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Politik

Die Farbe des Geldes

Die Amerikaner bekommen einen neuen 20 Dollar-Schein. Smarter und schwerer zu fälschen soll er sein, behaupten die Designer. Doch das interessiert die Amerikaner wenig, sie wundern sich über die ungewohnte Farbe.

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Viel geändert hat sich eigentlich nicht. Von der Vorderseite blickt immer noch Andrew Jackson, der siebte Präsident der USA (1829-37). Die Rückseite zeigt wie gewohnt das wichtigste Wohnhaus der Nation, das Weiße Haus. Die Neuerungen liegen im Detail: Ein Sicherheitsfädchen hier, ein Wasserzeichen dort. Doch für amerikanische Verhältnisse revolutionär ist die Farbe. Seit 1861 waren die Dollarnoten wegen ihres einheitlichen schwarz-grün als Greenbacks bekannt. Gerüchten zufolge wurden sie in diesen Farben gedruckt, weil die Notenbank gerade große Mengen an schwarzer und grüner Tinte auf Lager hatte. Die neue Dollarnote wird jetzt schon als Pinkback verspottet, weil sie neben der gewohnten grünen Farbe auch hellblaue und pfirsichtöne enthält.

Grün steht für Wohlstand und Gesundheit

Und da beginnt der nicht ganz ernst gemeinte Streit um den neuen Schein. Liebhaber des alten Greenbacks behaupten, die Ahnen haben diese Farbe bewusst gewählt. Sie seien als Farmer in der Natur aufgewachsen und hätten ihr saftig grünes Getreide mit Wohlstand assoziiert. In der chinesischen Mythologie sei grün ein Zeichen für Gesundheit und ewiges Leben. Attribute die man in den USA offenbar direkt mit Geld in Verbindung bringt. Andere Kritiker sehen in der Banknote gar Parallelen zum Niedergang des Sowjetreiches, schließlich war auch die letzte Serie der 10-Rubel-Scheine pfirsichfarben.

Der falsche Mann für diese Farbe

Traditionalisten werten die neue Farbe als eine Beleidigung für Andrew Jackson, dessen Konterfei den Schein ziert. Jackson war als Raubein bekannt, er hatte eine Schwertnarbe im Gesicht und trug in seinem Körper Kugeln von Duellen mit sich herum. Bei seiner berühmt-berüchtigten Amtseinführung nahmen seine Anhänger das Mobiliar des Weißen Hauses auseinander. Sein Vorgänger John Quincy Adams beschrieb Jackson in seinen Memoiren schlicht als "Barbaren". Und ausgerechnet der muss nun vor pfirsich-rosanem Hintergrund sein Dasein in den Geldbörsen der Amerikaner fristen.

Zu französisch für Amerikaner

Richtige Amerikaner, oder solche die sich dafür halten behaupten die Farbe sei zu süß, zu flatterhaft, zu verletzlich und irgendwie französisch. Das ist wohl offenbar als Beleidigung gedacht. Sie schlagen einen anderen Präsidenten für den Pinkback vor: Thomas Jefferson trug Samtschuhe und tanzte Menuette. Zweifellos würde er besser zur neuen Farbgebung passen, allerdings prangt sein Konterfei schon auf der zwei Dollar-Note und die bekommt ihr neues Design erst in einigen Jahren.