1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Die EU in der Bankenkrise: Einig und jeder für sich

Garantien, Verstaatlichungen, Kredite, Nothelfer - Europas Reaktionen auf die Finanzkrise sind alles andere als einig. Das Ziel mag dasselbe sein, die Wege sind unterschiedlich. Der Versuch eines Überblicks.

default

Es soll wieder nach oben gehen, zeigt die französische Finanzministerin Christine Lagarde wohl an

Augenscheinlicher kann ein Kommunikationsproblem gar nicht vorgeführt werden: Erst auf Initiative ihrer amtierenden Vorsitzenden, der Französin Christine Lagarde, tauschten die Finanzminister der Europäischen Union am Montag (6.10.2008) während ihrer Sitzung in Luxemburg ernsthaft ihre Handy-Nummern aus - für Notfälle, natürlich.

Dabei war der Notfall längst da: "Europe`s Schadenfreude" über die US-amerikanische Bankenkrise, vom führenden Wirtschaftsmagazin "Economist" ausgemacht, war zu diesem Zeitpunkt schon fast in Panik umgeschlagen, nachdem Banken in Belgien, Frankreich, Irland, den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien in die Knie zu gehen drohten. In Island befürchtete man sogar den Staatsbankrott.

Deutschland Finanzminister Peer Steinbrück

Deutliches Nein: Peer Steinbrück

"Wir müssen geeint auftreten", mahnte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia, doch mit dem einigen auftreten wird es vorerst nichts. Ein gemeinsamer Rettungsfonds, mit dem Italien und Frankreich geliebäugelt hatten, kommt weiterhin nicht in Frage. Berlin sagt "Nein". Paris und Rom hätten angesichts wankender Banken und kriselnder Börsen gerne einen gemeinsamen Milliarden-Plan nach US-Vorbild. Die Bundesregierung lehnt dies aber ab, bekräftigte Finanzminister Peer Steinbrück. Die Regierung wolle die Kontrolle über das Geld der Steuerzahler nicht aus der Hand geben.

"Es wird keinen Fall Lehman geben"

Immerhin gab die EU aber ein kollektives Bekenntnis ab: Die Insolvenz großer Banken soll auf jeden Fall vermieden werden. "Wir haben vereinbart, systemrelevante Finanzinstitute zu unterstützen", heißt es in der Erklärung der EU-Finanzminister. "In Europa wird es keinen Fall wie Lehman Brothers geben", sagte Christine Lagarde mit Blick auf den verheerenden Zusammenbruch der US-Bank.

Vergoldete Versager?

Die EU-Finanzminister wollen auch eine Empfehlung gegen überhöhte Gehälter und -abfindungen von Führungskräften verabschieden. "Versagen" von Bankmanagern dürfe nicht vergoldet werden, sagte der niederländische Finanzminister Wouter Bos. Zur Beruhigung verunsicherter Bankkunden in ganz Europa beschlossen die EU-Finanzminister außerdem, künftig für private Spareinlagen in Höhe von 50.000 Euro zu garantieren - aber erst, nachdem einige Mitgliedstaaten vorgeprescht waren.

Für die Stabilität des Bankensystems müssen die 27 EU-Mitglieder aber selbst sorgen. Jeder müsse das Notwendige tun, sei es durch Zufluss von Geld aus den Zentralbanken, durch gezielte Maßnahmen für bestimmte Banken oder durch stärkeren Einlagenschutz, erklärte der französische Ratspräsident Nicolas Sarkozy in Paris.

Aber: "Wenn alle Staaten einzeln eine Lösung zu finden versuchen, wird der Lösungsansatz eines Landes für ein anderes zum Problem", sagte etwa der schwedische Finanzminister Anders Borg. Ist das so? Wer tut was?

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema