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Musik

Die fabelhafte Welt der Zaz

Früher hat sie ihr Geld als Straßenmusikerin verdient, heute füllt sie große Konzerthallen: Zaz singt ein bisschen wie Edith Piaf, träumt von einer besseren Welt und hat längst auch das deutsche Publikum erobert.

Sie hat in Blues- und Latinrockbands gesungen, ist im Kabarett aufgetreten und hat dem Chanson neues Leben eingehaucht. Mit großem Enthusiasmus und poetischer Begabung bringt Zaz nicht nur ihre Landsleute ins Schwärmen. Trat sie nun bei einem Edith Piaf-Abend in Sibirien auf, bei Gratis-Konzerten in kolumbianischen Salzminen oder auf einer Tour durch Ägypten: Ihre Lebensfreude steckt an und ihre Musik überzeugt.

2009 siegte sie völlig überraschend bei einem Talentwettbewerb im Pariser Olympia. Im Gegensatz zu allen anderen Teilnehmern war Zaz zwar ohne eigenen Fanclub angereist, begeisterte allerdings dennoch das Publikum und zog alle Anwesenden umgehend in ihren Bann. Mit der DW spach sie über ihre Karriere und ihre Träume.

DW: Was hat es mit dem Künstlernamen Zaz auf sich?

Zaz: Ich hatte Lust auf einen Namen, der ein bisschen das Leben eines Künstlers reflektiert. Zaz setzt sich aus dem ersten und dem letzten Buchstaben des Alphabets zusammen; es ist ein Kreis, der sich schließt. Alles hat einen Anfang und ein Ende, und dann beginnt wieder etwas Neues: Genauso empfinde ich das Leben als Sängerin.

Erinnerst du Dich daran, wo der Kreis begann? Wann hast du zum ersten Mal auf der Bühne gestanden?

Zaz auf der Bühne ( EPA/JACEK TURCZYK POLAND OUT)

Zaz Konzerte sind mittlerweile meist ausverkauft

Ja, ich war sieben Jahre alt, und es gab einen Radiowettbewerb in der Bretagne. Da haben Leute von sechs bis achtzig Jahren teilgenommen, und ich hab den zweiten Preis gewonnen Ich hatte ja meiner Familie schon mit vier Jahren eröffnet, dass ich Sängerin werden wollte, allerdings hat mich damals keiner ernst genommen. Ich habe eigentlich immer gesungen, aber eben nur für mich. Mit 15, 16 habe ich dann Gesangsunterricht bekommen, und mit 21 habe ich einen zehnmonatigen Kurs belegt, in dem ich meine Stimme richtig entwickeln konnte und viele unterschiedliche Gesangsstile kennengelernt habe: von afro-kubanisch bis Gospel.

Deine Stimme ist dein Markenzeichen, und sie klingt sehr heiser.

Ja, aber ich trinke nicht und ich rauche auch nicht, sie war schon immer so. Gut, ich rede sehr viel und sehr laut, das strengt an. Vielleicht klingt sie deshalb immer ein bisschen angeschlagen. Immerhin hat mir das einen Job beschert. Ich war eine Zeitlang mit einer Latinrockband unterwegs, aber dann wollte ich nach Paris. Also habe ich auf eine Anzeige im Internet geantwortet, wo jemand eine Sängerin mit rauchiger Stimme suchte. Ich dachte sofort: Der sucht mich. Zwar hatte ich Bedenken, ob ein Perverser dahinter steckt, aber das Ganze entpuppte sich als Arbeit im Kabarett. Anderthalb Jahre bin ich täglich von 23 Uhr bis 5 Uhr nachts aufgetreten. Das war höllisch anstrengend.

Warum bist du aus dem Kabarett ausgeschieden und hast angefangen, dein Geld als Straßenmusikerin zu verdienen?

ZAZ-Album Label: Playon (Sony Music) ASIN: B003OFVIXG

Das erste Album war ein Renner

Na ja, die Arbeit fing an mich zu langweilen, es war immer das Gleiche. Ich verdiente zwar mein Geld da, aber nicht viel. Ich suchte also einen neuen Job, und als ich nichts fand, entschloss ich mich, Straßenmusik zu machen. Natürlich ist das ein hartes Brot, aber es kommt immer auf den Blickwinkel an: Man fühlt sich auch frei. Ich habe mich ja bewusst für die Straße entschieden; ich mochte es, es war eine Herausforderung. Auf der Straße ist alles sehr unmittelbar. Es gibt keine Bühne, kein Mikro, und man muss die Leute doch dazu bringen, stehen zu bleiben und zuzuhören. Es ist eine harte Schule, aber es war auch eine tolle Erfahrung für mich.

Das Lied "je veux" (Ich will) hat dich bekannt gemacht. Darin verschmähst du Juwelen und andere Luxusgüter und suchst stattdessen Liebe, Freude und Spaß. Decken sich diese Wünsche mit der Realität?

Was ich will, ist Erfahrungen sammeln. Für mich gibt es nichts Wertvolleres, als Dinge zu erleben, einzuordnen und zu verstehen Wenn ich singe, dass ich keine Suite im Ritzhotel brauche, ist das symbolisch gemeint. Klar wenn ich die Wahl habe, schlafe ich natürlich lieber in einem 5 Sterne-Hotel als auf der Straße, aber es hat keine Bedeutung für mich. Wichtig im Leben sind die Harmonie mit anderen Leuten, die Leidenschaft, Werte, an die ich glauben kann und eine Arbeit, die mir Spaß macht. Das interessiert mich, nicht Reichtum und Glamour.

