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Kultur

Die Faszination der Blauen Mauritius

Sie sind über die ganze Welt verstreut und waren noch nie vereint: Die berühmten Mauritius-Briefmarken. Zum ersten Mal werden 18 der kostbaren Exemplare zusammen gezeigt - in einer einzigartigen Ausstellung in Berlin.

Die berühmte Blaue Mauritius (Foto: Museum für Kommunikation)

Die berühmte Blaue Mauritius

"Ist die blaue Farbe nicht fantastisch erhalten?" Mit seligem Lächeln stehen zwei Sammler vor der Vitrine, in der in sanftem Licht eine Blaue Mauritius schimmert. Überraschend klein ist die Briefmarke mit dem fein gearbeiteten Konterfei von Königin Victoria. Für ihr Alter - es sind mehr als 160 Jahre - ist sie in einem exzellenten Zustand. Two Pence - zwei Pence - kostete die Marke seinerzeit, heute ist sie Millionen wert.

Dieses Exemplar gehört der Königin von England, die es großzügig nach Berlin verliehen hat für eine ganz besondere Ausstellung: Noch nie waren so viele der seltenen Mauritius auf einmal zu sehen. 18 der 27 noch erhaltenen Exemplare sind für drei Wochen im Berliner Museum für Kommunikation vereint. "Es ist wie ein Familientreffen!" jubiliert ein Fachmann aus England in der abgedunkelten Schatzkammer des Museums. "Das sind historische Kostbarkeiten aus der Geschichte des Britischen Weltreiches", ergänzt ein Kollege. "Wer diese Briefmarken betrachtet, unternimmt eine faszinierende Reise in die Vergangenheit."

Jede Mauritius ist ein Unikat

Eine Rote Mauritius auf einem Brief von 1847, der die Einladung zu einem Ball enthielt (Foto: Museum für Kommunikation)

Eine Rote Mauritius auf einem Brief von 1847, der die Einladung zu einem Ball enthielt

Die fast schon märchenhafte Geschichte der Marken begann 1847 auf Mauritius, einer kleinen Insel im Indischen Ozean. Die britische Kronkolonie gab damals je 500 blaue und rote Postwertzeichen heraus, die mit einer ungewöhnlichen Aufschrift versehen waren: "Post Office Mauritius". Die rote 1-Penny-Marke war für den Postverkehr auf der Insel selbst bestimmt, die blaue 2-Pence-Marke für Briefe nach Übersee.

Alle späteren Briefmarken trugen die übliche Aufschrift "Post Paid", Porto bezahlt, und sind daher für Sammler weniger interessant. Sie jagen den seltenen "Post Office Mauritius" nach, von denen jede Marke einzeln von Hand gedruckt wurde. Auch das macht ihre Besonderheit aus: Jede Mauritius ist ein klein wenig anders und daher unverwechselbar. Und jede Marke hat ihre eigene Geschichte.

Zwölf blaue und 15 rote Exemplare sind erhalten, weitere Funde nicht ausgeschlossen. Einzelne "Post Office Mauritius" wechseln von Zeit zu Zeit den Besitzer, so dass Kenner der Materie sich wie in einem Krimi fühlen, der immer neue Wendungen nimmt. Nun hoffen die Fachleute, dass die kostbare Original-Druckplatte von 1847 nach der Ausstellung wieder auftaucht. Sie gilt als "das teuerste Stück Kupfer der Welt".

Die Marke mit der größten Aura

Das Berliner Museum für Kommunikation rechnet mit Zehntausenden Besuchern aus aller Welt (Foto: Museum für Kommunikation)

Das Museum für Kommunikation in Berlin rechnet mit Zehntausenden Besuchern aus aller Welt

Dass das "Treffen der Königinnen" ausgerechnet in Berlin stattfindet, ist keine Überraschung. Nirgendwo hat die Blaue Mauritius einen so legendären Ruf wie in Deutschland; an ihrem Mythos haben Filmemacher und Buchautoren mitgesponnen. Bereits 1904 erwarb das damalige Reichspostmuseum eine Blaue Mauritius. Im Ausland sind die Marken - blaue und rote - vor allem in Fachkreisen bekannt.

Unter den in Berlin gezeigten Raritäten sticht eine besonders hervor: Ein Briefumschlag, der mit einer Blauen und einer Roten Mauritius frankiert ist. Wochenlang war der Brief anno 1847 auf einem Segelschiff von Mauritius ins französische Bordeaux unterwegs, es ging um eine Weinbestellung. Der sogenannte Bordeaux-Brief gilt als Kronjuwel der Philatelie. "Ich habe dem privaten Besitzer zehn Millionen Euro dafür geboten", erzählt ein Auktionator, "doch er hat abgelehnt". Kein Wunder also, dass die Berliner Ausstellung mit 50 Millionen Euro versichert ist.

Autorin: Nina Werkhäuser

Redaktion: Peter Stützle/Sabine Damaschke

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