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Europa

Die Entdeckung der Langsamkeit

Wer es schnelllebig mag, ist im portugiesischen Tavira falsch. Hier läuft das Leben in aller Ruhe ab. Die Stadt hat ihr niedriges Tempo sogar zum Markenzeichen erhoben und ist eine "Cittaslow" - eine langsame Stadt.

Blick übers Wasser auf die portugiesische Stadt Tavira(Foto: Jochen Faget)

Langsam - und stolz darauf: die portugiesische Stadt Tavira

Jeden Morgen - und das schon seit vielen, vielen Jahren - sitzt der Rentner Júlio Correia im Café Arcada und schlürft seinen Milchkaffee. "Ich lese jeden Tag meine Zeitung, dann kümmere ich mich um meine Hühner und meine Kaninchen", sagt er. "Ach ja, angeln geh ich auch noch."

Die 15.000-Einwohner-Stadt Tavira in der Ostalgarve hatte schon immer ihren eigenen Rhythmus, war schon immer etwas langsamer. Der Massentourismus ging an ihr vorbei - doch damit auch die unmässige Bauwut, die die Westalgarve zerstört hat. Jetzt will die Stadt genau daraus Kapital schlagen, hat von der in Italien gestarteten Initiative "Cittaslow" das offizielle Prädikat "Langsame Stadt" erhalten. Bürgermeister Macário Correia ist sich der damit verbundenen Verantwortung bewusst: "Dieses Markenzeichen verpflichtet uns, eine noch bürgerfreundlichere Kommunalpolitik zu betreiben, ein Beispiel für andere zu sein."

Keine Hektik

Denn eine "Cittaslow" muss besonders Fußgänger und Umwelt freundlich sein, alte Traditionen pflegen, eben ihre Eigenheit bewahren. Sie will keine Pauschaltouristen, sondern Individualreisende anlocken. Um so besser, dass Tavira all diese Bedingungen sowieso schon erfüllt.

Die Kirchturmuhr schlägt elf. Gemächlich strömt der Gilão-Fluss unter der alten römischen Brücke seiner Mündung entgegen, im Stadtpark sitzen Frauen und unterhalten sich. Blumentöpfe schmücken die kleinen Balkone der weißen Häuser. Die engen Gassen, die zur alten Burg führen, sind autofrei und kopfsteingepflastert. Von der Hektik keine Spur.

Königin der Salzprodukte

Tradition werde groß geschrieben in Tavira, versichert Rui Simeão. Darum betreibt er nach wie vor die "salinas", die Salzgärten hinter dem Hafen, die er von seinem Großvater geerbt hat. Bei Flut fließt das Meerwasser in die großen Teich ähnlichen Becken und verdunstet. Dabei entsteht nicht nur normales Meersalz, sondern auch "flor de sal", die Salzblume.

"Die Salzblume ist die Königin der Salzprodukte", erklärt Rui Simeão. Flor de Sal wird von der Wasseroberfläche per Hand abgeschöpft, kostet zehn bis 15 mal mehr, als normales Salz. Sie bildet sich nur unter besonderen Wetterbedingungen und ist, so scherzt Rui Simeão, auch ein langsames Produkt: "Es muss sehr heiß sein und die Luftfeuchtigkeit sehr niedrig. Wenn dann eine leichte Brise über die Salzgärten weht, entsteht die Salzblume von ganz allein", sagt er und lacht. "Eigentlich bin ich faul: Ich lasse die Natur für mich arbeiten."

Fisch - richtig gegrillt

Irgendwie tut das auch Luis Bagarrão im Fischrestaurant "Grelha Peixe" am Cabanas-Strand von Tavira. Die Fischerboote liegen im Hafen, über den Spaziergängern drehen Möven langsam ihre Runden. Kilometerlang fällt der feine Sandstrand hier sanft in den Atlantik ab - Natur pur und endlos. Eine stattliche Seezunge liegt auf den Holzkohlegrill, natürlich mit Salzblumen aus Tavira gewürzt, weil sie so am besten schmeckt. Unnötig zu sagen: Wie überall in Tavira ist slow auch im "Grelha Peixe" oberste Regel.

"Der Fisch muss frisch sein und die Glut darf nicht zu heiß sein", erklärt Luis Bagarrão. "Geduld ist wichtig, der Fisch muss durchgegart sein, darf auch an den Gräten keine Blutreste haben. Aber die Haut darf trotzdem nicht verbrennen." Bleibt nur noch, den Fisch so zu verspeisen, wie Tavira schon immer lebt: langsam und mit viel Genuss.

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