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Wirtschaft

Die "eiskalte Geldmaschine" von Disney

"Frozen", der Animationsfilm aus dem Hause Disney, war nie auf der Berlinale zu sehen, ist aber ungemein erfolgreich. Auch nach zwei Jahren verdient der Mäusekonzern noch immer rekordverdächtig an dem Streifen.

Der Schneesturm "Juno" hat den New Yorker Central Park dieser Tage in ein weißes Winterwunderland verwandelt. Alles wirkt ein wenig ruhiger und friedlicher als sonst. Nur in der Nähe der Statue des dänischen Dichters Hans Christian Andersen ist ab und zu ein fröhliches Lachen zu hören. Hier rodeln Kinder einen kleinen Hügel hinunter und freuen sich über das Eis und den Schnee - ganz anders als der Rest der New Yorker.

Unter den Kindern ist auch die 8-Jährige Anja. Dass der Erfinder ihres Lieblingsfilms "Frozen" nur einen Steinwurf entfernt ist, hat sie nicht gewusst. Dafür kennt sie die abgewandelte Disney-Version des bekannten Märchens von der Schneekönigin in und auswendig: "Es ist ein toller Film über zwei Schwestern, die sich trennen und schließlich wieder ihren Weg zueinander finden müssen."

Eine smarte Prinzessin, eine Königin mit Zauberkräften, ein sprechender Schneemann und tanzende Tiere - garniert mit einer Lovestory und prämierter Ohrwurm-Musik: Becky Shofner wundert sich nicht über den anhaltenden Erfolg des Films. Sie arbeitet seit 20 Jahren für den Mäusekonzern und ist Geschäftsführerin vom Disney Store am Times Square. "Es ist so eine schöne Geschichte und sie hat einen großartigen Soundtrack. Bis heute kommen Leute einfach nur in unseren Laden, um den Soundtrack "Let it Go" mitzusingen."

Vielfach ausgezeichnet

Anklang fand der Film im vergangenen Jahr auch bei diversen Film-Juries. So gewann Frozen jeweils einen Oscar, einen Golden Globe und einen British Academy Arward für den besten animierten Film und den besten Titelsong. Das Soundtrack-Album wurde mehr als eine Million mal verkauft, auf dem Online Musikportal Spotify weitere sieben Millionen mal.

Und die Erfolgsstory geht weiter: "Frozen" selbst spielte in den Kinos weltweit 1,2 Milliarden US-Dollar ein. Damit liegt er aktuell auf Platz fünf der erfolgreichsten Filme und ist der erfolgreichste Disneyfilm seit "Der König der Löwen" aus dem Jahr 1994. Dieser brachte es damals auf rund 988 Millionen US-Dollar.

Auch Disney-Mitarbeiter wie Becky Shofner war von der enormen Durchschlagskraft des Films überrascht. "Wir haben damit gerechnet, dass Frozen sich gut machen würde. Aber tatsächlich hat er dann alle Erwartungen weit übertroffen."

Auch beliebt – Frozen-Mundwasser und -Suppen

Doch der Mäusekonzern verdient nicht nur am Kinokassenerfolg und am Verkauf von DVDs oder Musik-CDs. Neben den normalen Produkten wie Spielen zum Film, T-Shirts und Pullis ziehen auch Frozen-Mundwasser, Frozen-Suppen und Frozen-Karaoke-Maschinen Kinder und ihre zahlenden Eltern in die Läden. Shofner schätzt, dass die Frozen-Artikel allein in ihrem Gerschäft rund 18 Prozent des Umsatzes ausmachen.

Disney Die Eiskönigin Frozen Merchandising Artikel

Geld mit Nebenprodukten verdienen

Im ersten Quartal 2015 vermeldete Disney steigende Umsätze von 23 Prozent. Im Bereich Konsumentenprodukte waren es 22 Prozent und damit insgesamt knapp 1,4 Milliarden US-Dollar. Maßgeblich getrieben von Frozen-, Mickey und Minnie Maus, Spiderman- und Avengers-Artikeln, hieß es vom Konzern.

Identifizerung mit weiblichen Heldinnen

Einer Studie von 2013 zufolge beobachten Film-Kritiker und Psychologen: Vielschichtige Figuren mit inneren Konflikten laufen an den Kinokassen dieser Tage besonders gut. Weil Filme mit starken, heranwachsenden Frauen, die selbst das Zepter - wahlweise auch Pfeil, Bogen oder Schwert - in die Hand nehmen, beliebt sind, kommt Frozen auch bei Erwachsenen gut an.

Und die Identifizierung mit den Heldinnen zahlt sich auch bei den Fanartikeln aus. Das bestätigt Becky Shofner vom New Yorker Disney Store: "Jedes kleine Mädchen möchte Anna oder Elsa sein. Darum gehören unsere Kostüme zusammen mit den Kronen und den Schuhen zu den am besten verkauften Artikeln."

Anna- und Elsa-Puppen lassen Barbie alt aussehen

Auch die Frozen-Puppen – klassisch oder singend, groß oder klein – sind der absolute Renner, sagt Shofner. Das bekam auch der Spielzeughersteller Mattel vor kurzem zu spüren. Der Umsatz seiner Barbie Puppen ist weltweit im vergangenen Quartal um zwölf Prozent weggebrochen. Die Elsa- und Anna-Puppen stellt größtenteils der kleinere Spielzeug Konkurrent Jakks Pacific her. Dessen Einnahmen sind im Vergleich zum Vorjahr 2014 um fast 13 Prozent gestiegen.

Disney Die Eiskönigin Frozen Merchandising Artikel

Nicht jeder Frozen-Artikel kommt auch wirklich von Disney

Mit dem "Wolf of Wall Street" führt "Frozen", laut dem Piraterie-Tracking Dienst Excipio, die Liste der am meisten illegal bezogenen Filme im Jahr 2014 an: 30 Millionen Mal wurde er weltweit unrechtmäßig und kostenlos heruntergeladen. Online Handelsplattformen wie Amazon oder Etsy.com gehen offen gegen Händler vor, die unlizensierte Frozen-Artikel anbieten. Auch das scheinbar ein gutes Geschäft: In Großbritannien würde jüngst davor gewarnt, dass mehrere Hundert solcher gefälschter Produkte als gesundheitsschädlich getestet wurden.

Im Central Park in New York haben die Kinder und Jugendlichen solche weltlichen Probleme nicht im Kopf. Sie eifern lieber beim Spielen ihrer Lieblingsfigur nach: der Eiskönigin Elsa. Die 8-jährige Anja liebt sie, weil sie Eis und Schnee liebt. Und Ella, 16 Jahre alt, bewundert ihre magischen Kräfte und ihren tollen Charakter.

Und auch das verschneite Winterwetter in New York dürfte zumindest dem dortigen Disney Store in die Karten spielen und die Verkaufszahlen weiter an treiben. In diesem Sinne "Let it Snow", "Let it Snow"...