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Nahost

Die Feinde Israels

Der Chef des israelischen Geheimdienstes Schin Bet, Avi Dichter, tritt nur selten in der Öffentlichkeit auf. Umso größer ist dann die Wirkung seiner Aussagen: Er sieht eine große Bedrohung für Israel aus dem Ausland.

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Selten zu hören: Avi Dichter, Chef des israelischen Geheimdienstes

Avi Dichter meldete sich am Dienstag (16.12.2003) anlässlich der Nahost-Sicherheitskonferenz in Herzliya live im israelischen Rundfunk zu Wort – und warnte vor dem "Schurkenstaat" Iran: Die Islamische Republik Iran stelle nach dem Zusammenbruch des Irak für Israel die größte Bedrohung dar.

Teheran kämpfe mit allen Mitteln

"Es ist völlig klar, dass Iran eine strategische Bedrohung für Israel darstellt, und wenn wir die Fähigkeiten in Rechnung stellen, die Iran derzeit entwickelt, dann wird diese Bedrohung noch größer", so Dichter. Außerdem bekämpfe Teheran Israel mit allen Mitteln. Zu solchen Mitteln zählten auch Anschläge gegen israelische und jüdische Einrichtungen im Ausland.

In den palästinensischen Autonomiegebieten habe Iran nicht nur Einfluss auf die Terrororganisation Islamischer Dschihad, sondern inzwischen auch auf die radikal-islamische Hamas-Bewegung und sogar die weltlich eingestellten Tanzim-Milizen. Diese gehören der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat an.

Am gefährlichsten aber sei, so der Geheimdienstchef weiter, dass Iran versuche, die arabischen Staatsbürger Israels als mögliche Kollaborateure des Terrors zu rekrutieren: "Es ist fraglich, ob es einen weiteren Staat gibt, dessen Sicherheitskräfte damit beschäftigt sind, Terror zu verbreiten, so wie Iran das tut. Um Iran davon abzuhalten, Terror nicht nur gegen Israel, sondern gegen die ganze Welt anzuwenden, müssen die USA, Europa und Russland etwas tun."

Arafat hat mit Schuld

Den palästinensischen Präsidenten Arafat macht der Geheimdienstchef für den Terror gegen Israel mitverantwortlich. Arafat könnte die Terrorakte gegen Israel unterbinden, indem er die palästinensischen Sicherheitskräfte vereine. Doch habe er sich entschlossen, den Terrororganisationen freie Hand zu lassen.

Warnung auch vor jüdischen Terrorgruppen

Auch auf jüdischer Seite bestehe Terrorgefahr: Untergrundkämpfer, die vor keinem Verbrechen zurückschreckten, warnte Dichter. Sie seien Fanatiker, die die Existenz Israels bedrohten: "Der jüdische Terror droht für den jüdischen Staat und für das jüdische Volk in der Diaspora eine strategische Bedrohung zu werden. Er droht den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern in eine Auseinandersetzung zwischen 13 Millionen Juden und einer Milliarde Muslimen zu verwandeln."

Scharon will neuen Plan vorlegen

Mit Spannung wird die Rede des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zum Abschluss der Sicherheitskonferenz am Donnerstag (18.12.) erwartet. Scharon hatte letzte Woche einen neuen Plan angekündigt, wie Israel den Konflikt mit den Palästinensern eindämmen wolle. Der Plan sehe einen einseitigen israelischen Rückzug aus einem Teil der besetzten Gebiete bei gleichzeitiger Annexion anderer Teile vor. Dies lehnen die Palästinenser kategorisch ab. Sie bestehen darauf, dass die zukünftigen Grenzen des palästinensischen Staates nur in Verhandlungen festgelegt werden dürfen.

Auch die US-Regierung machte inzwischen deutlich, dass sie jede Regelung ablehnt, die auf einseitigen Schritten beruht. Bundesaußenminister Joschka Fischer hingegen hofft auf Bewegung im Nahostkonflikt. Vor seiner Ankunft in Israel sprach er am Dienstag (16.12.) in Kairo von einem "Augenblick der Hoffnung". Ausdrücklich lobte er die ägyptische Friedensinitiative, die sich um eine Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern bemüht.

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