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Deutschland

Die Erinnerung an den Holocaust muss wach gehalten werden

Der Holocaust-Gedenktag mahnt auch mehr als sechs Jahrzehnte nach Kriegsende an die Verpflichtung, die Erinnerung an den Nazi-Massenmord an den Juden wachzuhalten, kommentiert Cornelia Rabitz.

Themenbild Kommentar

Rund eine Million Besucher aus aller Welt kommen jedes Jahr in die Gedenkstätte Auschwitz, um des Völkermords an den Juden zu gedenken. Eine beträchtliche Zahl von Menschen, die sich auf dem Museumsgelände immer noch einen Eindruck vom Leben und Sterben in diesem einstigen Vorhof der Hölle machen und aus der Geschichte lernen wollen.

Erinnerung wird immer schwieriger

Vor kurzem haben die Verantwortlichen vor Ort Alarm geschlagen: Die Gebäude drohen zu verfallen, viel Geld wird für eine Restaurierung benötigt. Deutschland hat rasch reagiert und angekündigt, sich finanziell zu beteiligen. Es hat gut daran getan. Auch mehr als sechs Jahrzehnte nach Kriegsende bleibt es eine Verpflichtung für Staat und Gesellschaft, historische Verantwortung zu übernehmen und die Erinnerung wach zu halten.

Auch wenn dies immer schwieriger wird, je weiter die Ereignisse zurückliegen und je mehr Zeitzeugen sterben. Geschichtsbücher, Museen, Fernsehdokumentationen oder Kinofilme müssen das persönliche Gespräch ersetzen. Nicht nur die zeitliche, auch die emotionale Nähe zum Thema nimmt kontinuierlich ab.

Erschreckender Antisemitismus

Aus der Geschichte lernen heißt aber auch, auf das Heute zu blicken, sich zu wappnen gegen Diskriminierung, Rassismus, Fremdenhass und - selbstverständlich - den Antisemitismus. Es ist freilich bedrückend zu erleben, dass vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern die Hemmschwellen sinken, Menschen jüdischer Herkunft zur Zielscheibe hasserfüllter Briefe oder E-Mails werden. Auch und gerade in Deutschland.

Erschreckend ist, dass sich antisemitische Stereotype hartnäckig halten, wie Umfragen immer wieder beweisen. Dass Neonazis zu lautstarken Aufmärschen trommeln, Propaganda und Geschichtsklitterung ein Echo in Teilen unserer Gesellschaft finden.

Eine Aufgabe für Europa?

Dennoch: Auch am diesjährigen Holocaust-Gedenktag gibt es wieder eine Vielzahl von Veranstaltungen, Lesungen, Konzerten – Gelegenheiten also, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Erinnerung wach halten könnte auch noch viel stärker zu einer europäischen Aufgabe werden.

Im zusammenwachsenden Europa wäre es an der Zeit, sich über einen gemeinsamen Erinnerungsdiskurs zu verständigen. Es ist noch nicht überall selbstverständlich, sich den Schattenseiten der eigenen Geschichte zu stellen. Deutschland, das einen langen und mühseligen Weg der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen und Schuld hinter sich hat, könnte hier durchaus beispielgebend sein.