1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Südosteuropa

Die fetten Jahre sind vorbei

Fast 900 Milliarden Euro haben deutsche Firmen 2009 im Ausland investiert. Nach Südosteuropa ist davon nicht viel geflossen. In der Krise haben die Märkte an Attraktivität verloren. Leichte Erholung ist aber zu spüren.

50-Euro-Scheine (Foto: picture alliance / dpa)

Hoffnung auf deutsche Investitionen in Südosteuropa

Lange Sandstrände, wunderschöne Landschaften, moderne Skiorte – auch das hat ihn nach Bulgarien gelockt. Doch eigentlich ist er geschäftlich nach Sofia gekommen. Vor zehn Jahren gründete der heute 45-jähriger Deutsche Gabor Takacs dort seine Firma: "Damals gab es eine Aufbruchstimmung im Land", sagt der Unternehmer. "Die Voraussetzungen waren hier günstig. Das Lohnniveau war sehr niedrig, es waren sehr viele gute Fachkräfte am Markt vorhanden." Er importiert Software von Deutschland nach Bulgarien und stellt mittlerweile auch selber IT-Programme her.

Von hier aus beliefert er den türkischen, griechischen und rumänischen Markt. Doch, wo damals die Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung einfacher und die Hoffnung auf Erfolg größer waren, sieht es heute wiederum ganz anders aus. "Der große Boom ist erstmal vorbei, ist abgeebbt. Und insofern ist der Markt auch uninteressanter geworden", sagt Takacs. Ähnlich sehen es auch andere deutsche Investoren.

Bestenfalls "befriedigend" für Südosteuropa

Logo des Deutschen Industrie- und Handelskammertag

Deutsche Investoren skeptisch

Insgesamt ist das Interesse der ausländischen Investoren an Südosteuropa während der Krise gesunken. Ein Stimmungsbarometer für deutsche und heimische Unternehmen in Südosteuropa bietet die jährliche Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Dieses Jahr kriegen die Länder in der Region für 2010 schlechte Noten. So wird etwa die allgemeine Wirtschaftslage in Serbien noch kritischer als im Vorjahr betrachtet. 67 Prozen der Befragten bewerten die Lage als "schlecht" und 30 Prozent als "befriedigend". Raum für Positives bleibt da wenig, nur etwa drei Prozent der Unternehmen schätzen die Lage besser ein. Änhlich ist das Ergebnis im Nachbarland Kroatien.

Die pessimistische Einschätzung erklärt auch den starken Rückgang der Direktinvestitionen während der Krise: In Bulgarien sind die deutschen Direktinvestitionen für 2009 um das Dreifache gefallen im Vergleich zum Boomjahr 2008. Karl Schick von der IHK Ulm sagt, dass die deutschen Unternehmen in Südosteuropa "sehr stark" von der Krise betroffen waren. Trotzdem gilt das Motto "Go East", doch diesmal sind nicht die südosteuropäischen Nachbarn gemeint, sondern China und der asiatische Markt als Ganzes. Aber auch die alten EU-Länder sind für deutsche Unternehmer attraktiv. Auf der Liste der beliebtesten Investitionszielorte belegt Südosteuropa lediglich das Mittelfeld.

Die Hypothek der Region

Karte von Südosteuropa (Grafik: DW)

Länder in Südosteuropa sind noch mit dem demokratischen Wandel beschäftigt

"Insgesamt darf man nicht vergessen, dass die Region klein ist. Der Wirtschaftsbeitrag ist gering und von der Bevölkerungsanzahl her ist es nicht immer attraktiv", sagt Jens Bastian von der Hellenischen Stiftung für Außen- und Europapolitik in Athen. Daher müssten sich Unternehmen nicht auf ein Land wie Montenegro oder Albanien konzentrieren, sondern die ganze Region im Blick haben und sich netzwerkartig ausbreiten, sagt der Experte. Aber nicht nur die Größenordnung der Märkte lässt die Investoren zögern.

Die Länder in Südosteuropa haben noch mit den Überresten der Transformation zu kämpfen: Ineffiziente öffentliche Verwaltung, mangelhaftes Rechtssystem, schlechte Infrastruktur, fehlende Transparenz bei Ausschreibungen und eine niedrige Kaufkraft sind große Hürden, die die Investitionslust ausländischer Unternehmen oft verderben können.

Anzeichen wachsender Zuversicht

Das Licht am Ende des Tunnels ist aber doch zu sehen. Die Krise scheint abgeklungen zu sein, und die deutschen Investoren haben es wohl auch gemerkt. In Bulgarien plant ein Drittel der Befragten mehr zu investieren. Das ergab die diesjährige Konjunkturumfrage der Auslandshandelskammer in Sofia. Gute Aussichten auch für den bulgarischen Arbeitsmarkt, denn circa 40 Prozent der Unternehmen wollen die Anzahl der Mitarbeiter erhöhen. Auch in Kroatien sehen Investoren optimistisch in die Zukunft. Der Anteil der Unternehmen, die 2011 mit steigenden Investitionen rechnen, hat sich zum Vorjahr verdoppelt und liegt bei nun 37 Prozent.

"Wir haben wieder Anfragen von deutschen Unternehmen, die sich in Südosteuropa stärker engagieren wollen. Das betrifft die Automobilzulieferindustrie und zunehmend auch den ganzen Bereich regenerativer Energien. Hier wird es in den nächsten Jahren noch einige interessante Entwicklungen geben", sagt Schick von der Industrie- und Handelskammer Ulm. Interessant könnte für deutsche Unternehmen zum Beispiel die Abfallwirtschaft sein. Bulgarien und Rumänien sollen hier in den nächsten Jahren EU-Standard erreichen. Das Know-how der Deutschen ist dabei besonders gefragt. Auch als Produktionsstandort ist die Region immer noch attraktiv, denn nach wie vor sind die Produktionskosten niedriger als in Deutschland. Erst vor kurzem hat Dunkermotoren, eine Firma aus dem Schwarzwald, in Subotica, Serbien, einen Produktionsstandort eröffnet. Die fertigen Produkte werden dann nach Deutschland reimportiert. Gute Zeichen für Südosteuropa.

Autorin: Rayna Breuer
Redaktion: Zorna Arbutina