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Politik

Die EU will hoch hinaus

Die Europäische Union zeigt auf ihren höchsten Bergen Flagge und wird von All-Machts-Phantasien beflügelt. Übernimmt demnächst der Mond die EU-Ratspräsidentschaft?

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Bernd Riegert

Wo sind die Grenzen Europas? Am Bosporus, am Ural, am Hindukusch? Die Debatte über die Grenzen in der Breite läuft schon einige Zeit. Jetzt setzt die EU-Kommission ein Zeichen nach oben. Die italienische Bergwacht wird mit Hilfe des italienischen Justiz-Kommissars die höchsten Gipfel Europas in Frankreich, Österreich und Italien besteigen und dort gleichzeitig die EU-Flagge (12 gelbe Sterne auf blauem Grund) in den schmelzenden Schnee rammen. Endlich einmal EU-Gipfel, die diesen Namen wirklich verdienen.

Große Ziele


Doch über den Wipfeln ist keineswegs Ruh'. Den Industrie-Kommissar Günter Verheugen zieht es noch weiter nach oben: Ins Weltall. Nach den Worten von Günter Verheugen muss die EU als eigenständige Macht am Rennen im Weltraum teilnehmen. Vor allem dürfe man sich von aufstrebenden Raumfahrtnationen wie China oder Indien nicht abhängen lassen. Der technologische Vorsprung in der Satelliten- und Raumfahrtechnik betrage vor diesen Staaten nur noch zehn Jahre. "Die können das dann genauso gut, aber nur halb so teuer", unkte Verheugen.

Von den USA und Russland sei man längst ausgestochen worden. Bis 2011 will Verheugen fünf weitere europäische Satelliten in einer Erdumlaufbahn stationieren. Mit den dann 30 EU-Satelliten soll es möglich sein, die ganze Welt lückenlos von oben zu betrachten. Auf Bestellung könnte von jedem Punkt des blauen Planeten von Klima- und Naturkatastrophen ein Bild (in Farbe) geschossen werden, gegen Gebühr natürlich. Dazu sollen die Europäer bis 2014 rund 2,4 Milliarden Euro investieren. Europa müsse sich mehr nach oben orientieren, sonst laufe man "Gefahr, irrelevant im Weltraum zu werden", so Verheugen.

Hartnäckige Gerüchte


Aha, nach oben hat die EU also keine Grenzen! Auch eine europäische Mondlandung will niemand ausschließen, vielleicht zur Vorbreitung eines ergebnisoffenen Beitrittsprozesses? Viele europäische Astronauten waren ja bereits an Bord der Internationalen Raumstation. Das diese Aufenthalte Training für eine geplante Mission der EU zum Mars seien, konnte ein Sprecher der EU-Kommission diese Woche nicht bestätigen. Aber das Gerücht von der Mars-Mission hielt sich hartnäckig.

Und was ist mit anderen Milchstraßen, die man im Rahmen der Nachbarschaftspolitik ansprechen könnte? Oder nach dem Vorbild des Mittelmeer-Dialoges gar einen Andromeda-Prozess mit anderen Galaxien? Dazu braucht man natürlich einen Action-Plan, wie das im EU-Diplomaten-Slang heißt. Eine Weltraumbehörde hat die EU immerhin schon, die ESA. Beste Voraussetzung also für eine interstellare Erweiterungsrunde. Und Alpha Centauri übernimmt 2099 die EU-Präsidentschaft.