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Kultur

Die Erben von Napster

Die Tauschbörse Napster ist tot, doch die Trauer der Nutzer hält sich in Grenzen. Denn längst gibt es neue Wege um Musik und andere Dateien im Internet auszutauschen.

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Von Internet-Nutzern kaum noch vermisst: die Tauschbörse Napster

Auch nach dem Ende von Napster, erzwungen von der amerikanischen Musikindustrie, ist der Konflikt zwischen Urheberschutz und ungehindertem Datenaustausch noch lange nicht entschieden. Die zeitweise 80 Millionen Napster-Nutzer haben neue Wege gefunden, um Musikdateien oder anderes Files zu tauschen. Die jetzt häufig genutzten Tauschbörsen wie Gnutella, Kazaa oder Morpheus kommen im Unterschied zu Napster ohne jede zentrale Instanz aus und bieten kaum juristische Angriffsflächen. Nach dem Sieg gegen Napster erwägt der Verband der Musikindustrie (RIAA) daher, mit Hacker-Methoden gegen die neuen Tauschbörsen vorzugehen.

Mail-Flut als Abwehrmaßnahme

Im US-Kongress hat der Abgeordnete Howard Berman eine Gesetzesvorlage vorbereitet, die ein solches Vorgehen für rechtmäßig erklärt. Dabei sollen Peer-to-Peer-Netze (P2P) wie Gnutella mit einer Flut von Anfragen nach urheberrechtlich geschützten Dateien überschwemmt und lahm gelegt werden. Einen Tag nach diesem Vorstoß schalteten Hacker die Web-Site der RIAA mit einem gezielten Denial-of-Service-Angriff aus - im Kräftemessen zwischen Industrie und der Peer-to-Peer-Szene scheint damit ein "Cyber War" möglich.

Einen anderen Weg hat das Freenet-Projekt um den Open-Source-Informatiker Ian Clarke eingeschlagen. Hier werden sämtliche Daten der an das Tauschnetz angeschlossenen Computer verschlüsselt, bis hin zur IP-Adresse für die eindeutige Identifizierung der Internet-Rechner. Die Freenet-Teilnehmer stellen nicht nur Bandbreite für die Übertragung der Daten zur Verfügung, sondern auch Speicherplatz: Bei der Installation wird eine Datei von standardmäßig 200 MB als "data store" eingerichtet - hier werden in das Freenet hochgeladene Dateien in verschlüsselter Form gespeichert und für den Download bereit gehalten.

Projekt Freenet

Freenet kombiniert die Peer-to-Peer-Technik mit der Idee der Newsgroups - jeder Teilnehmer kann ein eigenes Forum gründen, Beiträge veröffentlichen und Dateien zur Verfügung stellen. Die eigentliche Freenet-Software - zurzeit bei der Version 0.4 angelangt, ermöglicht lediglich die verschlüsselte Verbindung mit den anderen ans Freenet angeschlossenen Computern. Nach Angaben Clarkes wird die Software für den Freenet-Zugang täglich rund 3000 Mal heruntergeladen. Sobald das Java-Programm gestartet wird, erscheint ein roter Hase in der Systemleiste - jetzt ist der eigene Computer ein "Node" (Netzknoten) im Freenet und stellt Leitungskapazitäten dafür bereit. Aber erst mit zusätzlichen Freenet-Anwendungen wie Frost - ebenfalls ein Java-Programm - können die Freenet-Boards auch genutzt werden.

Ähnlich wie einst bei Napster kann jetzt nach Dateien gesucht werden, in dem ein Teil des Dateinamens eingegeben wird. Die Auswahl ist noch relativ klein - je nach Tageszeit, Zahl der gerade angeschlossenen Freenet-Nutzer und Dauer der Verbindung liegt die Zahl der in der vergangenen Woche hochgeladenen Dateien bei 6000 bis 10.000 - darunter urheberrechtlich geschützte Musik bekannter Gruppen und jpg-Files. Unter einem Haufen offenbar unvermeidlicher Schmuddelbilder hat ein Anonymus auch Aufnahmen bildender Kunst hochgeladen wie die Verkündung Mariäs von Fra Angelico. Allerdings finden sich nur wenige Texte, obwohl es doch gerade zur Philosophie von Freenet gehört, zur Förderung von Meinungsfreiheit und Demokratie beizutragen.