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Wirtschaft

Die EU kämpft endlich gemeinsam gegen Finanzkrise

Die Euro-Staaten und Großbritannien haben sich zum gemeinsamen Handeln in der Finanzkrise entschlossen. Dass die Geschlossenheit nicht zu spät kommt, hofft Bernd Riegert in seinem Kommentar.

Kommentar-Bild

Bernd Riegert (Foto: DW)

Bernd Riegert

Geschockt von den Verlusten an den Börsen der Welt und von Warnungen, dass auch europäische Banken Opfer der möglichen Kernschmelze des Finanzsystems werden könnten, haben sich die wichtigsten EU-Politiker endlich zu einem gemeinsamen Handeln durchgerungen. Sie haben erkannt, dass sie Bankmanagern und Bankkunden wieder Vertrauen einflößen müssen. Und das geht nur mit Geschlossenheit und einer klaren Botschaft. Die 15 EU-Staaten, in denen der Euro als Gemeinschaftswährung gilt, und Großbritannien wollen gleichzeitig die gleichen Maßnahmen anwenden, um den Finanzsektor vor dem Kollaps zu retten, auch wenn jeder Staat die Rechnung für seine Banken selbst begleicht.

Noch vor einer Woche beim ersten Krisengipfel in Paris war diese Einsicht nicht möglich. Jetzt beim zweiten Gipfel wurden die Bedenken hinweggefegt von der Gewalt des Finanzsturms. Eine wertvolle Woche ging verloren. Mit teilweisen Aufkäufen der Banken durch den Staat und durch Garantien für den Kreditverkehr der Banken untereinander wollen die EU-Staaten die Krise meistern. Dieses Rezept hatte Schweden bereits in den Neunzigerjahren in einer lokal begrenzten Finanzkrise erfolgreich getestet. Am Ende hat das Rettungspaket von damals den schwedischen Staat gar nicht viel gekostet, weil die Banken sich erholten. Ob das Rezept auch bei der weltweiten Krise funktioniert, kann angesichts der dramatischen und rasanten Entwicklungen niemand seriös voraussagen.

Auch der Staat kann pleite gehen

Kurzfristig müssen die EU-Staaten ungeheure Milliardensummen mobilisieren. Im schlimmsten Falle, wenn Bürgschaften fällig würden, werden Billionen (!) allein in der EU gezahlt werden müssen. Das ist ohne Beispiel. Solche Entscheidungen mussten EU-Politiker niemals zuvor fällen. Dieses Geld müssen die Staaten sich leihen, wenn sie keine Sondersteuern einführen wollen.

Oder sie drucken neues Geld, was zu einer enormen Inflation, also zur Geldentwertung für jeden einzelnen Sparer führen würde. Wie man es dreht und wendet, wenn der EU-Plan scheitert, zahlen am Ende die europäischen Bürgerinnen und Bürger die Zeche. Angesichts der schwindelerregenden Summen ist die Frage gestattet, ob der Staat nicht doch pleite gehen kann. Er kann. Deutschland war zweimal pleite. Nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur Währungsreformen ermöglichten einen neuen Anfang. Doch das geht heutzutage nicht mehr, da 15 Ländern untrennbar durch den Euro miteinander verbunden sind.

Banger Blick auf die Börsen

Bemerkenswert ist, dass Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel sich innerhalb weniger Tage versöhnt zu haben scheinen und gemeinsam kämpfen. Das zeigt, wie schwer die Bedrohung der europäischen Wirtschaft tatsächlich ist. Jetzt starren alle auf die Börsen. Werden sie die Mühen der Politiker mit Vertrauen belohnen und sich erholen? Am Mittwoch tagt bereits der nächsten Krisengipfel der Europäischen Union. Jetzt bleibt nur Daumen drücken.

Wenn der Sturm sich gelegt hat, muss Europa in der Welt geschlossen darauf dringen, dass es eine einheitliche Regulierung des Finanzsektors gibt. Das hatte in Europa vor allem Großbritannien bislang verhindert. Der britische Premier muss jetzt das größte Hilfspaket schnüren. Wir können unser Geld nicht länger undurchsichtigen Fonds, unfähigen Bankmanagern und gierigen Spekulanten überlassen.