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Wirtschaft

Die EU-Wettbewerbskommission greift durch - die größten Fälle

Telekommunikation, Chemie, Bier - die Branchen, in denen die EU-Wettbewerbshüter Kartelle aufdecken, sind vielfältig. Die Strafen für die Markt-Sünder steigen von einem Rekord zum nächsten. Ein Überblick.

Konzernzentrale von ThyssenKrupp

In vielen Konzernzentralen wurden und werden verbotene Preisabsprachen getroffen

Die EU-Kommission hat im Jahr 2006 Kartellbußgelder von insgesamt 1,85 Milliarden Euro kassiert - das war ein Rekord. Im Jahr 2007 werden die Strafgelder für Unternehmen wegen Marktmissbrauchs und Preisabsprachen noch höher ausfallen, schätzt die EU-Wettbewerbskommission. Schon im ersten Halbjahr wurde der Gesamtbetrag von 2006 eingestellt.

Die Chronik der wichtigsten Entscheidungen der EU-Wettbewerbskommission:

Juli 2007

Der spanische Telefonkonzern Telefónica muss nach dem Will der EU-Kommission wegen überhöhter Großhandelspreise ein branchenweit beispielloses EU-Bußgeld von 151,9 Millionen Euro zahlen. Beim Weiterverkauf von schnellen Internetzugängen nahm Telefónica Konkurrenten auf dem Heimatmarkt zu viel Geld ab, entschied die EU-Kommission nach eineinhalbjährigen Ermittlungen. Es war die höchste Strafe, die Brüssel bisher in der Telekombranche verhängte. Telefónica klagte gegen den Beschluss - Entscheidung offen.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte: "In Spanien ist ein Breitbandanschluss etwa um ein Fünftel teurer als im Schnitt der 15 alten EU-Länder. Das schadet Verbrauchern, Unternehmen und der ganzen Wirtschaft - und damit auch Europa." Sie sprach von einem "besonders schwerwiegenden Missbrauch".

April 2007

Bierkästen

Auch in der Bierbranche wurde gemogelt

Wegen unerlaubter Preisabsprachen für Bier in den Niederlanden verhängte die EU-Kommission gegen drei Großbrauer ein Bußgeld von insgesamt 274 Millionen Euro. Die Wettbewerbskommission bestrafte damit den Branchenriesen Heineken, sowie Grolsch und Bavaria. Der belgisch-brasilianische Brauereikonzern InBev ging als Kronzeuge straffrei aus. Auf Heineken als niederländischer Marktführer entfiel mit 219 Millionen Euro die höchste Einzelstrafe. Der Konzern kündigte wie auch Grolsch eine Klage dagegen an.

Kroes sagte, den Managern sei klar gewesen, dass die von 1996 bis 1999 getroffenen Absprachen illegal gewesen seien. Sie hätten deshalb versucht, ihre Spuren zu verwischen. Die Zusammenkünfte seien mit Bezeichnungen wie "Treffen Katharina" oder "Agendasitzung" getarnt worden. Teilgenommen hätten Führungskräfte bis hin zu Vorstandsmitgliedern. Um die Treffen zu verheimlichen, seien sie in wechselnden Hotels und Restaurants abgehalten worden. Dabei hätten die Brauereien Preiserhöhungen abgesprochen und die Preisnachlässe für Gaststätten verabredet. Auch hätten sie ihre Kunden untereinander aufgeteilt, erklärte die Wettbewerbsbehörde. Die Beweise seien eindeutig: So gebe es unter anderem handschriftliche Aufzeichnungen. Die Zeche bezahlt hätten am Ende viele Niederländer, sagte Kroes.

Lesen Sie weiter: Das Aufzugskartell, das Chemie-Kartell und das Acrylglas-Kartell.