem die wegen Korruption ausgetauschten Vorstandsmitglieder heute trotzdem noch hohe FIFA-Pensionen erhalten?