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Aktuell Europa

Die Euro-Drohne kommt

Die Aufklärungsdrohnen der Bundeswehr sind veraltet, die Suche nach einem neuen Modell nahm kuriose Wendungen. Nun setzt Deutschland auf eine waffenfähige Euro-Drohne, gemeinsam mit Frankreich und Italien.

Elementar wichtig bei dem Rüstungsprojekt sei die Stärkung der Souveränität der Europäer, hob Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hervor. "Ziel der Euro-Drohne ist, dass wir europäisch selber entscheiden, was wir aufklären, wo wir die Euro-Drohne einsetzen und wie wir die Euro-Drohne einsetzen", sagte die CDU-Politikerin zur Unterzeichnung der Absichtserklärung in Brüssel: Deutschland wird gemeinsam mit Frankreich und Italien eine unbemannte waffenfähige Aufklärungsdrohne bauen.

Auch die Fähigkeit Europas, diese Spitzentechnologie selbst zu entwickeln, bedeute Unabhängigkeit, so von der Leyen. Das Projekt hatten die Konzerne Airbus, Dassault Aviation aus Frankreich und Alenia Aermacchi aus Italien den beteiligten Regierungen vorgeschlagen. Spanien und Polen haben nach Angaben des französischen Verteidigungsministers Jean-Yves Le Drian bereits signalisiert, dass sie sich später beteiligen könnten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (foto: rtr)

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Und wozu genau?

Wenn alles nach Plan läuft, soll der neue Flieger ab 2025 zur Verfügung stehen. In einer ersten Projektstufe wird bis Ende 2017 mit einer "Definitionsstudie" geklärt, was das Aufklärungsfluggerät genau können soll. Drohnen der sogenannten MALE-Klasse fliegen 5000 bis 15.000 Meter hoch und halten sich 24 Stunden oder sogar länger in der Luft. Die Kosten für die erste Studie werden auf rund 60 Millionen Euro geschätzt, die sich die drei Initiatoren teilen wollen. Inklusive Mehrwertsteuer fallen für Deutschland rund 23 Millionen Euro an.

Derzeit verfügt die Bundeswehr nur über Aufklärungsdrohnen einer älteren Generation. Von der Leyen hatte die geplante Serieneinführung der auf einem US-Modell basierenden Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" im Oktober 2014 wegen großer technischer Probleme ausgeschlossen - unter anderem fehlte dem Modell für die Zulassung im europäischen Luftraum ein Kollisionsschutz.


Zu militärischen und zivilen Zwecken

Trotz der Möglichkeit der Bewaffnung spricht das Bundesverteidigungsministerium nicht von einer "Kampfdrohne", sondern von einer Aufklärungsdrohne, die auch bewaffnet werden kann. Von der Leyens Haus verweist dabei darauf, dass sie nur bewaffnet eingesetzt würde, wenn der Bundestag im Vorfeld im Einzelfall ein entsprechendes Mandat erteilt.

Die Entwicklung einer neuen europäischen Drohne soll nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministeriums auch mit Geld aus zivilen deutschen Fördertöpfen unterstützt werden. Staatssekretärin Brigitte Zypries sagte dem Düsseldorfer "Handelsblatt", es solle ein Einvernehmen zwischen den Ministerien für Wirtschaft, Verteidigung und Verkehr gefunden werden.

"Ich möchte, dass wir gemeinsam Forschungsmittel bereitstellen und uns nicht nur auf die Frage fixieren, ob wir die Drohne militärisch oder zivil nutzen." Drohnen böten viele Einsatzmöglichkeiten, sie seien "das Fluggerät der Zukunft", sagte die für Luft- und Raumfahrt zuständige SPD-Politikerin. So gebe es auch Anwendungen in der Landwirtschaft.

SC/qu (afp, dpa, rtr)