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Wirtschaft

Die FIFA: Der Verein vom Zürichberg

Der Weltfußballverband FIFA gilt vielen als milliardenschwerer Konzern von der Größe eines Autobauers. Milliardenschwer ja, Konzern nein. Die FIFA ist ein Verein. Das hilft sehr beim Anhäufen von Geld.

Der Weltfußballverband FIFA ist ein Verein im Sinne von Artikel 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Es gilt also das Vereinsrecht der Alpenrepublik – und demnach ist die FIFA als gemeinnützige, nicht profitorientierte Organisation verpflichtet, ihre Gewinne und Reserven wieder in den Fußball zu investieren. Zum Beispiel in Jugend- und Entwicklungsprogramme. Einnahmen und Ausgaben müssen sich die Waage halten, eine Dividende wird nicht ausgezahlt. So steht auch es im aktuellen Geschäftsbericht der FIFA.

Das Geschäftsmodell

Weil die FIFA also ein Verein ist, müssen auf die Reingewinne nur vier Prozent Steuern gezahlt werden. Bei Kapitalgesellschaften ist das Doppelte fällig. Und trotzdem ist der Weltfußballverband eigentlich ein Milliarden-Konzern, der sein Geld vor allem mit der alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft verdient. Aber weil die FIFA, wie gesagt, ein gemeinnütziger Verein ist, darf sie sich laut Statut keinen wirtschaftlichen Aufgaben widmen. Wie also verdient die FIFA dann Geld, und zwar viele hundert Millionen jedes Jahr?

Das Geschäftsmodell ist vergleichsweise simpel: Man bürdet dem jeweiligen Gastgeberland der WM die Kosten auf. Wer den Zuschlag für eine WM bekommen will, muss der FIFA zudem vorab Steuerfreiheit zusichern. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sollen dem deutschen Fiskus nach Schätzungen von Experten rund 250 Millionen Euro entgangen sein. Ähnlich lief es bei der WM 2010 in Südafrika und im vergangenen Jahr in Brasilien, Länder, die ein Mehr an Steuereinnahmen dringend hätten brauchen können. Rund um die Spielstätten wird dann eine Art steuerfreie Zone eingerichtet. Alle Partner der FIFA sind bei ihren Aktivitäten von den lokal fälligen Einkommens- und Umsatzsteuern befreit.

Die Einnahmen

Der dickste Batzen auf der Einnahme-Seite sind die megateuren Fernseh-Rechte, deren Einhaltung akribisch genau kontrolliert wird. 2014 beliefen sich diese Einnahmen auf rund 742 Millionen US-Dollar. Die Vergabe von Marketing-Rechten spülte weitere 465 Millionen in die Kassen. So verzeichnet der aktuelle Geschäftsbericht für das WM-Jahr 2014 Gesamterträge von rund 1,9 Milliarden US-Dollar. Als Netto-Ergebnis blieben rund 141 Millionen US-Dollar übrig. Damit steigen die flüssigen Reserven der Weltfußballer auf mittlerweile 1,52 Milliarden Dollar an.

Der "Erfinder"

Die Zäsur hin zu zur "Geldmaschine" FIFA fand 1974 statt, als Deutschland Gastgeber der WM war. Damals wurde der Brasilianer Joao Havelange zum FIFA-Chef "gewählt". Für die neue Form des Marketing sorgte ein in Deutschland allbekannter Name: Horst Dassler, Sohn des Adidas-Gründers Adolf Dassler und seinerzeit Chef des Sportartikel-Konzerns. Er erkannte das wirtschaftliche Potential des Weltverbandes und akquirierte erste Großsponsoren. Sein Plan: Man wollte Weltfirmen ins Boot holen, die Millionen für einen exklusiven Auftritt zu zahlen bereit sind. Im Gegenzug dominieren sie die Werbebanden, bekommen Freikartenkontingente, können Firmengäste zu Sonderkonditionen einladen und dürfen das WM-Logo exklusiv nutzen. Die aktuellen Partner der FIFA sind der Sportartikelkonzern Adidas, der Getränkeriese Coca-Cola, der russische Energiekonzern Gazprom, der Autobauer Hyundai/Kia aus Korea und die Kreditkartenfirma Visa. Für die WM 2018 in Russland stehen darüber hinaus der Hamburger-Bräter McDonalds und der US-Brauerei-Riese Budweiser als Premuim-Sponsoren fest.

Die Ausgaben

Gemäß dem schweizerischen Vereinsrecht schüttet die FIFA auch viel Geld aus: Für zahlreiche Entwicklungsprojekte summiert sich das im vergangenen Jahr auf 509 Millionen US-Dollar. Die teilnehmenden Mannschaften bei der WM in Brasilien erhielten insgesamt 358 Millionen US-Dollar, Weltmeister Deutschland davon allein 35 Millionen.