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Wirtschaft

Die EU kratzt am Google-Geheimnis

Nach einer Beschwerde bei der EU-Kommission wird Google wohl mehr Links zu Konkurrenz-Angeboten anzeigen. Aber selbst Experten wissen nicht genau, wie Google die Reihenfolge der Suchergebnisse festlegt.

Exhibitors of the Google company work on laptop computers in front of an illuminated sign of the Google logo at the industrial fair Hannover Messe in Hanover, Germany, in this April 17, 2007 file photo. Google Inc.'s stock reached a new high Friday, Sept. 21, 2007, reflecting Wall Street's renewed faith in the Internet search leader as it introduces new ways for advertisers to reach its steadily expanding online audience. (ddp images/AP Photo/Jens Meyer, file) eingestellt von Quast

Google Logo Laptops

Wer in Deutschland etwas im Internet sucht, nennt das "googeln" und nicht etwa "bingen" oder "yahooen". Dieser Sprachgebrauch ist nur ein Ausdruck dafür, wie dominant das Unternehmen Google ist - und wie abgeschlagen andere Suchanbieter sind, etwa der Dienst Bing von Microsoft. Auch europaweit sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Rund 90 Prozent aller Suchanfragen in den EU-Ländern gehen über das Portal von Google. Bing dagegen kommt nicht einmal auf dem heimischen US-Markt zuverlässig über die Zehn-Prozent-Marke.

EU Kommissar Almunia (r.) und Antoine Colombani (l.), Sprecher der EU-Kommission für den Bereich Wettbewerb. (Foto: EU-Kommission)

Der EU-Kommissar für Wettbewerb Joaquin Almunia (rechts) und Sprecher Antoine Colombani

Google nutzt seine Marktmacht aus und bevorzugt bei den angezeigten Suchergebnissen die eigenen Produkte, beispielsweise den Kartendienst "Google Maps" oder das Videoportal YouTube - so sehen es die Konkurrenten. Eine Reihe von Google-Gegnern - darunter Microsoft und auch kleinere Dienste etwa aus dem Bereich der Reisevermittlung oder dem Markt für Apps - haben 2010 eine Klage bei den Kartellwächtern der EU-Kommission eingereicht. Um einer Geldstrafe in einem Kartellverfahren zu entgehen, ist Google nun offenbar zu Zugeständnissen bereit.

200 Kriterien - ein Geheimnis

"Google hat uns eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, diese aber noch nicht öffentlich gemacht", sagt Antoine Colombani, Sprecher des EU-Wettbewerbskommissars. Bekannt ist bislang nur, dass Google künftig mehr Links zu Angeboten der Wettbewerber anzeigen will, außerdem sollen die eigenen Dienste bei den Suchergebnissen deutlicher gekennzeichnet werden. Werden Googles Vorschläge von der Kommission akzeptiert, dann könnten Internetnutzer in den EU-Ländern bald ein anderes Suchergebnis vorfinden als im Rest der Welt - mit mehr Inhalten von Google-Konkurrenten.

Jo Bager, Redateur bei c't, Magazin für Computertechnik (Foto: c't)

Jo Bager vom Magazin für Computertechnik (c't)

An welchen Stellschrauben dafür gedreht wird, darüber hüllt sich Google in Schweigen. Und auch Experten wie Jo Bager vom Computermagazin "c't" können nur auf ein Zusammenspiel von rund 200 Kriterien verweisen, das die Reihenfolge der Resultate bei Google bestimmt. "Der wichtigste Faktor ist: Wenn eine Webseite viele Links von anderen Seiten auf sich zieht, dann wird sie hoch gerankt", erklärt Jo Bager. Außerdem bewerte Google eine Seite auch danach, wie oft der gesuchte Begriff darauf erscheint und wieviele Besucher schon auf der Seite waren. "Darüber hinaus gibt es natürlich eine Menge Spekulation, was das noch alles sein könnte, aber letztlich ist das ein Firmengeheimnis von Google."

Gewissheit gibt es allenfalls darüber, wie die Datengrundlage zustande kommt, die später sortiert wird: Spezielle Programme, so genannte "Crawler", durchforsten ständig das Netz und senden Wörter und Bilder von Internetseiten an zentrale Speicher. Bei einer Internetsuche durchsucht ein Nutzer das Web nicht live, sondern nur diese Speicher, die die Suchmaschine angelegt hat.

Falsche Versprechen - ungemütliche Folgen

Was hinter den Google-Kulissen abläuft, kann die EU-Kommission nicht einsehen. Aber auch wenn die Kommission am Google-Geheimnis nur kratzen kann, so kann sie bei falschen Versprechen doch hart durchgreifen. Ein Kartellverfahren hat für die Unternehmen mitunter harte Folgen: Google-Konkurrent Microsoft ist von den EU-Wettbewerbshütern jüngst zu einer halben Milliarde Euro Bußgeld verdonnert worden. Entgegen seiner Zusagen hatte Microsoft den Käufern neuer PCs und Betriebssysteme nicht die klare Wahl gegeben, unterschiedliche Browser zu verwenden.

Smartphone, auf dem eine Route angezeigt wird (Foto: Robin Powell)

Verdrängen App-Angebote bald Google?

In den kommenden Wochen müsse sich Google mit seinen Änderungsvorschlägen bei einem Markttest beweisen, erklärt Sprecher Antoine Colombani. Wie Google dabei abschneidet, hängt auch von der Bewertung der klagenden Konkurrenten ab. Computer-Experte Jo Bager sieht das kritisch: "Aus meiner Sicht ist es eine ganz schwere Sache, da zu einem fairen Urteil zu kommen."

Folgt man einem Bericht der Zeitung "Die Welt", dann könnte Google aber ohnehin auf dem absteigenden Ast sein und die Klagen der Konkurrenten in absehbarer Zeit gegenstandslos. Die Google-Suchfunktionen hielten mit den gestiegenen Ansprüchen der Internetnutzer nicht Schritt, heißt es da. Nutzer in den USA seien bereits dabei, auf spezialisierte Suchanbieter umzusteigen. Wer etwa nach einer netten Kneipe in einer Stadt suche, der greife auf geeignete Apps zurück.

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