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Kultur

Die fast vergessene Geißel der Ärmsten

Hohe Dunkelziffer und soziale Folgen erschweren Kampf gegen den "Aussatz". Allein eine rechtzeitige Behandlung kann lebenslangen Behinderungen vorbeugen. Der Weltlepratag versucht auf die Krankheit aufmerksam zu machen.

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Lepra-Krankenhaus in Neu Delhi

Im Distrikt Dhanbad, dem "Ruhrgebiet" Indiens, leben noch immer besonders viele Lepra-Kranke. Die Bergwerksbesitzer erlaubten ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 90er Jahre, die beim Transport verloren gegangenen Kohlebrocken aufzusammeln und selbst zu verkaufen. So konnten sich die von der Gesellschaft Ausgestoßenen ihren kargen Lebensunterhalt wenigstens mit eigener Arbeit verdienen. Damals wie heute gilt der Grundsatz: "Lepra schafft Armut - Armut schafft Lepra". Mit dem einzigen Unterschied, dass sich die wirtschaftliche Situation mit dem Niedergang der Kohlewirtschaft verschärft hat. Die Lepra-Kranken als letztes Glied in der Kette müssen sich jetzt in einem regelrechten Kampf der Bettler behaupten.

Lepra ist ein soziales Problem

Das biblische Bild des Aussätzigen, der stigmatisiert, geächtet und ohne jeden sozialen Schutz sein Leben fristet, ist auch über 2000 Jahre später in vielen Entwicklungsländern aktuell, vor allem in Indien, Brasilien, Mocambique und Madagaskar. Trotz der hervorragenden Heilungsmöglichkeiten scheuen in den Ländern der Dritten Welt viele Betroffene den Gang zum Arzt und werden von ihren Angehörigen als Aussätzige im Haus versteckt. Das DAHW versucht daher vor Ort auch Vorurteile abzubauen. Es muss das Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass ein Lepra-Kranker nach einer Medikamentenbehandlung nicht mehr ansteckend ist und resozialisiert werden sollte. Soziale und wirtschaftliche Eingliederung, unter anderem durch Ausbildungsprojekte, ist das große Ziel. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Wer abgelehnt werde, verliere das Gespür für seinen Wert, sagt auch Pater Gerard de Souza im indischen Distrikt Dhanbad. "Wir müssen für die Menschen Möglichkeiten schaffen, dass sie ihr Selbstbewusstsein wieder stärken."

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