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Fußball

Die Elf von Jochim Löw wird Vize-Europameister

2008 war für die Nationalmannschaft ein erfolgreiches Jahr. Das Team wird erst im EM-Finale von Spanien gestoppt. Und in der WM-Qualifikation liegt die DFB-Elf voll auf Kurs. Für Wirbel sorgten aber Ballack und Kuranyi.

Die deutsche Nationalelf vor dem EM-Finale

Die deutsche Nationalelf

Spaniens Spieler halten EM-Trophäe hoch

Spanischer Jubel nach dem Gewinn des EM-Pokals

Es war der 29. Juni 2008: Im Wiener Ernst-Happel-Stadion herrschte Fiesta-Stimmung. Spanien durfte sich als Europameister feiern lassen, hatte man doch im Finale Deutschland verdient mit 1:0 geschlagen. Während die Spanier während der dreiwöchigen EM vor allem mit Angriffsfußball glänzen konnten, waren die Leistungen der DFB-Auswahl eher durchwachsen. So folgte nach dem umjubelten 2:0 zum Auftakt gegen Polen ebenfalls in Klagenfurt die Ernüchterung: Kroatien schlug das deutsche Team mit 2:1. Die Entscheidung über den Einzug ins Viertelfinale musste nun in der Partie gegen Gastgeber Österreich fallen. Die einheimischen Fans hofften auf einen ähnlichen Erfolg wie bei der WM 1978 in Argentinien. Tor Ballack oder D-Österreich "Das wir ein zweites Cordoba, 3:2 wie in Cordoba. Wir haben lange darauf gewartet, aber heute liegt etwas in der Luft." Und tatsächlich, lange Zeit musste das deutsche Team in Wien gegen den rivalisierenden Nachbarn um das Weiterkommen bangen, dann jedoch nahm Kapitän Michael Ballack Maß und erzielte mit einem Freistoß oben rechts in den Winkel das entscheidende 1:0. "Das war natürlich ein Superfreistoß, den habe ich super erwischt. Das war ein ganz wichtiges Tor für uns."

Mit neuer Taktik zum Erfolg

Klose trifft zum 2:0 gegen Portugal

Klose köpft zum 2:0 gegen Portugal ein

Dank Ballack stand Deutschland als Gruppen-Zweiter erstmals seit 1996 wieder in einem EM-Viertelfinale. Dort lief die Elf von Bundestrainer Joachim Löw mit einer veränderten Taktik auf, im 4-2-3-1-System und besiegte Portugal mit 3:2. Überragender Spieler in Basel war Bastian Schweinsteiger: "Sensationell, wir haben in meinen Augen die beste Mannschaft aus dem Turnier gekickt." Im EM-Halbfinale lauerten nun die "Last-Minute-Türken." Den Spielern vom Bosporus war gleich dreimal das Kunststück gelungen, ein verloren geglaubtes Spiel noch zu drehen. In der Partie gegen Deutschland in Basel mussten die Türken aber zahlreiche Ausfälle verkraften und galten daher als Außenseiter. Lukas Podolski wollte davon nichts wissen: "Wir gehen in das Spiel, um es zu gewinnen. Wer da jetzt Favorit ist oder wer da geschwächt oder gesperrt ist, das ist alles egal." Und wieder bestätigten die Türken ihren Kampfeswillen. Kurz vor dem Ende kamen sie zum 2:2-Ausgleich. Doch davon ließ sich diesmal die deutsche Mannschaft nicht beeindrucken. Philipp Lahm erzielte das 3:2 und freute sich über seinen Treffer in der Nachspielzeit. "Wenn man ins Finale einzieht, ist das immer etwas Schönes. Obwohl wie kein gutes, sondern nur ein ordentliches Spiel gemacht haben."

Fernando Torres' Siegtor

Torres trifft zum 1:0 gegen Deutschland.

Torres erzielt das Siegtor gegen Deutschland

Für eher attraktiven Fußball hatten die Viertelfinalgegner aus den Niederlanden und Russland geworben. Das russische Team gewann hier in einer Fußball-Gala mit 3:1 nach Verlängerung. Im Halbfinale jedoch scheiterte die Mannschaft des niederländischen Trainer Guus Hiddink klar mit 0:3 an Spanien. Und folglich standen die spielstarken Spanier im EM-Finale von Wien. Hier konnte der deutsche Endspiel-Gegner nur in der Anfangsphase mithalten. Die Entscheidung im Ernst-Happel-Stadion fiel in der 33. Minute, als Fernando Torres einen Steilpass aufnahm, Philipp Lahm überlief und den Ball über den herauseilenden Jens Lehmann ins Tor heben konnte Lehmann verhinderte in seiner letzten Partie als Nationaltorhüter noch eine höhere Niederlage für das DFB-Team. Und Abwehrspieler Christoph Metzelder stellte fest: "Das Tor hat uns das Genick gebrochen. Wir haben auch keine Chancen kreieren können, um die Spanier ernsthaft in Bedrängnis zu bringen."

