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Wirtschaft

Die Ethik der Gier

Korruptionsskandal bei Siemens, überzogene Managergehälter und die KfW-Panne: Wirklich nur die Verfehlungen einzelner, oder sind wir alle mit schuld an der Misere?

Aktienhändler an der Frankfurter Börse

Selbstgefälligkeit und Gier: treiben uns die Banker ins Verderben?

Was ist gute Unternehmensführung? Eine Antwort auf diese Frage gibt der Deutsche Corporate Governance Kodex mit seinen Empfehlungen und Anregungen zur Leitung und Überwachung börsennotierter Unternehmen. Mehr als 97 Prozent aller im Deutschen Aktienindex Dax notierten Firmen halten sich an den 2002 eingeführten Kodex.

Darauf war Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssen-Krupp und Siemens, während seiner Zeit als Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance auch immer besonders stolz. "Der Kodex muss 'best-practice', also der wirkliche Standard sein in Deutschland", findet Cromme.

Die Gier ist nicht das Problem

Gerhard Cromme bei der Siemens Hauptversammlung in München.

Gerhard Cromme macht sich für verantwortungsvolle Unternehmensführung stark

Aber dieser Kodex ist ein freiwilliger Standard, Krisen und Fehlverhalten auch in deutschen Unternehmen konnte er in den letzten Jahren nicht verhindern. Weltweit sieht das nicht besser aus. In vielen europäischen Staaten, in den USA und Kanada gibt es Kodizes, doch angesichts der menschlichen Natur scheinen moralische und ethische Verpflichtungen zum Scheitern verurteilt.

Das gewaltige Ausmaß der aktuellen Finanzmarktkrise, die ja vor allem durch rücksichtsloses Profitstreben verursacht wurde, scheint das zu bestätigen. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, will dieser These allerdings nicht uneingeschränkt folgen.

Michael Hüther

Nimmt auch die Konsumenten in die Pflicht: Michael Hüther

Die Finanzmärkte seien nicht in die Verwerfung geraten, weil es Gier gebe, sagt Hüther, "sondern weil Gier auf eine falsche Anreizstruktur getroffen ist." Diese habe mit einem unwirksamen Haftungsprinzip zu tun. "Wer Risiken verkauft, wer Kreditportfolien umstrukturiert und sie dann verkauft", erklärt Hüther, "ist nicht mehr in der Haftung."

Doch gerade die Haftung des Einzelnen für schuldhaftes Verhalten, so sagt der Wirtschaftswissenschaftler, sei elementar. Nur so könne die Marktwirtschaft mit der Gier und dem menschlichen Eigennutz zurecht kommen. Dem stimmt auch Manfred Weber, der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken zu. Und er geht noch weiter.

Die Manager sind nicht alleine schuld

"Wir müssen zurück zu den Grundsätzen des ehrbaren Kaufmanns, der ja Geld verdienen will, der aber auch ein vernünftiger Kaufmann ist", findet Weber. Nicht nur auf Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein komme es an, sagt Weber, sondern auch auf die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. "Der Volksmund weiß ja schon, dass man besser die Finger von dem lässt, was man nicht kann, weil man sich über kurz oder lang die Finger verbrennt."

Viele Banken, sagt Weber, hätten den Fehler gemacht, Geld in Produkte zu investieren, deren Risiko sie nicht hinreichend hätten überschauen können. Damit hätten sie sich nicht nur sich selbst die Finger verbrannt, sondern auch die ihrer Kunden. Für Michael Hüther sind allerdings auch die Kunden nicht frei von Schuld, denn Unwissenheit schütze vor Strafe nicht, argumentiert Hüther. Die Konsumentensouveränität sei eine wesentliche Steuerungsgröße des marktwirtschaftlichen Systems, erklärt Hüther. "Wir sind da nicht aus der Verantwortung. Wir steuern alle auch irgendwie."

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