Man vergleicht dich oft mit Edith Piaf. Stört dich das oder schmeichelt dir das?

Edith Piaf (eigentlich Edith Giovanna Gassion). (Foto:@dpa)

Zaz wird oft als zweite Edith Piaf angepriesen

Das ist natürlich sehr schmeichelhaft. Sie hat eine sehr atypische und ungewöhnliche Stimme, die man aus Tausenden heraushört. Ich glaube nicht, dass das bei mir so ist, aber der Vergleich freut mich natürlich.

Allerdings singt die Piaf fast immer über ein Abhängigkeitsverhältnis in der Liebe. Ich finde, man muss erstmal lernen, sich selber zu lieben, bevor man andere liebt, und ich halte nichts davon, sich in der Liebe abhängig von einem anderen Menschen zu machen. Meine Themen sind freier, es geht auch um Liebe, aber nicht unbedingt um Liebespaare. Ich kann nur das ausdrücken, was ich erlebt und verstanden habe und was ich für wichtig halte. Ich schöpfe aus meiner Erfahrung, aber ich will den anderen nichts vorschreiben.

Du hast auf dem Montmartre mit Freunden Straßenmusik gemacht, jetzt bucht man dich in großen Konzerthallen. Wie fühlst du dich mit diesem Erfolg, was hat sich in deinem Leben geändert?

Musik war immer mein täglich Brot, jetzt kann ich mir aber Mayonnaise oben drauf schmieren. Jetzt habe ich Geld, um etwas schaffen zu können, um ein weiteres Album rauszubringen, denn das ist teuer. Und überhaupt kann ich machen, worauf ich Lust habe. Ich habe mich verbessert; trotzdem ist das Geld nur Mittel zum Zweck. Schließlich habe ich auch ohne Moneten schon viel auf die Beine gestellt. Trotzdem; es hilft.

Zaz auf der Bühne (Foto: EPA/ADE JOHNSON)

Die Französin liebt es, mit dem Publikum zu schäkern

Ich habe zum Beispiel Pierre Rabhi kennengelernt, einen Humanisten, Schriftsteller, Philosophen und Ökologen. Er ist der Gründer von Colibris, einer Bewegung für die Erde und den Humanismus. Ich werde mit ihm zusammen arbeiten, ich werde versuchen, mit meiner Bekanntheit und meinem Namen zu helfen. Es ist das erste Mal, dass ich mich für Umweltschutz einsetze, und es liegt mir sehr am Herzen. Wenn man mehr Geld hat, kann man auch mehr helfen.

Nicht alle Besucher deiner Konzerte sprechen Französisch. Was ist für dich wichtiger: die Musik oder der Text?

Die Musik ist meine große Liebe und sie ist mein Kommunikationsmittel. Über einen Text muss man nachdenken, Musik ist unmittelbarer; sie berührt einen oder eben nicht. Deswegen singe ich gern im Ausland, wo man mich nicht versteht: Es gibt keine mentalen Grenzen durch den Text, nur die Musik.

Trotzdem erkläre ich schon ein wenig, um was es geht. Ich finde es wichtig, mit dem Publikum zu kommunizieren, aber leider kann ich weder Englisch noch sonst eine Fremdsprache, nur Französisch. Es gibt natürlich immer einen Weg, mit Händen und Füßen zu kommunizieren, und ansonsten hole ich mir jemanden aus dem Publikum zum Übersetzen.

Hast du noch Zeit für ein Privatleben?

Zaz alias Isabelle Geffroy (@NDR)

Sie hat noch viele Pläne

Selten, mein Partner kommt schon mal mit auf Tour, damit wir uns sehen können. Ansonsten verreise ich gern, treffe mich mit Freunden, und jeden Morgen meditiere ich, damit ich für den Tag fit bin. Ich würde auch gern Schlagzeug und Klavier lernen. Ich klettere gern in den Bergen, malen würde mir auch Spaß machen, aber ich hab leider nicht die Zeit, das alles umzusetzen. Jetzt muss ich mir erst mal Zeit für ein neues Album nehmen.

Dein erstes Album war sehr erfolgreich. Viele meinen, es sei schwer, das zu toppen. Wächst da der Druck, dass die zweite CD ebenso gut wird?

Nein, diese Befürchtung haben andere, nicht ich. Bei mir ist es eher umgekehrt. Beim ersten Album hatte ich arge Bedenken: Ich wusste nicht, wie man produziert, mischt, aufnimmt - das war alles Neuland für mich, und ich hatte keinen richtigen Plan. Aber jetzt weiß ich ganz genau, was ich will und was ich nicht will. Ich mache Musik, weil es mir Spaß macht, nicht für die anderen. Ich will etwas schaffen, und wenn das klappt und mir gefällt, dann bin ich zufrieden. Wenn meine Musik und meine Ideen auch beim Publikum ankommen, umso besser.

Das Gespräch führte Suzanne Cords
Redaktion: Matthias Klaus