Erster Titel für Spanien seit 44 Jahren

Bundeskanzlerin Merkel tröstet Michael Ballack

Bundeskanzlerin Merkel tröstet den titellosen Ballack

Die Spanier kamen mit dem 1:0 zum zweiten EM-Titel nach 1964 und zum ersten großen Titel überhaupt seit 44 Jahren. Und Trainer Luis Aragones sicherte sich einen Eintrag in den Geschichtsbüchern. Mit fast 70 ist er der älteste Trainer, der je eine Mannschaft zur Europameisterschaft führte. Zu Partie gegen Deutschland meinte Aragones, der Sieg habe nichts mit modernen oder veralteten Fußball zu tun, "sondern nur mit gutem oder schlechtem Fußball." Für das deutsche Team blieb der erhoffte Gipfelsturm bei der "Bergtour 2008" somit aus und Mannschaftskapitän Michael Ballack blieb einmal mehr ohne Titel. Er zog dennoch ein zufriedenstellendes Resumé: "Wenn man das Niveau der Mannschaft betrachtet, dann hat sie sich sehr gut verkauft, sicherlich auch mit dem einen oder anderen nicht so guten Spiel. Aber wenn man ins Finale kommt, wenn man sieht, was für eine Konkurrenz auch da war mit Italien, Niederlande, Spanien, dann können wir auch stolz sein."

Erstaunlich viele Tore

Stolz durften auch die Trainer der 16 EM-Teilnehmer sein. Denn sie hatten ihre Teams überwiegend auf Angriff eingestellt. Und heraus kamen erstaunliche 2,5 Tore pro Spiel. Anerkennung zollte DFB-Chefscout Urs Siegenthaler: "Diese EM war geprägt von Offensivfußball. So viele Torchancen hat es noch nie gegeben bei einem Turnier. Die Trainer merken oder spüren langsam, dass das Spiel letztendlich doch vorne gewonnen wird."

Gedämpfte Begeisterung bei EM-Gastgebern

Detsche und spanische Fans vor dem Stephansdom in Wien

Für EM-Stimmung sorgten vor allem ausländische Fans

Eher gedämpft war während der EM die Stimmung in den beiden Gastgeberländern. In den Fanmeilen waren Einheimische eher selten anzutreffen. Das hatte zum einen mit dem frühen Ausscheiden Österreichs und der Schweiz zu tun, aber auch mit der in den Medien geschürten Angst vor Hooligans. Doch die Zahl der Gewalttaten blieb bis auf eine Konfrontation in Klagenfurt mit rechtsgerichteten, deutschen Randalierern gering. Für Anja Richter vom Wiener Organisationskomitee hat das Ausbleiben von Krawallen auch mit einem veränderten Fanverhalten bei großen Turnieren zu tun: „Ich glaube, dass dank der WM 2006 in Deutschland ein gewisse Fankultur entstanden ist. Bunt maskierte, fast wie im Karneval aussehende Fans, die dieses Miteinander in den Vordergrund stellen und sich zum Motto machen.“

UEFA droht Polen und Ukraine mit EM-Entzug

UEFA-Präsident Platini vergibt die EM 2012 an Polen und die Ukraine

Bei der EM-Vergabe war UEFA-Chef Platini zuversichtlich

Zufrieden waren nach 23 Turniertagen auch die Organisatoren. Heinz Palme, Koordinator der österreichischen Bundesregierung, zog eine überschwängliche Bilanz: „Das war sicherlich die beste EM in der Geschichte. Das hört man immer von Veranstaltern. Aber diese EM hat wieder einen weiteren Schritt nach oben gesetzt. Und es war ein friedliches tolles Fest im Anschluss an die WM 2006 in Deutschland.“ Problematisch und schleppend laufen dagegen die Vorbereitungen auf die EM 2012 in Polen und der Ukraine. UEFA-Präsident Michel Platini drohte beiden Ländern sogar mit dem Entzug der Gastgeberrolle.

Kuranyis Flucht, Ballacks Kritik

Nationalstürmer Kevin Kuranyi entschuldigt sich für seine Flucht

Ex-Nationalstürmer Kuranyi nach seiner "Flucht"

Für den eigenen Entzug sorgte derweil Nationalstürmer Kevin Kuranyi. Der Spieler des FC Schalke 04 musste mehrmals nur die Ersatzbank drücken und flüchtete während des WM-Qualifikationsspiels gegen Russland in Dortmund aus dem Stadion. Bundestrainer Löw warf Kuranyi trotz Entschuldigung aus der Nationalmannschaft. Vor dem gleichen Schicksal standen auch Torsten Frings und Michael Ballack, die öffentlich den Umgang des Bundestrainers mit "gestandenen" Spielern kritisiert hatten. Beide Routiniers mussten bei Löw zum Rapport antreten und kamen mit einer Verwarnung davon. "Es hat kein Spieler, auch nicht der Kapitän, das Recht, Entscheidungen des Trainers zu kritisieren", betonte Löw anschließend.

Löw zieht positive Bilanz

Bundestrainer Löw dirigiert die Nationalmannschaft

Bundestrainer Löw dirigiert seine Jungs

Auf gutem Weg ist die deutsche Mannschaft in der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika. Das Team führt die Gruppe vor Russland und Wales an. Den Abschluss des Jahres verpatzte das Nationalteam aber mit einem 1:2 im Fußball-Klassiker in Berlin gegen England. Bundestrainer Löw zog dennoch eine versöhnliche Bilanz. "Wir sind Vize-Europameister. In der WM-Qualifikation stehen wir gut da. Einige junge Spieler haben Fortschritte gemacht. Und wir haben in diesem Jahr elf Siege gewonnen. Das spricht für uns." Und Bastian Schweinsteiger wagt indirekt auch schon einen mutigen Ausblick auf die WM 2010. "Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die schon einmal Dritter geworden ist und einmal Zweiter. Demzufolge müsste dann das nächste Mal etwas anderes folgen."