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Meilensteine

Die ersten Aussiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten treffen im Januar 1971 in der Bundesrepublik ein - Interviews in Friedland

"Wir haben acht Jahre auf die Ausreise gewartet" - deutschstämmige Aussiedler aus Polen schildern ihre Erlebnisse

Das Grenzdurchgangslager Friedland südlich von Göttingen

Das Grenzdurchgangslager Friedland südlich von Göttingen

Am 19. November 1970 erging eine an die vier Siegermächte gerichtete Note der Bundesregierung, die mit folgenden Worten - hier an England und Irland – begann (zitiert nach: documentArchiv.de): „Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland beehrt sich, der Regierung des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland den anliegenden Wortlaut eines Vertrages über die Grundlagen der Normalisierung ihrer gegenseitigen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen zur Kenntnis zu bringen, der am 18. November in Warschau paraphiert worden ist.“

Zahlreiche Vereinbarungen zwischen BRD und Polen

Diese Normalisierung der bilateralen Beziehungen umfasste zahlreiche Rahmenvereinbarungen, die zwischen den Regierungen der BRD und Polen getroffen wurden. Eine dieser Vereinbarungen betraf die Frage der Aussiedlung von deutschstämmigen Einwohnern Polens im Rahmen der Familienzusammenführung. Denn es kamen zwar zwischen den Jahren 1955-1959 etwa 250 000 deutsche Umsiedler aus Polen nach Deutschland, doch nach Schätzungen des Deutschen Roten Kreuzes befanden sich noch auf dem Gebiet der Volksrepublik Polen etwa eine Million Menschen deutscher Abstammung. Rund 270 000 von ihnen haben den Wunsch nach einer Übersiedlung in die BRD deklariert.

Eine „bittere Pille“ für die Machthaber Polens

Das Grenzdurchgangslager Friedland wurde am 20.September 1945 auf Anordnung der britischen Besatzungsmacht als erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer eingerichtet

Das Grenzdurchgangslager Friedland wurde am 20.September 1945 auf Anordnung der britischen Besatzungsmacht als erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer eingerichtet

Dies stellte wiederum die polnische Regierung vor ein Dilemma: das Gros der Ausreisewilligen stammte aus den schlesischen Industriegebieten und man befürchtete in Warschau eine massive Abwanderung der Arbeitskräfte. Dennoch: die Aussicht auf verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik und nicht zuletzt auf eine großzügigere Haltung bei der Vergabe von Krediten, die die marode Wirtschaft Polens sehr nötig hatte, versüßte den polnischen Kommunisten diese „bittere Pille“. Und dieses Dilemma zeichnete sich schon seit längerer Zeit ab. Denn immer wieder beantragten die potenziellen Umsiedler bei den polnischen Behörden eine Ausreisegenehmigung, doch die gängige Praxis war: Antragsstellung – Ablehnung, Antragsstellung – Ablehnung …. Hinzu kamen nicht selten Repressalien z.B. am Arbeitsplatz. Jetzt, seit dem Warschauer Vertrag, sollte sich einiges ändern, wenn auch in zahlreichen Fällen nicht unbedingt nur zum Positiven. Denn die Ausreiseanträge wurden auf einmal genehmigt, doch die polnischen Machthaber hatten eine weitere Überraschung in der Sakkotasche: die Ausreise in die BRD musste innerhalb kurzer Zeit stattfinden. Für den Abschied von der alten Heimat und von Freunden blieb wenig Zeit.

DW-Reporter Giselher Schaar hörte sich am 24. Januar 1971 im Grenzdurchgangslager Friedland bei den aus Polen angekommenen Aussiedlern um.

Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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