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Nahost

Die "Eisenkuppel": Israels Verteidigungsbollwerk

Eine Woche lang gingen Raketen der radikal-islamischen Hamas aus dem Gazastreifen auf bewohnte Gebiete in Israel nieder. Ein israelisches Raketenabwehrsystem hat sich als äußerst effektiv erwiesen.

REUTERS/Baz Ratner (ISRAEL - Tags: CIVIL UNREST MILITARY)

Gaza Luftangriffe Israel Palästina Hamas

"Vier Minuten Iron Dome" nannte der israelische Fernsehkanal "Zwei" den Bericht, der am Montagabend kommentarlos ausgestrahlt wurde. Zu sehen waren Bewohner der israelischen Hafenstadt Ashdod, die zwischen Sanddünen und steinigen Wegen saßen und zum Himmel hinaufschauten, die Smartphones gen Himmel gerichtet. Ein Mann mit Sonnenbrille schreit in die Kamera: "Das ist einzigartig, wirklich. Ich hole meine Kinder, damit sie sehen können, wie sicher das System ist." Minuten zuvor hatte es Alarm gegeben: Eine Rakete aus dem Gazastreifen zielte auf die Stadt. Doch bevor sie irgendwelchen Schaden anrichten konnte, zerstörte die bei Ashdod stationierte Abwehranlage "Eisenkuppel" (Iron Dome), das Geschoss in der Luft. Nicht einmal eine Explosion war zu hören.

Erfolgsquote von 90 Prozent

Die Euphorie der meisten Israelis für die "Eisenkuppel" hat sich, seitdem die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen und Israel begannen, Tag für Tag gesteigert. Auf Internetseiten loben sie die Wirksamkeit der Anlagen: Denen sei es vor allem zu verdanken, dass seit dem Ausbrechen des Konfliktes die Zahl der Toten und Verletzten in Israel bislang gering geblieben ist. Das System kann Raketen, die auf bewohnte Gebiete zielen, erfassen und abfangen. Fünf dieser Abwehranlagen sind bisher im Einsatz. Vier davon im Süden Israels, eine steht seit vergangenem Samstag in einem Vorort von Tel Aviv und ist auch dort eine Attraktion.

Drei israelische Unternehmen zeichnen für die Entwicklung dieser Abwehranlage verantwortlich. Den Hauptanteil trägt die Firma Rafael Defense Systems, die nach offiziellen Angaben vor etwa fünf Jahren mit der Entwicklung begann. Die erste Bewährungsprobe der "Eisenkuppel" war im April 2011. Im Frühjahr dieses Jahres, als die Hamas den Süden Israels bereits ebenfalls eine Woche lang heftig attackierte, kamen drei weitere Anlagen zum Einsatz. Jede Einheit setzt sich aus drei Abschussrampen und einem Radar zusammen, gesteuert von spezieller Software. Wird eine Rakete abgeschossen, erkennt das Radar die Art des Geschosses sowie das Ziel - also ob sie bewohntes Gebiet anvisiert. Dann wird diese Information an die Abwurfvorrichtung weitergeleitet: Eine Abfangrakete wird gezündet. Wie in den Videoaufnahmen der israelischen Armee (IDF) immer wieder zu sehen ist, werden die feindlichen Raketen dann in der Luft zerstört.

Die "Eisenkuppel" ist jederzeit transportierbar und kann in kurzer Zeit ab- und wieder aufgebaut werden - ein strategischer Vorteil. Ihre Erfolgsquote läge bei rund 90 Prozent, sagt ein Sprecher des israelischen Verteidigungsministeriums. Sie sei auch einsetzbar, wenn es regnet oder neblig ist und schießt Raketen mit einer Reichweite von vier bis 70 Kilometer ab.

Unterstützung durch die USA

Amir Perez, israelischer Verteidigungsminister von Mai 2006 bis Juni 2007, hat entscheidend dazu beigetragen, dass das System einsatzfähig ist. Der 60-Jährige, heute Knesset-Abgeordneter der Arbeiterpartei, wohnt in Sderot, einer Stadt, die unweit des Gazastreifen liegt und oft Ziel von Raketen ist. Er drängte gegen den Widerstand von Armeeexperten damals darauf, die "Eisenkuppel" zu entwickeln. Vor allem die hohen Kosten waren seinerzeit ein Gegenargument. Dass Israel inzwischen fünf dieser Abwehranlagen zur Verfügung stehen, ist vor allem den USA zu verdanken, die das Projekt großzügig unterstützten.

Eine Anlage soll laut israelischen Medien rund 39 Millionen Euro kosten, dazu kommen die Kosten für die abgefeuerten Raketen pro Einsatz. Insgesamt soll Israel bislang umgerechnet 780 Millionen Euro investiert haben.

Die israelische Armee ist vom Erfolg des Systems überzeugt. Um das Land jedoch umfassend zu verteidigen, müssten mindestens 13 der Anlagen bereit stehen. Wie Verteidigungsminister Ehud Barak diese Woche bekannt gab, soll dies - je nach finanzieller Lage - in drei Jahren der Fall sein.

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