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Parteien

Die FDP setzt ganz auf ihr Top-Model Christian Lindner

Der Parteivorsitzende ist das prägende Gesicht der Freien Demokraten. In der heißen Phase des Wahlkampfes soll sein Coolness-Faktor den Ausschlag geben. Die Chancen stehen gut.

Philipp Lahm, ließ sich von ihm ablichten. Der Fußballer, der sich gerade von der großen Bühne verabschiedet hat. Auch "Rammstein" gehört zum Kundenkreis des Fotografen Olaf Heine. Die Berliner Rockband mit der Vorliebe für Pyrotechnik. Und jetzt Christian Lindner. Seit 2013 Vorsitzender der Freien Demokraten. Chef einer "außerparlamentarischen Opposition", wie er am Montag in Berlin kokett sagt. Wohl wissend, dass diese bitterste Phase der FDP-Historie am 24. September höchstwahrscheinlich vorbei sein wird.

Auf knapp zehn Prozent wird seine Partei im aktuellen Deutschlandtrend taxiert. Durchaus möglich, dass die Liberalen nach der Bundestagswahl sogar gleich an den Kabinettstisch zurückkehren. Mit einem Mann an der Spitze, der Dreh- und Angelpunkt einer Wahl-Kampagne ist, die Bundesgeschäftsführer Marco Buschmann als "Regelbruch" bezeichnet. Nicht nur wegen seines smarten Chefs, der leibhaftig neben ihm steht. Und der so aussieht, wie auf den Schwarz-Weiß-Fotos hinter ihm: offenes Hemd, dunkler Anzug, Drei-Tage-Bart.

1:0 für den Hauptdarsteller

Lindner, wohin das Auge blickt. Die hochmoderne Multimedia-Wand in einem hippen Kellergeschoss am Brandenburger Tor eignet sich perfekt, um den FDP-Spitzenkandidaten in Szene zu setzen. Die zahlreichen Journalisten sitzen im Halbdunkel auf quadratischen Kunstleder-Würfeln, die Scheinwerfer der Kamerateams leuchten den Raum aus. Im Mittelpunkt immer wieder: Lindner. Der smarte 38-Jährige beantwortet die Frage nach der One-Man-Show mit einer Gegenfrage: "Wie halten es CDU und SPD?" 1:0 für den Chef-Liberalen.

Deutschland | FDP stellt Kampagne zur Bundestagswahl vor (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

"Denken wir neu." Mit diesem Motto will die FDP bei der Bundestagswahl 2017 für Furore sorgen

Natürlich setzen auch die Anderen auf ihre Top-Leute. Angela Merkel ist das konservative Cover-Girl, Martin Schulz der sozialdemokratische Cover-Boy. Und die FDP posiert sich mit ihrem jugendlichen Überflieger, der sich und seine Partei getragen sieht von "Gestaltungsoptimismus".

Das Kleingedruckte ist Teil des Wahl-Programms

Von "Mut zur Veränderung" ist viel die Rede. Nicht "garstig" will die "Partei der Mitte" rüberkommen, aber auch nicht "selbstgefällig". Es ist ein Spagat zwischen Lockerheit und Ernsthaftigkeit. Das Land stehe vor großen Herausforderungen, sagt Generalsekretärin Nicola Beer, die das Kampagnen-Motto "Denken wie neu" erläutert. Ihre Sätze klingen wie Versatzstücke des FDP-Programms für die Bundestagswahl. Und tatsächlich: Es sind Sätze aus diesem Ende April in einer Berliner Event-Location beschlossenen Text.

Deutschland | FDP stellt Kampagne zur Bundestagswahl vor (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

Christian Lindner (links und rechts) will mit seiner Generalsekretärin Nicola Beer (Mitte) auch selbstironisch sein

Ganze Abschnitte daraus sind Teil der Wahl-Plakate mit Lindners Konterfei. Sie muten an wie das Kleingedruckte in Werbebroschüren. Es soll aber mehr als ein grafischer Gag sein. Bundesgeschäftsführer Buschmann nennt es einen "Versuch der Repolitisierung". Und Generalsekretärin Beer möchte mit den Menschen "über Politik ins Gespräch kommen". Fünf Millionen Euro lässt sich die FDP das Ganze kosten. Gut 6000 großflächige Plakate seien bereits von den Parteigliederungen geordert worden, heißt es.

Countdown bis zum Abflug nach Mallorca

Natürlich soll die Kampagne auch in den sozialen Netzwerken auf Hochtouren laufen. Mit Top-Model Lindner an der Spitze. "Die Digitalisierung ändert alles. Wann ändert sich die Politik?" – fragt der Frontmann auf einem der Plakate. Dabei steht er lässig an der Wand und schaut den Betrachter skeptisch-herausfordernd an. Wer die FDP-Seite anklickt, kann der Kampagne kaum entkommen.

Manchmal erscheint dort der Countdown bis zur Bundestagswahl. Am Montag sind es noch 79 Tage bis zum heiß ersehnten Comeback im Bundestag. Vorher will der Chef-Liberale noch eine kurze Urlaubspause auf einer bei Deutschen besonders beliebten Ferieninsel einlegen: "Ich zähle auch die Tage bis zum Ablug nach Mallorca."

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