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Kultur

Die Fernsehwüste lebt

In Deutschland sind private Fernsehsender am Markt ganz vorn. Die Erfolgsstory von RTL, Sat.1 und Co. begann vor zwanzig Jahren: Anfang 1984 bekamen die öffentlich-rechtlichen Anstalten Konkurrenz via Kabel und Satellit.

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Geburtstag der Schüssel: Das Privatfernsehen wird 20

1984 - die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland schlummern friedlich vor sich hin. Bis das "duale System" sie aufrüttelt: Private und daher kommerzielle Rundfunkprogramme sollen Leben ins Fernseh-Angebot bringen. Der erste Konkurrent ist Leo Kirch, der am 1. Januar 1984 um zehn Uhr vormittags mit seinem Projekt PKS auf Sendung geht, der "Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk". Das Programm nennt er zunächst APF - Aktuell Presse-Fernsehen. Vier Jahre später wird daraus ein heute allseits bekannter Sender namens Sat.1.

Der Anfang für Satellit und Kabel

Die PKS wurde durch das neue Medium Kabelfernsehen erst möglich, später ergänzt durch die damals neuartige Abstrahlung von TV-Programmen über Satelliten, der dann ja auch Sat.1 seinen Namen verdankte.

Aber nicht nur der technische Fortschritt ebnete dem Privatfernsehen den Weg - es war mit der Regierungsübernahme der CDU-/FDP-Koalition auch politisch gewollt, und zwar als Gesinnungs-Gegenpol zu den öffentlich-rechtlichen Sendern. "Wir hatten damals eine sehr linke Szene auch gerade in den öffentlich-rechtlichen Anstalten", sagt der damalige Postminister Christian Schwarz-Schilling. "Wir kriegten es noch einigermaßen hin, im ZDF eine Ausgewogenheit herzustellen. Aber in den vielen Programmen der ARD, Report, Panorama, Monitor und wie sie alle hießen, war eine absolut linke Schlagseite."

RTL und das glückliche Luxemburg

Eine Sorge jedenfalls mussten damals weder Christ- noch Sozialdemokraten haben: dass Kirch und seine PKS ein Monopol bekommen würden. Denn nur einen Tag nach Kirch ging RTLplus mit dem Motto "Happy Luxemburg" an den Start. Bis dahin hatte der Sender aus dem benachbarten Großherzogtum den Deutschen schon Radio aufs Trommelfell getan. Am Nachmittag des zweiten Januar 1984 begrüßte der Moderator Thomas Wilsch erstmals die Fernseh-Zuschauer: "Liebe Gäste, ich heiße Sie herzlich willkommen bei RTLplus, dem deutschen Fernsehprogramm von Radio Luxemburg."

Die Ziele von RTL-Programmchef Helmut Thoma waren schon zu Beginn ehrgeizig: "Wir wollen Erster werden", verkündete er. Damals schien es, als würden die Privaten ohne große Mühe Erfolg ernten. "Es war ja sozusagen die Wüste. Und die Wüste kann man leichter bewässern, als wenn alles schon wunderbar wächst und gedeiht", erklärte Hans Mahr, heute Informationsdirektor von RTL. "Es gab außer den Öffentlich-Rechtlichen - die etwas behäbig waren - nichts, und daher konnte man mit weniger Mitteln auch etwas anpflanzen."

Europa-Rekord bei den freien Programmen

Die frühen Jahre des Privatfernsehens ließen lukrative Gewinne erwarten - und das war ja auch der Zweck, sagt Jürgen Doetz, der damals Geschäftsführer des neuen Senders Sat.1 war: "Privates Fernsehen dient natürlich dem Kommerz; das heißt die, die das betreiben, wollen damit Geld verdienen." Wer wollte bestreiten, dass den Kommerziellen dies gelungen sei - freilich nach einigen Jahren in den roten Zahlen. Dank Privatfernsehen gibt es in der Bundesrepublik mehr frei empfangbare Programme als irgendwo sonst in Europa. Und deren Qualität ist weltweit nicht die schlechteste.

Nur das Bezahlfernsehen ist nach wie vor nicht auf die Beine gekommen - im Gegensatz etwa zu den USA. Das liegt nicht zuletzt an der bereits existierenden Programmvielfalt. Aus der Fernsehwüste Deutschland ist ein überaus lebendiges Biotop geworden.

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