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Kultur

Die Explosion zieht Kreise

Nach der "Columbia"-Katastrophe ist eine breite Diskussion entbrannt. Hätte der Absturz verhindert werden können? Welche Auswirkungen ergeben sich für den Ausbau der Internationalen Raumstation?

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In Houston fand die zentrale Trauerfeier für die Astronauten statt

Die Ursache für den Absturz der US-amerikanischen Raumfähre "Columbia" scheint gefunden. Direkt nach dem Start des Space Shuttle hat sich demnach ein 18 mal 76 Zentimeter großes Stück der Isolierung vom äußeren Treibstofftank gelöst und ist auf die linke Tragfläche geprallt. Videobilder vom Start zeigen, wie sich 80 Sekunden nach dem Abschuss ein "Klumpen" von der Fähre löste.

Die Ermittlungen konzentrieren sich nun darauf, ob dabei Kacheln des Schildes zerstört wurden, die das Raumschiff vor der großen Hitzeentwicklung beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre schützen sollen. Das beim Start nicht alles glatt gelaufen war, war den NASA-Mitarbeitern also von Anfang an bewusst. Doch nach tagelangen Analysen zogen die Ingenieure die Schlussfolgerung, dass keine Gefährdung bestehe und die Mission problemlos fortgeführt werden könne.

NASA-Chef Sean O'Keefe verteidigte diese Entscheidung jetzt und gab bekannt, dass es einen solchen Schaden schon öfter gegeben habe. Dennoch könne das Unglück dadurch ausgelöst worden sein.

Schon wenige Stunden nach der Katastrophe hatte NASA-Manager Ron Dittemore erklärt, man habe die Situation vielleicht falsch eingeschätzt. Es stellt sich die Frage, was die NASA hätte tun können - und mit welchem Erfolg.

War der Anfang schon das Ende?

Space Shuttle Columbia

Space Shuttle Columbia

Der ehemalige deutsche "Columbia"-Pilot Ulrich Walter kritisierte in einem Interview, die NASA hätte die Besatzung anweisen müssen, das Shuttle von außen zu inspizieren. Andere Experten fragen sich, warum die Internationale Raumstation ISS nicht um eine Schadensanalyse gebeten wurde.

Die Meinungen sind allerdings geteilt, inwieweit eine Rettung überhaupt möglich gewesen wäre. Experten spielen derzeit in der Medienöffentlichkeit verschiedene Szenarien durch und verwerfen sie zumeist gleich wieder. Ein Andocken an die ISS? Die "Columbia" war dafür nicht ausgestattet. Der Übergang hätte in Raumanzügen erfolgen müssen – doch davon waren nur zwei Stück an Bord. Zudem hätte der Treibstoff nicht gereicht, um die ISS zu erreichen. Reparatur von außen? NASA-Mann Dittemore sagte, dass die Mannschaft für eine solche Reparatur nicht ausgebildet war. Ein anderes Space-Shuttle als Rettungsschiff? Die Vorbereitungen auf den Start dauern in der Regel fünf Monate. Ein Schnellstart ist in einer Woche möglich. Theoretisch wäre diese Option also machbar gewesen.

"Es gab nichts, was wir tun konnten", betont dagegen Dittemore. Nur direkt nach dem Start und unmittelbar vor der Landung besteht überhaupt eine Chance, die Crew zu retten. Für eine Bruchlandung stehen Fallschirme zur Verfügung. Doch selbst diese wurden erst nach dem "Challenger"-Unglück 1986 installiert - fünf Jahre nach dem Start des Shuttle-Programms.

"Man muss immer abwägen, und jedes Design hat Risiken", sagte Shuttle-Designer Robert Melton der Zeitung "Dallas Morning News". "Die Astronauten wissen das und sie entscheiden, ob das ein akzeptables Risiko ist".

Den nationalen Alptraum bekämpfen

Unterdessen berichtete die "New York Times", fünf von neun Mitglieder im NASA-Sicherheitsbeirat seien entlassen worden. Sie hatten zuvor massive Kritik an den Sicherheitssystemen der Columbia geäußert. NASA-Chef O'Keefe dementierte, dass die Kritiker gefeuert worden seien, sie hätten vielmehr ihre zehnjährige Tätigkeit normal beendet.

Präsident Bush versucht derweil, die Moral der Nation wieder zu stärken. "Amerikas Reise ins Weltall wird weitergehen", sagte Bush am Montag (3.2.2003) und versprach, den Etat des nationalen Raumfahrtprogramms aufzustocken. Weitere Shuttle-Flüge sind auf unbestimmte Zeit jedoch ausgesetzt. Ursprünglich war der nächste Flug zur ISS für den 1. März geplant.

International Space Station

International Space Station (ISS)

Der weitere Ausbau der internationalen Raumstation ISS ist nach Expertenmeinung vorerst nicht in Gefahr. Der ISS-Programm-Manager der NASA, Jesco von Puttkamer, sagte im Deutschlandradio Berlin, er rechne zwar mit Verzögerungen, der Unfall werde die Raumfahrt aber eher anspornen. Denn es handele sich hierbei um ein "emotionales Erlebnis". Problematischer wäre es allerdings, wenn ein systematischer Fehler vorliege, der auch andere Shuttles betreffen könnte.

Der Direktor für die bemannte Raumfahrt der European Space Agency (ESA), Jörg Feustel-Büchel, gibt sich ebenfalls optimistisch. "Wenn sich die Flüge nicht allzusehr verschieben, sollten wir das auffangen können", sagte er im Gespräch mit tagesschau.de. Schätzungen, wonach das "Columbia"-Unglück die europäische Raumfahrt zurückwerfen und mehrere hundert Millionen Euro kosten könne, bezeichnete er als "Spekulation".

Moskau hilft aus

Unterdessen ist am Dienstag (4.2.2003) eine russische Raumkapsel an die ISS angedockt. Damit sind - zunächst - Befürchtungen ausgeräumt, Nahrung und Treibstoff könnten für die Weltraumbesatzung knapp werden. Trotzdem sind Engpässe nicht auszuschließen. Eine russische "Progress"-Sonde hat eine Ladekapazität von fünf Tonnen, während eine amerikanische Raumfähre bis zu 100 Tonnen Fracht transportieren kann. Selbst wenn der Betrieb aufrecht erhalten werden kann - der weitere Ausbau der ISS ist nun kaum mehr möglich.

Der russische Außenminister Igor Iwanow sagte am Dienstag (4.2.2003) zur Zukunft der Raumstation: "Wir müssen alles tun, um den Zusammenbruch des ISS-Projektes zu verhindern. Es verkörpert die Leistung der gesamten Menschheit." Iwanow will seine Reise zum Weltsicherheitsrat nach New York am Mittwoch (5.2.2003) nutzen, um das Thema mit den Amerikanern zu besprechen.

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  • Datum 10.02.2003
  • Autorin/Autor Kay-Alexander Scholz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3Eee
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