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Sprachbar

Die Eselsbrücke zum Wespennest

Lernen, lernen, lernen - der Mensch „malt“ in die Sprache gerne Tierbilder. Das macht sie bunt. Sprache lernen ist ja schwer genug. Oft bleibt nur die Ochsentour, das Büffeln. Zum Glück gibt’s Eselsbrücken...

Tiere werden gegessen, mit der Fliegenklatsche gejagt, ausgestopft und im Zoo gefangen gehalten. Alles von Menschen. Die verwerten sogar noch die Namen der Tiere: häufig als Schimpfworte. Schweine, Esel und Ochsen bevölkern unseren Planeten und haben – Überraschung – alle einen Vogel. Sogar Rabeneltern haben den. Die wissen es nur nicht. Kümmern sich ja nicht um den Kleinen.

Frei wie ein Vogel oder vogelfrei?

Moment, welche Rabeneltern? Menschen, die man so nennt, oder ihre schwarz gefiederten Vorbilder? So viel ist gewiss: Die Tiere sind meist besser als ihr Ruf. Der Mensch stopft das Tier mit seinen Redensarten aus. Seiner Sprache verleiht das Lebendigkeit. Und Zwiespältigkeit.

Zum einen beneidet der Mensch das Tier: „Ah so frei wie ein Vogel möcht’ ich sein“; erklärte aber früher ein Richter einen für „vogelfrei“, gab er ihn damit zum öffentlichen Abschuss frei. Ja, was denn nun? Dieser Mangel an Eindeutigkeit – der Mensch sagt dazu, einer sei „weder Fisch noch Fleisch“.

Backfisch und Bockschuss

Der Backfisch ist ein Fisch, aber nicht etwa ein gebackener Fisch, sondern einer, der noch nicht reif ist zum Gebackenwerden, ein Fisch den man zurück-, englisch „back“, wirft, weil er noch zu klein ist.

Kleine Fische zu fangen, ist also kein großer Verdienst. Kriminalistisch gesehen ist es sogar ein Fehler. Denn das heißt in der Regel, dass die großen Fische, also die wirklich schweren Verbrecher, entkommen sind. Wer für so einen Fehler verantwortlich ist, hat einen Bock geschossen. Denn Bock hat in diesem Fall nichts mit dem Ziegenbock zu tun, sondern ist ein sehr altes Wort für „Fehler“.

Sinnvoller Umweg: die Eselsbrücke

Wer einen Bock geschossen und sich dadurch in eine missliche Lage gebracht hat, wird mitunter klagen: „Jetzt haben wir den Salat.“ Der gehört allerdings auf der Suche nach tierischen Redensarten überhaupt nicht hier hin. Lassen wir den kleinen Umweg über das Salatfeld hinter uns.

Umwege können sehr sinnvoll sein: Lasttiere, insbesondere Esel, weigerten sich gerne, auch schmalste Wasserläufe zu durchwaten. Daher baute man oft kleine Brücken. Die Eselsbrücke - eine wichtige Hilfe.

Vorsicht vor dem wichtigen Tier! Wo? Hier!

Wichtig ist ja so manches. Doch was es auch sei, das Tier weist darauf hin. DA liegt der Hase im Pfeffer, und DORT liegt der Hund begraben. Dann weiß jeder Bescheid, worauf es ankommt – auch der eingefleischteste Vegetarier. Obwohl der BegräbnisORT des Hundes von großer Bedeutung ist, interessiert sich kein Mensch für die Ursache seines Todes.

Das ist bei den Schäfchen ganz anders. Damit sie sich keine schwere Krankheit holten, wenn sie zu lange im Regen am Sumpf standen, war es wichtig, sie rechtzeitig ins Trockene zu bringen. Schließlich zog es ja draußen wie Hechtsuppe, was die zarten Schäfchen auch damals schon nicht gut vertrugen. „Hechtsuppe“ kommt übrigens aus dem Jiddischen: "hech supha" heißt so viel wie "Sturmwind". Das hat nichts mit dem jagenden Fisch zu tun, der sich gütlich tut ohne Maß und Ziel, wie, ja eben, wie der Hecht im Karpfenteich.

Eine Lüge: Krokodilstränen

Jagdtiere sind einfallsreich. Das Krokodil, so eine Legende, verstehe sich zum Beispiel darauf, das Weinen eines Kindes nachzuäffen, also nachzuahmen. Wer weint, ohne dass er es ehrlich meint, dessen Trauer traut man nicht. Denn er vergießt Krokodilstränen.

Als könnten Krokodile lügen! Lügen stehen nicht in Krokodilsaugen. Sie finden sich allenfalls in den Zeitungen, die bekanntlich von Menschen gemacht werden. Dass man solche Zeitungslügen wiederum Enten nennt, weil die Enten keine sehr verlässlichen Brüter sein sollen, ist wahrscheinlich selbst eine Ente, Entschuldigung, ein Gerücht. Davon gibt es so viele Fälle, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Verbrecher wurden zur Richtstätte geschleift, auf einer Kuhhaut. Dem armen Viech zog man das Fell über die Ohren. Und hat es etwas verbrochen?

Üble Nachrede

Auch der Katze, um die jetzt auch noch aus dem Sack zu lassen, auch der Katze tut man Unrecht. Der Katzenjammer heißt ursprünglich Kotzenjammer, was der Sache ja auch näher kommt. Und der arme Elefant: Du hast eine Elefantenhaut, sagt man denen, die man für robust hält. Der Elefant ist aber äußerst dünnhäutig.

Warum sagen wir den Tieren das alles nach? Weil sie uns lassen. Und weil wir es wollen. Wir sind ja die "Krone der Schöpfung". Ganz oben. Ja, der Fisch stinkt vom Kopf her. Wer auf dem hohen Ross sitzt, sollte man dem nicht mal die Hammelbeine lang ziehen...? Was für ein schiefes Bild.

Ein ergreifender Griff

Seltener sind treffende Bilder. Wie das vom Wespennest, in das man hineingreift. Der Greifende und der Ergriffene sind bei Mensch und bei Tier gleichermaßen überrascht. Schön, dass es doch so etwas wie Harmonie gibt zwischen Mensch und Tier. So, jetzt aber an die Arbeit: Tiere essen, mit der Fliegenklatsche jagen, ausstopfen und in den Zoo bringen. Oder?

Stefan Reusch

Fragen zum Text

Vervollständigen Sie: Das geht auf keine…

1. …Elefantenhaut

2. …Kuhhaut

3. …grüne Wiese

Was macht der Hase im Pfeffer?

1. Er schmort vor sich hin

2. Er liegt dort begraben

3. Er wohnt dort

Welche Redensart hat nichts mit Tieren zu tun?

1. Er bringt sein Schäfchen ins Trockene.

2. Jetzt haben wir den Salat!

3. Sie hat in ein Wespennest gegriffen.

Arbeitsauftrag

Setzen Sie sich mit Ihrer Lerngruppe in einen Kreis. Jeder von Ihnen schreibt nun einen beliebigen Tiernamen auf ein Stück Papier und befestigt dieses einem beliebigen Mitschüler an der Stirn. Nun muss jeder erraten, welches Tier auf seiner Stirn genannt ist. Dazu dürfen nur Fragen gestellt werden, die von den anderen mit "ja" oder "nein" beantwortet werden können. Jeder darf so lange fragen, bis die erste Antwort "nein" lautet; dann ist der/die Nächste an der Reihe. Das Spiel dauert so lange, bis die letzte Person ihren Namen erraten hat. Viel Spaß

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